Die Freunde und Funktionäre der deutschen Leibesübungen überbieten sich in letzter Zeit im Pläne-Schmieden. Da gibt es ein Sieben-Punkte-Programm des Bundesinnenministers, einen Carl-Diem-Zehnjahresplan für den Bau von Turn- und Schwimmhallen, da hat der Deutsche-Sport-Bund einen Schulsport-Plan ausgearbeitet. Vor kurzem machte uns nun auch noch der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Freien Universität Berlin, Dr. Harald Mellerowicz, mit seinem „Gesundheits-Plan“ bekannt. Der einstige deutsche Sprintermeister aus Berlin will mit einem Plan „in dem Menschen das Streben nach Vervollkommnung wecken und zugleich die Freude am Sport und an den Leistungen fördern, damit Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit als Werte mehr Beachtung und Anerkennung erwerben.“ Den Gesundheitssport sollen ältere Menschen vom 35. bis 70. Lebensjahr ausüben, zum Beispiel als erholenden und entspannenden Betriebssport. Danach wird vom Versehrtensport geredet, und selbstverständlich erscheint auch wieder der Schulsport auf – beziehungsweise: in – dem Plane. Schließlich ertönt wieder der Ruf nach Freigabe und Erstellung von mehr Sportplätzen und Turnhallen, nach einer erhöhten Unterstützung der sportbiologischen und -medizinischen Forschung. Was ist an diesem Programm neu? Wer nur den letzten Jahrgang der ZEIT durchblättert, wird finden, daß wir immer und immer wieder auf die Wichtigkeit dieser Anliegen hingewiesen haben. Allerdings müssen wir zu unserem Kummer gestehen –: mit dem gleichen negativen Erfolg, der allen früheren Sport- und Gesundheitsplänen beschieden war. Das liegt einzig und allein daran, daß unsere sportlichen Organisationen nicht wissen, was sie wollen, und daß den Funktionären von heute nicht nur der wahre Idealismus, der die führenden Männer von einst auszeichnete, fehlt, sondern auch die Sachkunde und das richtige Verständnis für die eigentlichen und wichtigsten Forderungen unserer Gegenwart.

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Daß es, ganz allgemein gesehen, um unseren Sport schlecht bestellt ist, sah man unlängst wieder, als der Hamburger Sport-Verein wegen einer zunächst umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung in einem Endrundenspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft gegen Borussia Dortmund zu randalieren begann und schließlich nach verlorenem Spiel Protest einlegte. Gegen eine Entscheidung des Unparteiischen anzugehen, ist ohnehin schon immer eine üble Sache und ein Zeichen schlechter Manieren; nach dem Verlust eines Kampfes aber zu protestieren, um auf diese Weise vielleicht doch noch das Schicksal zu wenden, ist eines Sportsmannes (und als solche wollen ja auch unsere Vertragsspieler gelten) einfach unwürdig. Wir haben zwar von den Briten das schöne Fußballspiel gelernt, ihres sportlichen Geistes aber bislang keinen Hauch verspürt. Ein „bad looser“, ein schlechter Verlierer zu sein, ist im Mutterland des Fußball-Sports ein Schimpf, dem sich keiner und keine Gemeinschaft je aussetzen würde. Bei uns sind schlechte Verlierer an der Tagesordnung, und kaum einer findet etwas dabei, daß sich auf unseren Spielfeldern immer mehr „Rabauken“ austoben und man den Begriff des gentleman überhaupt nicht, mehr kennt.

Vielleicht ist es angebracht, statt Werbeveranstaltungen für den Sport Anstandskurse für unsere Sportler und Pseudosportler abzuhalten, damit auch sie endlich lernen, daß es besser ist, ein Spiel fair zu verlieren als unfair zu gewinnen.

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Kaum ist der „Fall Wagner“ beigelegt, müssen wir uns mit einem neuen, nicht minder bedauerlichen Zwischenfall an der Zonengrenze beschäftigen. Wiederum hat man zwei Berliner Sportler auf ihrer Fahrt in die Bundesrepublik aus ihrer Reisegesellschaft heraus verhaftet und eingesperrt, und das wohlgemerkt, nachdem sich die Sportführung der Ostzone ausdrücklich dafür stark gemacht hatte, daß in Zukunft derartige Willkürakte unterbleiben würden. Das Problem eines gesamtdeutschen Sportverkehrs ist mit dem ostzonalen Sportausschuß überhaupt nicht zu lösen, sondern wohl nur zwischen den Regierungsstellen der Bundesrepublik und der DDR. Es war ein schwerer Fehler, daß gewisse westdeutsche Fachverbände von sich aus mit den entsprechenden Organisationen der Ostzone Vereinbarungen trafen, die nicht den Gesamtkomplex umschlossen. Walther Kleffel

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