In der letzten Mai-Hälfte wiesen die meisten Lebensmittel- und Rohstoffmärkte der Welt wieder eine ausgesprochene flaue Stimmung auf, die auf verschiedenen Einzelmärkten zu neuen Preisabschwächungen führte. Die Käufer sind nach den andauernden und von einem Markt auf den anderen überspringenden Preisrückgängen der letzten Monate äußerst vorsichtig geworden. Man deckt stets nur den dringendsten Bedarf und riskiert lieber eine vorübergehende Preiserhöhung, als bei weiterem Preisverfall auf größeren Beständen sitzenzubleiben. Auch die Spekulation ist zurückhaltender geworden und beschränkt sich hauptsächlich auf kleinere Engagements, die sich bei der heutigen Empfindlichkeit der Märkte aber doch gelegentlich durch unerwartete Preisausschläge nach oben oder unten bemerkbar machen.

Stark angeschlagen wurde in der Berichtsperiode wieder der Getreidemarkt. Weizen ist in dieser Zeit in Chikago abermals um 6,25 cts je bu zurückgegangen und steht jetzt mit 208,75 cts nur wenige Cents über dem Maximalpreis des neuen Internationalen Weizenabkommens. Auch die übrigen Getreidearten wurden von der rückläufigen Bewegung erfaßt, die ihre letzte Ursache in den großen Beständen, verbunden mit der schwachen Nachfrage der Mühlen und des Handels in USA, sowie der schleppenden Ausfuhr hat. Lagerschwierigkeiten hat die Commodity Credit Corporation schließlich gezwungen, Getreide zu niedrigeren Preisen abzustoßen, wovon der gesamte Markt beeinflußt wurde.

Der Preis für den Zucker-Weltkontrakt Nr. 4 hat in den letzten Tagen etwas nachgegeben, was hauptsächlich auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen ist. Der jetzige Preis von 3,68 cts je lb steht aber immer noch um 0,56 cts höher als zur Zeit des tiefsten Standes Anfang April.

Von den Spinnstoffen hat Baumwolle eine leichteAbschwächung aufzuweisen, obwohl in den USA diesmal mit einer Verringerung der Anbaufläche gerechnet wird, allerdings nicht in dem von der Regierung gewünschten Ausmaß. Die Verringerung der Ausfuhr bereitet dem USA-Handel die größten Sorgen. Bis zum 21. Mai wurden in der laufenden Saison nur 2,59 Mill. Ballen ausgeführt gegen 5,14 Mill. im Vorjahre. Wie verlautet, soll die amerikanische Regierung, die vor kurzem erst Japan einen 40-Mill.-$-Kredit für Baumwollkaufe eingeräumt hat, die Absicht haben, auch England 40 Mill. $ zum Ankauf USA-Baumwolle nur Verfügung zu stellen, um dadurch den heimischen Markt zu entlasten. Mit beiden Anleihen können schätzungsweise 400 000 Ballen Baumwolle angeschafft werden, – Auf dem Jutemarkt kam es im vergangenen Monat zu einer Hausse, in derem Verlauf Dundee Daisee von 125 Rupies je Ballen auf 170 Rupies anstieg. Für die Preissteigerung sind verschiedene Gründe maßgebend. Zunächst die Verringerung der Anbaufläche für Rohjute in Pakistan um etwa 40 v. H., ungünstigere Berichte über den Saatenstand und die Abnahme der Vorräte in den besseren Qualitäten. Die Preiserhöhung für Rohjute hat eine Befestigung der Preise für Jute-Halb- und -Fertigfabrikate zur Folge gehabt, wozu im übrigen noch größere Aufträge von Argentinien und USA beigetragen haben.

Auf dem sehr labilen Kautschukmarkt sind die Preise neuerdings wieder zurückgegangen. Die Preiseinbuße beträgt in London 5/8 d. in New York 1 1/2 cts je lb. Die Aussichten auf eine Besserung des Preisniveaus für längere Dauer sind sehr gering, da eine starke Überproduktion besteht und die großen Vorratskäufe der USA aufgehört haben. Die Welterzeugung von Naturkautschuk wird für das laufende Jahr amtlich auf 1 788 000 lgt geschätzt, die Produktion von Kunstkautschuk auf 989 000 lgt, während der Verbrauch nur auf höchstens 1 595 000 bzw. 909 000 lgt berechnet wird. Auf der diesjährigen Jahresversammlung der Internationalen Kautschuk-Studiengruppe vom 11. bis 20. Mai wurde lange über ein internationales Abkommen und die Schaffung eines Auffangstocks für Kautschuk beraten, ohne daß man zu einem Ergebnis gekommen wäre. Auf einer außerordentlichen Versammlung im September oder Oktober soll abermals über Stützungsmaßnahmen beraten werden. ol