Auch in der vergangenen Börsenwoche blieben die 5 v. H. Staatsanleihen des Bundes und der Länder die „Lieblingskinder“ des Rentenmarkts, der in seiner Bedeutung weiterhin vor den Aktien rangiert Der Kurs der Bundesanleihe hat sich jetzt bei 99 3/5 v. H. eingespielt, die diversen Staatsanleihen der Länder notieren zwischen 97 3/4 und 98 v. H. Wie jetzt immer sichtbarer wird, haben diese Anleihen keinen breiten Markt gefunden, sondern sind vornehmlich von solchen Gruppen aufgenommen worden, die der Körperschaftssteuer voll unterliegen und deren Einkommensteuersatz über 30 v. H. beträgt. Man hat ausgerechnet, daß unter Berücksichtigung des Zinsaufwandes und des Steuerausfalls diese Anleihen den Staat auf jährlich 17 v. H. zu stehen kommen. Das ist immerhin ein Aufwand, der von keinem privaten Unternehmen aufgebracht werden kann und der auch den staatlichen Stellen zu denken geben sollte. Die Bayern sind mit ihrer viel kritisierten 8 v. H.-Anleihe sehr viel sparsamer gewesen. Da diese überdies nur der normalen Einkommensteuer unterliegt und nicht durch die 30 v. H. Pauschalierung vorbelastet ist, hat sie auch bei dem kleinen Sparer Anklang gefunden. Mit ähnlich ausgestatteten Emissionen würde auch die private Wirtschaft zum Zuge kommen können; allerdings wäre eine entsprechende Ergänzung des 1. Kapitalmarktförderungsgesetzes notwendig.

Am Markt der 5 v. H. DM – Pfandbriefe liegt das Gros der Kurse jetzt bei 95 bzw. 93 v. H. einige Hypothekenbanken halten noch an dem alten Kurs von 98 v. H. fest. Während die 4 v. H. RM-Pfandbriefe vereinzelt abgeschwächt waren, behaupteten die 4 v. H. RM-Industrieobligationen ihre Kurse, da diese Kategorie durch die im Vergleich mit den Pfandbriefen eine kürzere Laufzeit sowie durch die kommenden Auslosungen einen größeren Rückhalt hat. Die Sonderbewegung bei den Altbesitzanleihen hielt an. So stiegen die Hamburger Altbesitz Anleihe um 5 Punkte auf 205 v. H., die Deutsche Kommunalsammel-Altbesitzanleihe um 4 Punkte auf 212 v. H. – Bei den Harpener Bonds kam es zu dem fälligen Rückschlag (120 bis 110 v. H.). Zum Wochenwechsel stellte sich wieder etwas Nachfrage ein. die den Kurs auf 116 1/4 v. H. brachte. Versionen über den Grund der hauptsächlich Von einer Stelle ausgehenden Käufe gibt es genug, die wirkliche Zukunft der Bonds bleibt jedoch noch in tiefes Dunkel gehüllt.

Die Besitzer von Reichstiteln (RM-Anlcihen der öffentlichen Hand) haben einige Hoffnungen schöpfen können, nachdem der Bundestag die Bundesregierung aufgefordert hat, einen Gesetzentwurf zu ihrer Entschädigung vorzulegen, der allerdings wohl in dieser Legislaturperiode des Bundestags nicht mehr zur Verabschiedung kommen wird. Vorerst soll geprüft werden, ob und wieweit hierbei eine Gleichstellung mit den Altsparern, die aus dem Lastenausgleich entschädigt werden, erfolgen kann.

Wenn der Aktienmarkt weder durch die nahe bevorstehende Senkung der Körperschaftssteuer von 60 auf 30 v. H., noch durch die günstige Klöckner-Umstellung (1:3,08, mit Aussicht auf 1:3,2), noch durch die diversen Dividendenerhöhungen und die erfreulichen Nachrichten über die Wirtschaftsbelebung aus seiner Lethargie herausgerissen werden kann, dann ist wohl nicht mehr daran zu zweifeln, daß hier eine grundsätzliche Bereinigung erfolgen muß. Es gibt auch keine Stelle, die die Gefahr dieser verfehlten Kapitalmarktpolitik verkennt; dennoch fehlt es augenscheinlich an dem Mut, endlich einmal etwas Durchgreifendes zu tun, um die Aktie wieder „gesellschaftsfähig“ zu machen. Nun, die Börse wird wohl bis nach den Wahlen warten müssen ...

In der vergangenen Woche war der Aktienmarkt – abgesehen von den Lokalwerten – rückläufig. Dabei hat der Steuertermin zum 10. Juni eine gewisse Rolle gespielt, wenn auch Geldbeschaffungsverkäufe bei dem flüssigen Geldmarkt kaum zu beobachten waren. Immerhin wanderten die Mittel, die üblicherweise den Weg an die Börse fanden, in andere Kanäle. Von den Montanen vermochten lediglich Klöckner und GHH ihre Stellung zu behaupten, beide auf Grund günstiger Umstellungsnachrichten. Während bei Klöckner die Neufestsetzung des Grundkapitals jetzt feststeht, lauten bei der GHH die Schätzungen unverändert auf 1:2,8–1:3. Zu Beginn der neuen Woche deutete sich bei den Montanen eine bemerkenswerte Erholung an.

IG-Farben (effektive Stücke) erreichten in der vergangenen Woche mit 82 v. H. ihren bislang tiefsten Stand nach ihrer Wiedereinführung, konnten sich dann jedoch bis 83 v. H. erholen. Dabei spielten Sperrmarkkäufe eine Rolle, die durch den etwas rückläufigen Sperrmarkkurs ermuntert wurden. Wie übrigens die Landeszentralbank Hamburg in ihrem Jahresbericht für 1952 mitteilt, haben die Sperrmark-Investierungen in letzter Zeit wieder zugenommen. Sie haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres die Gesamtvorjahresziffer bereits erheblich überschritten.

An der Hanseatischen Wertpapierbörse hat die Umstellung der Schleswig-Holsteinischen und Westbank im Verhältnis 10:8 auf 4,24 Mill. DM Befriedigung ausgelöst. Der Bildung eines Kapitalentwertungskontos mißt man keine größere Bedeutung bei. Der Kurs stieg in den letzten Tagen von 60 auf 74 v. H.: fester waren ebenfalls die Aktien der Hamburger Vereinsbank, die neuerdings zu 88 v. H. umgingen. Von den Großbankpapieren konnten nur die Dresdner Bank ihren Stand halten, Commerzbank fielen um 3/4 Punkte zurück und Deutsche Bank waren unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages ebenfalls bruchteilig schwächer. –ndt.

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