Es ist nicht Aufgabe der Kaufleute, einen Fall um des Prinzips willen auf die Spitze zu treiben. So wurde denn jetzt auch bei dem insolvent gewordenen Frankfurter Bankhaus Cüppers & Co. ein Weg gefunden, der eine ruhige Abwicklung des Institutes ermöglicht. Die Landeszentralbank hat sich doch noch bereit erklärt, die Ausgleichsforderungen zu übernehmen, nachdem das Land Hessen zugesagt hatte, eine Einlage in entsprechender Höhe bei der Landeszentralbank zu unterhalten. Damit ist jede Geldschöpfung ausgeschlossen worden.

Soweit gehen die Dinge also in Ordnung. Offen bleibt aber die Frage, wieso es eigentlich zu einer Insolvenz kommen konnte und warum nicht die Bankenaufsicht rechtzeitig eingegriffen hat. Es ist dies die gleiche Frage, die im Fall Bürckle und in dem Fall der Jüdischen Industrie- und Handelsbank die Öffentlichkeit beschäftigt hat, weil sie der Auffassung ist, daß es zu den ureigensten Aufgaben der Bankenaufsicht gehört, zu verhindern, daß die Einleger zu Schaden kommen. Offenbar ist man sich nicht bewußt, daß die Bankenaufsicht von heute mit der der dreißiger Jahre nicht mehr viel gemein hat. Damals war sie ein Führungsorgan, das über den Reichskommissar für das Bankengewerbe lenkend eingriff, während heute die Bankenaufsicht eine Gewerbepolizei der Banken darstellt, die gesetzlich festgelegte Tatbestände zu überprüfen hat. Sie ist weder nach ihrer Zuständigkeit noch nach ihrer personellen Besetzung in der Lage, das gesamte Kreditwesen eines Landes zu überwachen. Das ist um so weniger der Fall, als die Wirtschaft immer neue Geschäftsformen entwickelt, die sich einer Überwachung entziehen.

Das hat sich auch im Falle Cüppers & Co., in dem graue Geldmarkt-Geschäfte eine Rolle spielen, gezeigt. Ein grauer Geldmarkt besteht nun nicht zwischen den Banken, sondern nur zwischen Banken und ihrer Kundschaft, die für längerfristig gegebene Gelder Sonderbedingungen verlangt und auch erhält. Diese Geschäfte lassen sich aber nicht mehr in die Bestimmungen des Habenzinsen-Abkommens einordnen, dessen Einhaltung von den Bankenaufsichtsbehörden überwacht wird. Es ist hier also ein gewisses Zwielicht entstanden, in dem sich leicht Gefahren verbergen können. Ihnen aber kann man mit administrativen Mitteln, mit einer Bankenaufsicht, nicht beikommen, wenn man nicht im gesamten Kreditwesen zu dem Dirigismus der dreißiger Jahre zurückkehren will.

Kredite und Einlagen bei den Banken sind nun mal eine Sache des Vertrauens, vor allem zu den Persönlichkeiten, die an der Spitze eines Institutes stehen. Hinzu kommt noch eine Art Kollektivvertrauen, das dem gesamten Stand entgegengebracht wird. Dieses Vertrauen besonders in schwierigen Situationen zu pflegen und tief zu verankern, ist in einer freien Wirtschaft mit die vornehmste Aufgabe der Banken. Hierzu gehört, daß – unbesehen, ob Pflichtverletzungen vorliegen oder nicht – für Verluste eingetreten wird. Das hat sich von jeher als der beste Bürge für die Pflege des Vertrauens zu den Banken erwiesen, das durch ein Übermaß an Staatsaufsicht nicht ersetzt werden kann. Rlb.