Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Korea, die am 8. Juli 1951 in Kaesong begonnen hatten, sind nach nahezu zweijähriger Dauer zu einem Abschluß gekommen, nachdem sich beide Parteien über den schwierigsten Punkt, das Schicksal der nicht rückkehrwilligen Kriegsgefangenen, im Sinne der Anfang Dezember von der Generalversammlung der UNO beschlossenen Resolution geeinigt hatten. Dazu hat Eisenhower in einem Brief an Syngman Rhee erklärt, dieser Vorschlag biete die Gewähr dafür, daß die 46 500 Gefangenen, die sich ihrer Heimbeförderung widersetzten, nicht gewaltsam zurückgeführt werden. „In Verteidigung dieses Prinzips der freiwilligen Repatriierung haben wir“, so heißt es wörtlich in dem Brief, „gemeinsam viele Tausende von Menschen verloren. Es wäre nicht gerechtfertigt, wenn wir den Krieg mit all seinem Elend fortsetzten, in der Hoffnung, die Wiedervereinigung Koreas durch Gewalt zu erreichen. Unglücklicherweise ist Korea nicht das einzige Land, das nach dem zweiten Weltkrieg geteilt bleibt. Unsere Entschlossenheit, die politische Wiedervereinigung aller auf diese Weise gespaltenen Nationen zu fördern, besteht nach wie vor. Aber wir beabsichtigten nicht, kriegerische Mittel anzuwenden, um den weltweiten politischen Ausgleich herbeizuführen, für den wir arbeiten und den wir als gerecht ansehen. Ich bin bereit, sofort nach dem Abschluß und der Annahme eines Waffenstillstandsabkommens mit Ihnen über einen beiderseits gen Verteidigungspakt zu verhandeln, der auf der gleichen Grundlage wie die bereits abgeschlossenen Verträge zwischen den Vereinigten Staaten und den Philippinen oder den Vereinigten Staaten und Australien sowie Neuseeland aufgebaut ist.“ Aber selbst diese Zusicherung genügte Rhee nicht. Seine Gegenforderungen lauten: erstens Abzug aller alliierten und chinesischen Streitkräfte aus Korea, zweitens sofortiges und automatisches Eingreifen Amerikas für den Fall, daß Südkorea erneut angegriffen wird, drittens Schutz Südkoreas durch amerikanische Luft- und Seestreitkräfte, bis Südkorea sich selbst schützen kann. Wenn diese Forderungen unannehmbar seien, dann müsse Südkorea die Fortsetzung des Kampfes gestattet werden, denn, so sagt Rhee, „wir können eine Fortsetzung der Teilung Koreas nicht länger dulden“. Um diesen Standpunkt zu unterstreichen, verhängte Rhee über ganz Südkorea den Ausnahmezustand und übertrug unter Ausschaltung der den Alliierten gegenüber als loyal geltenden Armee die Exekutivgewalt der Polizei, die dem Innenministerium untersteht. Gleichzeitig ordnete er die sofortige Rückkehr aller sich in den Vereinigten Staaten aufhaltenden südkoreanischen Offiziere an. Der Vizepräsident der Nationalversammlung drohte, „wir werden Indien den Krieg erklären, wenn es ohne unsere Einwilligung Truppen zur Gefangenenüberwachung schickt“.

Seitdem feststeht, daß eine Konferenz der Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs Ende Juni auf den Bermuda-Inseln stattfinden wird, auf der auch über das Zustandekommen einer Konferenz dieser drei Mächte mit der Sowjetunion entschieden werden soll, sind von Bundeskanzler Adenauer verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, um sicherzustellen, daß die Bundesregierung während der Bermuda-Konferenz über alle Deutschland direkt angehenden Fragen unterrichtet wird. Die wichtigste dieser Maßnahmen war die Entsendung des Leiters der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Blankenhorn, nach Washington, der von Außenminister Dulles und Präsident Eisenhower empfangen wurde. Das Ergebnis der Mission Blankenborns war ein persönliches Schreiben Präsident Eisenhowers an den Bundeskanzler, in welchem Eisenhower versicherte, daß auf einer Konferenz der Großmächte keine Deutschland betreffenden Entscheidungen ohne „volle Konsultation“ der Bundesregierung gefällt würden. Starke Beachtung in Bonn fanden auch die in der Londoner diplomatischen Korrespondenz veröffentlichten offiziellen Äußerungen des Londoner Außenministeriums, in denen noch einmal auf die Versicherung des Premierministers Churchill hingewiesen wird, daß die britische Politik Westdeutschland nicht preisgeben werde und daß auf der Bermuda-Konferenz Entscheidungen, die andere Länder betreffen, nicht ohne deren Anhören und Unterrichtung gefällt würden. Die gleiche Versicherung hat Vizekanzler Blücher, der die Bundesrepublik bei den Krönungsfeierlichkeiten in London vertrat, von dem britischen Staatsminister Selwyn Lloyd erhalten. F. K.