Was mag der sowjetische Botschafter, der der Zeremonie beiwohnte, gedacht haben? – "Sehr geschickt inszeniert", meinte später ein französischer Journalist; spiegelte aber die rationale Distanziertheit dieser Bemerkung nicht nur nationalen Neid und seine eigene Wehmut wider?

Und was mögen all jene gedacht haben, die dem britischen Empire nur noch in den Geschichtsbüchern einen Platz zubilligen, als sie dem Schauspiel der aufmarschierenden Vertreter des Commonwealth (das immer noch ein Viertel der Erde umfaßt) beiwohnten? Fünf Kilometer lang war der Zug, den die Kontingente der verschiedenen Waffengattungen und der verschiedenen Länder und Gebiete eröffneten. Dann kamen die ersten Equipagen mit den colonial rulers, darunter die viel bejubelte braune Königin von Tonga, die den mit ihr fahrenden Sultan von Kelantan um drei Köpfe überragte und die die einzige war, die dem Regen in einem offenen Wagen standhielt. Dann acht Wagen mit den Ministerpräsidenten von Indien, Pakistan, Südafrika, Kanada und den anderen Dominien, und hinter jedem nationale Reiterkontingente, braune, schwarze, weiße... Dann Sir Winston Churchill in der Uniform des Lordprotektor "der Fünf Hafen", tief hinein gesunken in den Fond de Coupés; man sah nur sein großes, zwinkerndes Gesicht und die zum V gespreitzten Finger der rechten Hand. Dann die Prinzen und Prinzessinnen aus dem königlichen Hause und wieder Reitereskorten. Garderegimenter, Husaren, rote Uniformen, blaue, schwarze, Federbüsche, Bärenmützen, goldene Helme, Rappen, Füchse, Schimmel, Luftmarschälle und Admirale in Kaleschen, Feldmarschälle zu Pferd und schließlich, von acht Schimmeln gezogen, die goldene Kutsche der Königin und dahinter zu Pferd der Kommandierende Feldmarschall Viscount Alanbrooke und die Flügeladjutanten Earl Mountbatten of Burma und der Herzog von Gloucester und zum Schluß die Reiterei der Königin.

Allmählich wurde das Klappern der Hufe auf dem Asphalt leiser, und die begeisterten Rufe der Menge verebbten in der Ferne. Ein grüner Polizeijeep mit Antenne und Mikrophon fuhr über die regennasse Straße, ganz verloren, hinter dem Zug her. Das erste motorisierte Fahrzeug jenes Tages.

Marion Gräfin Dönhoff