Der bevorstehenden vierten Generalversammlung der Industriegewerkschaft Bergbau, die vom 19. bis 24. Juli in Köln stattfinden wird, gehen keine guten Vorankündigungen voraus. Insgesamt sind von den Ortsgruppen und Delegiertenkonferenzen der gewerkschaftlichen Organisation 391 Anträge auf die Tagesordnung gesetzt worden. Darunter befinden sich eine Unmenge politischer und sozialpolitischer Anträge, viele lohnpolitische und gewerkschaftsinterne Wünsche und Forderungen.

Auffällig stark sind die politischen Anträge vertreten, ferner sozialpolitisch verbrämte Forderungen, die im Grunde genommen ebenfalls politischer Art sind. Sie verfolgen neben rein agitatorischen Zwecken offenbar das Ziel, im Bergbau erneut Unfrieden zu stiften, die Wühlarbeit nicht ermüden zu lassen und den Auftraggebern jenseits der Elbe zu gefallen. Es besteht gar kein Zweifel, daß die kommunistische Unterwanderung der deutschen Gewerkschaftsbewegung in jüngster Zeit wieder Fortschritte gemacht hat. Ängstliches Dulden und stilles Fördern hat es ermöglicht, daß über gewerkschaftliche Listen stark engagierte Kommunisten in Betriebsräte und Gewerkschaftsorganisationen hineingewachsen sind. Die KPD hat vor wenigen Tagen offen im Ruhrrevier als neues Propagandaziel die Forderung nach sofortiger Kündigung des Lohntarifes im Bergbau aufgestellt. Sie verlangt eine Erhöhung aller Bergarbeiterlöhne um 2,50 DM je Mann und Schicht. Mit dieser Forderung will die KPD nicht nur Unruhe in den Bergbau hineintragen, sondern zugleich auch die deutsche Position in der Montan-Union verschlechtern. Wenn gleichzeitig zu lesen ist, daß das Politbüro der SED zur Unterstützung der Kommunistischen Partei in Westdeutschland die Infiltration von weiteren 1600 zuverlässigen Agitatoren begonnen hat, so rundet sich das Bild ab...

Die Industriegewerkschaft Bergbau kündigte bereits an, in Köln würden entscheidende Beschlüsse für die Bergmänner, für die Gesamtwirtschaft und für die Gewerkschaft selbst zu fassen sein. Es ist kein Geheimnis, daß die vierte Generalversammlung wohl die letzte sein wird, die der bewährte und kürzlich 75 Jahre alt gewordene Bergarbeiterführer und Senior der deutschen Gewerkschaftsbewegung, August Schmidt, als erster Vorsitzender leitet. August Schmidt möchte nun nach Abschluß einer großen sozialpolitischen Erfolgsserie, die unter seiner Führung und Ägide erreicht wurde, aus den Sielen treten. Es ist damit zu rechnen, daß die Delegierten der IG Bergbau in Köln eine neue Führung wählen werden.

Es dürfte klar sein, daß diese Wahl sehr entscheidend für die Zukunft des Bergbaues sein wird. Um so bedenklicher erscheinen uns manche Anträge, die das helle Licht der Grubenlampe, wie es gegenwärtig noch erstrahlt, umdüstern und verdunkeln. Der Bergbau hat noch nicht einmal die gerade erst frisch eingeführte 7 1/2 -Stundenschicht verkraftet, da fordern auch schon mehrere Anträge die Einführung einer 7-Stundenschicht mit entsprechendem Lohnausgleich (also praktisch mit einer weiteren 15prozentigen Lohnerhöhung) und darüber hinaus die Einführung der Fünftagewoche mit ebenfalls vollem Lohnausgleich, mithin einer nochmaligen Lohnerhöhung um etwa 17 v. H. Sodann lauten weitere Anträge auf Einführung der 7 1/2-Stundenschicht auch für Übertagearbeiter, ferner auf eine entsprechende Regelung im Kalibergbau und – wie sollte es auch anders sein – auf Sozialisierung des Bergbaues überhaupt. Weiterhin soll der Bundesvorstand des DGB beauftragt werden, unmittelbar nach den Bundestagswahlen von neuem den Kampf gegen das BVG zu beginnen. Rlt.