Man höre und staune: der größte Abnehmer für landwirtschaftliche Produkte in den Vereinigten Staaten ist die Regierung in Washington! Der Landwirtschaftsminister tätigt riesige Einkäufe, weil dem amerikanischen Farmer ein angemessener Preis für seine Erzeugnisse garantiert worden ist. Kann der Farmer einen angemessenen Preis auf dem freien Markt nicht erhalten, so ist die Regierung genötigt, ihm seine Produkte abzukaufen zu den von ihr garantierten Preisen, die für die Grunderzeugnisse: Weizen, Mais, Baumwolle, Tabak, Reis und Erdnüsse durch Gesetz bestimmt sind. Dem Ermessen des Landwirtschaftsministers hingegeji ist es überlassen, zu entscheiden, ob und in welcher Höhe die Preise für Milchprodukte, Hafer, Gerste, Roggen, Flachs, Sojabohnen und andere Erzeugnisse garantiert werden sollen.

Dieses im zweiten Weltkrieg entwickelte System ha tzu der damals Von der Regierung beabsichtigten außerordentlichen Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung geführt. Es war jedoch keineswegs der Sinn dieser Maßnahme, die staatliche Subventionierung der Ländwirtschaft nach Beendigung des Krieges fortzusetzen oder sie gar zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Die Mächt de? Farmerblocks, der sich auf eine Landbevölkerung von 25 Millionen Menschen stützt und dem im Kongreß Mitglieder beider Parteien angehören, erwies sich aber als so stark, daß weder die Regierung Roosevelts noch die Trumans es wagte, a den Subventionen zu rütteln. Im Gegenteil, es entstand in den letzten drei Kongressen ein Wettlauf um die Stimmen der Farmer, der zu immer neuen Erhöhungen der garantierten Preise führte. Die Folge dieser Politik war, daß die Farmer ohne Rücksicht auf die tatsächlich vorhandenen Bedürfnisse ihre Produktion ständig weiter steigerten : ;Wöhin diese Entwicklung führt, wird an der Tatsache deutlich, daß die Regierung Ende Mai 7 756 Millionen Tonnen Weizen im Wert von 693 Millionen Dollar gekauft und außerdem 10 95 Millionen Tonnen Weizen mit 807 7 Millionen Dollar beliehen hat. Sachverständige des Landwirtschaftsministeriums rechnen damit, daß bis zum 1. Juli noch 2j 3 Millionen Tonnen gekauft werden müssen so daß die Regierung an diesem Termin einen Rekordbestand von 10 05 Millionen Tonnen Weizen besitzen wird. Um diese Mengen, einlagern, zu können, mußte die Regierung bereits auf "eingemottete" Handelsschiffe zurückgreifen — Insgesamt hat die Regierung mehr als 3 Milliarden Dollar für Einkäufe von Nahrungsmitteln ; und Pflanzenfasern ausgegeben, eine Summe, die sich. nach den Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums im nächsten Jahre auf 4 5 Milliarden Dollar erhöhen wird.

Als typisches Beispiel für die Wirkungen der Preisstützungskäufe der Regierung können die Verhältnisse auf dem Buttermarkt angeführt werden. Der von der Regierung künstlich hochgehaltene Butterpreis von 66 75 cents proPfund hat zu einem starken Nachlassen des Butterverbrauehs zugunsten der Margarine geführt, für die im Großhandel 16 8 cents gezahlt wird. Während in der Zeit von 1935 bis 1939 in den Vereinigten Staaten der Verbrauch an Butter pro Kopf der Bevölkerung 16 9 Pfund und an Margarine 2 9 Pfund betrug, sind die Vergleichszahlen des Jahres 1952 für Butter 8 7 Pfund und für Margarine 7 7- Pfund. Diese Entwicklung ist ein alarmierendes Zeichen dafür, daß die Landwirtschaft Gefahr läuft, bei einer Fortsetzung der Subventionspolitik- einen großen Teil des Buttermarktes für immer zu verlieren. Für die Regierung bedeutet der Kauf und die Einlagerung dieser leicht verderblichen Ware ein großes Verlustgeschäft. Sie hat in diesem Jahr bisher 73 000 Tonnen Butter gekauft und hierfür 98 Millionen Dollar bezahlt, ohne nennenswerte Käufer zu finden. Darüber hinaus muß sie wöchent ? lieh 750 Tonnen zum augenblicklichen Preis von 65 cents pro Pfund abnehmen.

Der Regierung Eisenhower, die grundsätzlich für die freie Wirtschaft ist, sind bis zum Ablauf des?Erntejahres 1954 zum mindesten bei den Grunderzeugnissen die Hände gebunden, diese Politik zu ändern. Aber selbst da, wo sie die Möglichkeit hatte, einen neuen Kurs einzuschlagen, hat sie es nicht getan. So hat der Ländwirtschaf tsminister den vor kurzem abgelaufenen Subventionspreis für Milchprodukte in der gleichen Höhe für ein Jahr verlängert. Die Regierung bemüht sich jedoch, die Farmer über die offenkundigen Gefahren der bisherigen Subventionspolitik aufzuklären und sie zu veranlassen, aus eigener Initiative eine Änderung herbeizuführen. Mehr wagt die Regierung Eisenhower im Augenblick nicht zu unternehmen, denn sie weiß, daß es die republikanischen Farmerstaaten waren, die Roosevelt an die Macht brachten und Präsident Truman 1948 vor einer Niederlage bewahrten. Das weiß aber auch die demokratische Opposition, und sie bemüht sich, das Mißtrauen der Farmer gegen die Regierung Eisenhower zu schüren, um den Boden für den Wahlkampf im Jahre 1954 vorzubereiten, bei dem die Agrarpolitik der Regierung eine entscheidende Rolle spielen kann. E. K.