In Moskau tobt ein harter theoretischer Kampf um die Frage, ob man zum Warenaustausch das Geld benötigt oder nicht. Die Prawda hat einige Sowjet-Propagandisten in dieser Auseinandersetzung scharf zurückgewiesen und erklärt, daß Leute, die die „ungeheure Rolle“ des Handels in der Sowjetwirtschaft unterschätzen, sich einer theoretisch falschen und taktisch schädlichen Schlußfolgerung schuldig gemacht hätten. Das Zentralkomitee und der Ministerrat sähen weder jetzt noch in absehbarer Zukunft eine „historische Periode“ kommen, in der die gegenwärtige Basis des Sowjethandels, nämlich die Geldzirkulation, zugunsten eines direkten Austausches der Produkte abgeschafft werden könnte. Über die Auseinandersetzung herrscht in Moskau große Aufregung, weil Stalin im September vorigen Jahres in seinem großen Artikel über die „Ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ für später einen direkten Austausch der Produkte empfohlen hatte. Jetzt sind außer der Prawda auch andere Propagandisten damit beschäftigt, langwierig und theoretisch den Beweis zu führen, daß der Warenaustausch zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft unbedingt notwendig ist. Daß zwischen Stadt und Land, zwischen Handwerkern und Bauern, zwischen Industrie und Agrarwirtschaft getauscht werden muß, und daß man zur Erleichterung dieses Austausches das Geld braucht, das weiß die Menschheit seit zehntausend Jahren. Bei den Bolschewiken aber ist das eine komplizierte theoretische Frage, über die sie sich des langen und breiten auseinandersetzen, ohne zu merken, wie lächerlich sie sich damit machen. A.