Drei Faktoren mögen die in letzter Zeit durchgeführten Reifenpreissenkungen bevorzugt beeinflußt und hervorgerufen haben: die Anpassung in die absinkende Preistendenz von Kautschuk an den Weltwarenmärkten, der starke Wettbewerb und auch die Möglichkeit billigerer Produktion. Die deutsche Gummi-Industrie, die bei der Korea-Hausse nicht wie die Amerikaner die Preise der verarbeiteten Erzeugnisse fast täglich und sprunghaft den Rohstofftagespreisen anpaßte, sondern durch die termingebundenen Einkäufe und Lagerdispositionen hinter dieser Entwicklung herzog, sah daher auch erst bei der Leerung der alten Lager die Möglichkeit einer Preissenkung auf Grund günstigerer Einkaufspreise. Die Preisentwicklung an den Weltmärkten hatte, im Verein mit der Ankündigung der Reifenindustrie, die Preisbindung der Markenartikel in der zweiten Hand vorzunehmen (sie wurde in der Zwischenzeit realisiert), Anfang 1953 neben der saisonalen Abschwächung zu einer zusätzlichen Zurückhaltung des Handels geführt und damit die erfreuliche Belebung des Absatzes und der Produktion am Ende des Jahres 1952 abgelöst.

Die westdeutsche Gummi-Industrie sieht in der Preisbindung der zweiten Hand bei Markenartikeln ein Mittel, den seriösen Handel zu stützen. Sie stellt seit Inkrafttreten dieser Preisbindung eine merkliche Beruhigung im Handel fest. Dagegen klagt die Industrie, die bei einer Kapazitätsauslastung von etwa 75–80 v. H. den Markt ausreichend befriedigen kann, bei den technischen Gummiwaren nach wie vor über wilde Preisschleudereien.

Hinter den Kulissen, aber nicht ohne Erfolg, reifen die Pläne zur Erweiterung der westdeutschen Bunaproduktion. Die westdeutsche Gummi-Industrie betont dabei, daß die Herstellung des synthetischen Kautschuks nur interessant sei, wenn er qualitativ und preislich mit internationalen Anforderungen, die meist durch das amerikanische Angebot benimmt werden, konkurrieren könne. Eine von der Industrie beauftragte Studienkommission prüft im Augenblick die Übertragungsmöglichkeit amerikanischer Verhältnisse auf Westdeutschland. Als rentable Produktions-Basis werden 30 000 Jahrestonnen angenommen. Der Finanzierungsbedarf zur Erweiterung der zur Zeit in Hüls zugelassenen Monatsproduktion von 500 t wird auf etwa 66 Mill. DM geschätzt. Hier bahnt sich auch eine europäische Zusammenarbeit an. So zeigt sich Frankreich an der Herstellung von Butyl-Kautschuk interessiert und auch mit Italien wurde Verbindung aufgenommen. Über den Weg der Arbeitsteilung und Spezialisierung dürfte dieser gemeinsamen europäischen Synthese-Kautschukproduktion eine Chance einzuräumen sein.

Am Auslandsmarkt verspürt die westdeutsche Gummi-Industrie, deren Exportanteil an der Reifenproduktion sowie der Erzeugung technischer Gummiwaren etwa 8–10 v. H. beträgt, einen immer schärfer werdenden Wettbewerb. Als stärkster Konkurrent, besonders bei Waren serienmäßiger Herstellung, tritt Amerika auf, doch ist in Europa auch die italienische und englische Konkurrenz spürbar. Hier wird vor allem auf das fachmännisch geschulte und spezialisierte Personal der ausländischen Konsulate hingewiesen, das den jeweiligen Ländern bei der Ausfuhr hervorragende Dienste leistet, während maßgebende Vertreter der westdeutschen Gummi-Industrie eine ähnliche Unterstützung vergeblich suchten. Eine Belebung, wenn auch nicht in nächster Zukunft, verspricht man sich von den Auswirkungen des EVG-Vertrages (Erstausrüstungen der neuen Europa-Armee, Bereifung, Gummiteile auf dem technischen Gebiet, Gummigewebe, Besohlungsmaterial, aber auch Gummikettenfahrzeuge usw.). Eine Erzeugungssteigerung wäre hier ohne Produktionsumstellung möglich.

Die weitere Entwicklung am Kautschukmarkt wird äußerst zurückhaltend beurteilt. Jedoch kann als Anhaltspunkt dienen, daß sich die amerikanischen Reservekäufe nicht in dem Umfang entwickelten, als vorausgesehen wurde. Damit dürfte die Unterbringung des Kautschuk-Überschusses zum großen Problem der nächsten Zeit werden. H. K.