Für die Fragen der industriellen Formgebung, die begrüßenswerterweise auf den diesjährigen Messen in Hannover besonders herausgestellt wurden, haben innerhalb der deutschen keramischen Industrie vor allem die Porzellanfabriken eine starke Aufgeschlossenheit gezeigt. Wenn sie auch wissen, daß der Export ihrer Erzeugnisse im vergangenen Jahr erheblich über dem Exportergebnis des Jahres 1951 lag und 1953 ebenfalls eine weitere Steigerung erfahren dürfte, so sind sie doch davon überzeugt, daß Produktion und Absatz in zunehmendem Maße von der Schaffung neuer Formen und Dekors abhängig ist.

Zeitgemäße Formen verlangen eben auch eine zeitgemäße Dekoration. Hier ist die Rosenthal-Porzellan AG wieder einmal mit gutem Beispiel vorangegangen und hat den Mut zum Experiment aufgebracht. Daß sich das Unternehmen, das am Absatz der westdeutschen Gebrauchs- und Zierporzellanindustrie 1952 erheblich beteiligt wir, für diesen Weg der Mitarbeit von Künstlern versicherte, deren Namen nicht nur in der Fachwelt einen guten Klang haben, kann nur begrüßt werden. Bele Bachem, Prof. Jan Bontjes von Beek, Frau

Dr. Chow Chung-cheng, Margret Hildebrand und Prof. Wilhelm Wagenfeld sind diese Künstler, die der Kollektion des Unternehmens aus dem rein Funktionellen heraus eine ästhetische, eigene Ncte verleihen. Die Erfolge ließen nicht auf sich warten; sie sprechen dafür, daß Künstler in Gemeinschaftsarbeit mit den Produzenten schaffen.

Das deutsche „Weiße Gold“ dürfte infolge der Initiative der Porzellanindustrie auch weiterhin zu den gefragtesten Artikeln auf dem Weltmarkt gehören. 1952 hatte sich der Gesamtumsatz der westdeutschen feinkeramischen Industrie (von 7.8 Mill. in 1951) auf 725 Mill. DM erhöht. Dann war Porzellangeschirr und Zierporzellan mit 77,496 (1951: 73,535) Mill. DM beteiligt. Auf diesen Erfolg kann die Porzellanindustrie mit sehr viel Stolz zurückblicken, besonders deshalb, weil sie alle Anstrengungen macht, diese Position weiter auszubauen. Daran ist naturgemäß die Rosenthal-Porzellan AG besonders interessiert, weil ihr Anteil am Gesamtexport des deutschen Qualitätsporzellans sich 1952 bereits auf 57,3 v. H. belief; der Anteil am Gesamtexport der westdeutschen Gebrauchs- und Zierporzellanindustrie liegt bei 18 v. H. An der Spitze der Abnehmerländer stehen die Schweiz, Schweden, Mittelamerika, die USA, Italien, Südamerika und u. a. Österreich. Allein in den USA – und das verdient besondere Beachtung – konnte der Umsatz der Rosenthal-Erzeugnisse mit neuen Dekors im letzten halben Jahr um 22 v. H. gesteigert werden. Der „Mut zu neuen Formen“ zeichnete sich also recht spürbar in der deutschen Devisenbilanz ab; aber auch im Inland führt dieser Entschluß zu eindeutigen Erfolgen. Wir meinen, daß dieses Beispiel auch für viele andere exportorientierte Industriezweige Westdeutschlands Gültigkeit haben kann. Willy Wenzke