Mit der DLG-Schau, die am vergangenen Sonntag endete, ist – zur Überraschung vieler – die Landwirtschaft wiederum in den Mittelpunkt wirtschaftlicher Überlegungen getreten. Jedenfalls wurde auch sehr vielen Städtern nämlich in Köln deutlich, welche besonderen Fortschritte auf diesem Gebiet inzwischen erreicht worden sind. In der Chemie, in der Technik, aber auch in der Züchtung haben sich Forschung und Praxis zu respektablen Ergebnissen zusammengefunden. Viele Städter, die den Millionenaufwand der Industrie für die Landwirtschaft sahen, wurden zu der Überlegung angeregt, welche Größenordnung also dieser „Kunde“ besitzen muß und wieviel der gewerblichen Wirtschaft daran gelegen ist, daß er seine Auftragordres erteilt. Und wie reagierte dieser Kunde auf das Bemühen der Industrie?

Da stand inmitten des weiten (übrigens allzuweiten) Ausstellungsgeländes das „Haus der Genossenschaften“. Im Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Stadt, mehr noch im Bezug der Industrieprodukte für die Landwirtschaft (und dazu im Kreditwesen) haben die landwirtschaftlichen Genossenschaften des Deutschen Raiffeisenverbandes eine Schlüsselstellung inne. Also befragten wir eine „typische“ Genossenschaft über das Wohlergehen der Landwirtschaft und damit über ihre „Kaufkraft“. Dies war die Antwort: vor einem reichlichen Jahre hatte die Genossenschaft rd. 150 000 DM Außenstände, heute fast 2 Mill. DM. Also Pleite in Aussicht? Die Antwort lautet: Nein. – Aber die Landwirtschaft sei illiquide geworden, infolge der Preisrückschläge, die den Erzeuger trafen und dem Verbraucher, infolge der doch wohl zu hohen festen Kosten des Handels, nicht den Vorteil billigerer Lebensmittel einbrachten. – Es ist die simple logische Schlußfolgerung aus dieser Mitteilung, daß dementsprechend die Landwirtschaft in Köln ein zurückhaltender, weil scharf rechnender Kunde sein mußte.

Die Düngemittel-Industrien besitzen besonders nahe Beziehungen zur Landwirtschaft. Die verschiedenen Werkgruppen haben in jedem Lande ihre Berater, die von Hof zu Hof gehen. Sie hatten sich erfreulich begrenzt in ihrer Ausstellungsfläche wie in ihrer Repräsentation, angesichts der Neigung ihrer Kundschaft, zuerst die eigenen Schinkenbrote zu essen, bevor man, zwangsläufig sparsam geworden, in die Lokale ging...

Sehr eindrucksvoll waren die vielen instruktiven Schauobjekte zum Thema „Alles für die Milch“. Es wurde mit überzeugenden Leistungen gezeigt, was geschieht, um dieses einzigartige Volksnahrungsmittel hygienisch einwandfrei an den Verbraucher zu liefern. – Wir könnten hier ferner, beginnend mit den Trocknungsanlagen für Grünfutter oder den ernährungsphysiologisch „gekonnten“ Gärfutteranlagen, einen Lorbeerkranz von Industrieleistungen binden, um deutlich zu machen, welche echten Vervollkommnungen für unsere Nahrungsmittelindustrie und Landwirtschaft durch ihre Theoretiker, „Erfinder“ und Praktiker fortlaufend gemeinsam erarbeitet werden.

Jedoch ist ein „Aber“ anzumerken. Denn, wenn dem Besucher rund 120 Schleppertypen angeboten wurden, so liegt da ein industrieller „Organisationsfehler“ vor. Wie soll sich da nämlich selbst der Klügste noch zurechtfinden, insbesondere, wenn neben wirklich bedeutenden Neukonstruktionen und Konstruktionsverbesserungen allzuviele Fabrikate kleiner Betriebe gezeigt werden, die eigentlich nur auf ihren „Bewährungsbereich“ beschränkt bleiben sollten, in dem gerade diese Fertigungen heimatgebundener Betriebe ihren Ruf fänden. Es steht zu hoffen, daß verschiedene Industriegruppen nach dem Diktat ihrer Erfolgsbuchung zu einer klügeren Begrenzung der Programme gelangen, so verständlich auch der Wille der kleineren Betriebe ist, sich im ganzen Bundesgebiet durchzusetzen.

Die Angebote der Landwirtschaft selbst waren, nach Fülle und Qualität, überraschend. Selbst die Städter bewunderten z. B. die Spitzenklassentiere, die in dem zwei Finger dicken Katalog verzeichnet standen. Noch sehr viel aufgeschlossener waren die Ausländer aus den „härtesten Konkurrenzländern“. Übrigens war es ebenso bei den Pflanzen. Pflanzen- und Tierzüchter präsentierten fraglos in Köln Spitzenleistungen von internationalem Format.

Wäre es nun nicht zweckmäßig, daß die DLG auf ihrem Standpunkt beharrt, alljährlich eine Schau zu veranstalten, um immer rechtzeitig über allgemein wirtschaftswichtige Entwicklungen zu berichten? Und wäre dies nicht auch deshalb zweckmäßig, um gewisse „Überangebote“ mancher Industrien „kürzer zu halten“?

Die Kölner Tage offenbarten auch der Industrie und dazu den städtischen Besuchern, daß die „Bauern-Mark“ nicht mehr frisch-fröhlich im Lande umhertanzt. Sie sucht, mit kritischer Überlegung Ausgegeben, Anlage für einen möglichst zuverlässigen Erfolg auf nicht zu lange Sicht. Ministerialdirektor. Prof. Maier-Bode, Leiter der Abteilung Erzeugung im BELF, erklärte kürzlich in einem NWDR-Fernseh-Gespräch, daß unsere Landwirtschaft an die Industrie und die ihr „vorgeordneten“ Handelsinstitutionen an jedem Tage für 22,2 Mill. DM Aufträge’ vergibt. Damit ist, auch angesichts der DLG-Schau in Köln, ein Betrag präsentiert, um dessentwillen es sicherlich „interessant“ ist, diesem größten Binnenlandskunden der Stadt, eben der Landwirtschaft, nunmehr in kritischem Bemühen umeinander die gleiche wohlwollende Aufmerksamkeit zuzuwenden, wie sie umgekehrt die Landwirtschaft der Industrie anläßlich der DLG-Schau in Köln erwies. Christian Diederich Hahn