Den Auftakt für die tschechische Währungsreform bildete die Freilassung des amerikanischen Journalisten Oatis. Sie hat Washington zu einer Aufhebung des Handelsverbotes mit der Tschechoslowakei, soweit es nicht strategische Güter betrifft, veranlaßt. Prag möchte nun um jeden Preis mit der westlichen Welt wieder ins Geschäft kommen. Das ist der Sinn der radikalen Abwertung.

Längere Zeit sind die leeren Schaufenster Prags mit graphischen Darstellungen geschmückt worden. Eine rote Linie zeigte nach oben, eine schwarze nach unten. Die Bevölkerung sollte aus diesen Kurven ablesen, wie sich ihr Lebensstandard gehoben und die Preise gesenkt hätten. Ohne diese schriftliche Darstellung hätten sie vermutlich auch nichts davon bemerkt. Seit dem Herbst 1951 sind jene instruktiven Tabellen verschwunden. Die offizielle Theorie von der „festgebliebenen Kaufkraft der Krone“ wurde durch die Theorie vom „Ausgleich des Preisunterschiedes“ zwischen dem rationierten und dem freien Markt ersetzt. Die Bevölkerung ahnte, was ihr bevorstand. Angstkäufe haben schon im vergangenen Jahr den Geldüberhang abgeschöpft.

Der Theoretiker der „sozialistischen Zusammenarbeit“, P. Suslin, hat in der Moskauer „Neuen Zeit“ behauptet, die Tschechoslowakei habe eine „einseitige industrielle Struktur“ infolge eines „Übergewichts der Leichtindustrie“ und „ungenügender Entwicklung der Schwerindustrie“. Bei dieser Einseitigkeit hat sich das Land ganz wohl gefühlt und mit Textilien, Schuhen und Galanteriewaren die halbe Welt versorgt, bis es von den Sowjets gezwungen wurde, sich nur noch der Eisen- und Stahlindustrie sowie dem Schwermaschinenbau für Rüstungszwecke zu widmen.

Die tschechische Wirtschaft hat diese Umstellung nicht bewältigen können. Es wurde nicht genügend Kohle zur Belieferung der Stahlwerke gefördert. Die schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln machte ein Absinken der Arbeitsleistung unvermeidlich. Auf der Parteikonferenz im Dezember hielt Gottwald in Prag eine Rede, die einem Eingeständnis der Wirtschaftskatastrophe gleichkam. Die Nachfolger haben sich zunächst einmal durch eine Abwertung von den Schulden befreit, in die sie die Planungsvorhaben gestürzt hatten.

Offiziell ist die Krone auf Goldbasis umgestellt (1 Krone = 0,12 Gramm Feingold) und an den Rubel, die „stabilste Währung“, gebunden. Das Umtauschverhältnis Krone zu Rubel ist 1,80:1. Vergleicht man die Feingoldparitäten mit der Mark, so entsprächen 100 neue Tschechenkronen 58,40 DM.

Grundsätzlich erfolgt die Währungsumstellung auf der Basis 5:1. In diesem Verhältnis sind aber nur kleine Summen bis zu 300 alten Kronen (etwa 24 DM) eingewechselt worden, für die darüber liegenden Beträge betrug die Quote 50:1. Für Arbeiter gab es allerdings Ausnahmen. Praktisch sind auf diese Weise die Sparguthaben kassiert worden. Bei den Staatsanleihen hat man sich gar nicht geniert und sie gleich annulliert. Die 5:l-Quote kommt im Grunde nur für die Löhne und Gehälter in Frage, die in diesem Verhältnis abgewertet wurden. Dagegen erfolgte für die Preise von Lebensmitteln und Industriegütern nur eine Herabsetzung von durchschnittlich 30 v. H., so daß ein Arbeiter heute länger arbeiten muß, um ein Brot oder ein Pfund Butter zu verdienen. Bei einem Vergleich mit der Zeit vor der Währungsreform ergibt sich, daß das Realeinkommen etwa halbiert worden ist.

Aber auch für das wenige Geld kann der Arbeiter sich nicht die Lebensmittel und Konsumwaren kaufen, die er braucht. Sie sind so knapp, daß mit neuen, raschen Preissteigerungen auf dem schwarzen Markt zu rechnen ist. Die Regierung stellt sich auf diese Situation ein. Ministerien und Unternehmungen gaben bekannt, daß Arbeiter, die ihre Aufgaben „vorbildlich erfüllen“, Gelegenheit zu ausreichenden Wareneinkäufen zu amtlichen Preisen haben würden. Sie werden also schuften müssen, um nicht zu verhungern.