Seit langer Zeit sah man in den Börsensälen wieder einmal zufriedene Gesichter, in denen sich die Umsatzbelebung, aber auch die ansehnlichen Kurssteigerungen auf dem Aktienmarkt spiegelten. Ausgehend von den Spitzenpapieren setzt sich eine Tendenzschwenkung auch auf fast allen anderen Gebieten durch? vorerst fand sie ihren stärksten Niederschlag bei den Montanen, die damit ihre Favoritenstellung zurückeroberten. Gründe für die Wandlung gab es ja wahrhaftig genug: die Umkehr der sowjetzonalen Politik, die Diskontsenkung und schließlich die bemerkenswerte Zahl von Dividendenerhöhungen. Angesichts dieser gewichtigen Faktoren war man bereit, gewisse „Schönheitsfehler“ zu übersehen, wie sie in der Insolvenz der Mechanischen Weberei Linden oder in den Spannungen bei einigen Firmen des Groß- und Außenhandels sichtbar wurden.

Abgesehen von einigen Gewinnrealisationen, die recht früh einsetzten, ist es zügig bergauf gegangen. Freilich werden auch diesmal die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Denn: vor jeder durchgreifenden Erholung muß die Diskriminierung der Aktie fallen – und damit ist leider in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu rechnen.

Das plötzliche Einlenken der Sowjetzonenregierung bescherte den Aktiengesellschaften mit Ostinteressen überraschende Gewinne. Betroffen wurden dadurch Siemens, Salzdetfurth, Bekula, Schultheiß, Dessauer Gas, Wintershall und schließlich auch IG-Farben. Zu der allgemeinen Stabilität trugen ferner die Friedensaussichten in Korea bei Dazu im Gegensatz standen die Hauptauslandsbörsen, hauptsächlich die in New York, wo ein Rückgang der Konjunktur befürchtet wird. Da bei der deutschen Industrie Rüstungsaufträge vorerst nur eine begrenzte Rolle spielen, sind derartige Befürchtungen bei uns unnötig. Im Gegenteil: ein befestigter Weltfrieden erhöht die Sicherheit der Bundesrepublik und damit auch die der hier gelegenen Produktionsstätten überdies dürfte die Feststellung des Weltbank-Präsidenten Black, daß die Bundesrepublik „für Dollar-Anleihenkreditwürdig“. sei, an den Börsen ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Das gilt namentlich für die Sperrmark-Anleger, die sich wieder häufiger zeigten.

Bei den Montanwerten erinnerte man sich plötzlich der günstigen Umstellungen, auf die an den Bankschaltern und in den Zeitungen bislang ohne Erfolg nun schon seit Monaten hingewiesen worden war. Vereinigte Stahlwerke erholten sich von 170 auf 179 1/2v. H. Hier scheint die Entflechtung recht gute Fortschritte zu machen. Man erhofft sich ein gesamthaftendes Kapital von 1450 Mill. DM. Bei Hoesch, die von 158 1/2 auf 170 v. H. avancierten, wird demnächst mit den endgültigen Zahlen gerechnet. Die entscheidenden AR-Sitzungen sollen zur Zeit stattfinden. Es werden Umtauschtaxen von 1 : 2,86 genannt. Klöckner-Aktien verbesserten von 193 1/2 auf 201 v. H. Wenn bei den Mannesmann-Papieren der Anstieg optisch geringer ausfiel, dann darf nicht vergessen werden, daß hier bereits in DM notiert wird. Rheinstahl waren kräftig erholt; zum Wochenende wurden sie mit 125 v. H. aus dem Markt genommen. Gutehoffnungshütte stiegen von 187 auf 193 v. H.

In IG – Farben fanden erhebliche Umsätze statt, woran der niedrige Sperrmarkkurs nicht unbeteiligt ist. Die effektiven Stücke notierten zum Wochenschluß mit 863/4 v. H. Noch kräftiger erholt waren die Elektro- und Versorgungswerte. An der Spitze der Gewinner steht hier Dessauer Gas mit den großen Beteiligungen in der Sowjetzone; Bekula kamen aus den gleichen Gründen zu Erfolgen. Verkehrswerte rührten sich dagegen nur wenig. Lediglich Bremer Straßenbahn wurden stärker gefragt und kamen auf 56 v. II.

An der Hanseatischen Wertpapierbörse wurden Maihak beachtet, seitdem die Gesellschaft eine Dividendenerhöhung von 6 auf 8 v. H. bekanntgab. Bei Beiersdorf, die 9 Punkte höher lagen, wird eine Aufstockung der Dividende von 6 auf 7 v. H. erwartet. Daneben wurde die Vermutung erwähnt, daß die Verwaltung in absehbarer Zeit eine Aufstockung des Grundkapitals beabsichtige. Größte Beachtung fanden die Aktien der Continental Gummi-Werke, die um 5 1/2 Punkte auf 125’/> v. H. anstiegen, Die Verwaltung hat für 1952 eine Dividende von 7 1/2 v. H. angekündigt.

Ein wenig vernachlässigt wurden die Bankaktien. Nach Auszahlung der Dividenden und nach den Hauptversammlungen ist die „Musik“ aus diesen Papieren heraus. Vielleicht nahm man sich auch die vermuteten Einnahmenrückgänge (Folge der wiederholten Diskontsenkungen) zu Herzen. Da dieser Einnahmeausfall vermutlich durch den erweiterten Geschäftsumfang ausgeglichen werden wird, sind freilich in diese Richtung zielende Bedenken nicht allzu schwerwiegend.