Im „Hamburger Echo“ war neulich die fast klassische Formulierung zu finden: Marktwirtschaft sei nur „auf Kosten der Schwachen“ möglich. Mit Erstaunen las man da, daß Prof. Seraphim (Münster) die Behauptung in den Mund gelegt worden war, es gäbe im Bundesgebiet 9 Millionen Erwerbstätige mit einem Einkommen unter 250 DM monatlich „und 5,5 Millionen Menschen (Rentner, Erwerbslose, Flüchtlinge), deren Einkommen noch darunter liegt“. Ergo sei an eine „Freigabe der Mieten“, d. n. eine Angleichung der Mieten an den Kostenstand bei Neubauten, ernstlich nicht zu denken... Nun, die Professoren, die im Wissenschaftlichen Beirat des Ministers Schäffer sitzen, sind (in puncto Mietenangleichung) anderer Meinung, wie in ihrem Gutachten zur „Großen Steuerreform“ nachzulesen ist (dem übrigens auch der Sozialdemokrat Prof. Weisser zugestimmt hat). Aber darauf kommt es hier nicht an, sondern auf jene Zahlen, die Prof. Seraphim (wenn er sie überhaupt genannt haben sollte ...) ungeprüft aus einer Arbeit von Rüdiger Proske, und Ilse Elsner entnommen haben müßte – einer Arbeit, die nun ihrerseits wieder jener vielbeachteten Hörspielsendung des NWDR (unter dem Titel „... ihr Nachbar ist die Not“) zur Grundlage gedient hat.

Hier die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit: danach sollen in unmittelbarer Nachbarschaft der Not (mit Einzeleinkommen unter 250 DM monatlich) leben

500 000 selbständig Tätige,

1 700 000 unverheiratete (oder verwitwete) Frauen,

1 900 000 Arbeiter, Angestellte, Beamte,

macht also 4,1 Millionen, nicht 9 Millionen. Zu dieser höheren Zahl, von 8,9 Millionen „genau“, kommt man nämlich nur dann, wenn man – wie es die Autoren Proske-Elsner zunächst tun, bis sie sich dann von dem unsympathischen, aber realistisch denkenden Herrn Kulicke (müssen Realisten im Hörspiel eigentlich immer unsympathisch sein?!?) eines Besseren belehren lassen – noch folgende Verdienergruppen einrechnet:

2,0 Mill. mithelfende Familienangehörige,