Bund, Länder und Gemeinden können sich nicht genug daran tun, immer wieder ihre Sportfreundschaft zu betonen und auf die Förderung hinzuweisen, die sie den Leibesübungen angedeihen lassen. Leider aber stehen, wie so oft im Leben, die hochtönenden Phrasen im umgekehrten Verhältnis zu den Taten. Was der Sport heute braucht, sind nicht Redensarten und Besuche von sogenannten Prominenten anläßlich irgend eines bedeutsamen Kampfes, sondern Geld. Denn nur mit Geld und nicht mit einem wohlwollenden Kopfnicken ist den Turn- und Sportvereinen gedient. Allein mit Geld sind die Spielplätze, Turnhallen, Schwimmbäder und Stadien wieder herzurichten oder zu erbauen.

Weil aber Fiskus und Kommunen selbst bedürftig des Geldes sind, halten sich die Finanz-Dezernenten gerne auch an den Sport, belegten ihn in seltener Einmütigkeit in allen Ländern mit allen nur erdenklichen Steuern und besonderen Abgaben. Sogar für die Polizeimannschaft, die bei großen Veranstaltungen die Regelung des Verkehrs vorzunehmen hat, mußte unlängst ein süddeutscher Fußballverein eine erkleckliche Summe aufs Rathaus tragen. Ein geradezu unsittliches Verlangen aber ist es, daß unsere Amateursportvereine, deren ganzes Tun und Lassen doch nur der Ertüchtigung der Jugend und also der Gesunderhaltung des ganzen Volkes dienen, für ihre Sport- und Turnfeste Vergnügungssteuern bezahlen müssen, die je nach der Laune des zuständigen Stadtkämmerers in der Bundesrepublik zwischen 10 und 25 Prozent schwankt. So wurden Sportfeste auf dieselbe Stufe gestellt mit Volksbelustigungen, Maskenfesten, Wanderzirkussen, Tanzvergnügungen, Schaustellungen aller Gattungen, musikalischen und deklamatorischen Vorträgen. Das tat nicht einmal die Weimarer Republik, selbst nicht Herr Hitler, der doch sehr rigoros im Nehmen war. Kein Zweifel bestand bei ihnen an der Gemeinnützigkeit unserer Sport- und Turnvereine.

Anders die Herren von Heute. Die Vergnügungssteuer wurde mit den Jahren der Sportfeind Nr. 1. Sie brachte manchen unserer Vereine an den Rand des Ruins, und alle Bemühungen der Sportler und Turner, sich von dieser Plage zu befreien, waren vergeblich.

Nun kam aus Hamburgs Bürgerschaft eine frohe Kunde: Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion sollen in Zukunft alle Amateursportvereine von der Erhebung der Lustbarkeitssteuer befreit bleiben, und die Fußballspiele, bei denen Vertragsspieler mitwirken, sollen nicht mehr als 10 Prozent Steuer zahlen. „Mit Fug und Recht kann man sagen“, führte der Sprecher der SPD aus, „daß die Sportbewegung Breitenarbeit leistet und einen Dienst am Staat erfüllt. Darum ist es ein Akt der Notwendigkeit, diesen Antrag zu akzeptieren“ Das taten denn auch die Mitglieder der Bürgerschaft vom äußersten linken bis zum rechten Flügel. Sie ersuchten darüber hinaus einstimmig den Senat, sich bei der Arbeitsgemeinschaft der Länderfinanzminister wie beim Deutschen Städtetag dafür zu verwenden, daß diese Regelung überall Platz greifen solle.

Man kann nur hoffen, daß dieser Hamburger Beschluß nicht nur alle sportlichen Organisationen, sondern auch die Parteien und die Länderregierungen Schule machen läßt. Besonders die Turn- und Sportverbände müssen jetzt den Behörden klarmachen, wie es um ihre Sache steht, was sie wollen und was erreicht werden muß. Sie müssen ihnen die Wege aufzeichnen, die einzuschlagen sind, was ihre Arbeit im einzelnen kostet, und daß diese Kosten sich lohnen und einmal sehr gut bezahlt machen werden. Der Ausfall an Steuern steht in keinem Verhältnis zu dem Gewinn, der erzielt werden wird, der allerdings in klingender Münze nicht abzuwägen ist. Mit Recht hat vor Jahrzehnten einmal der Beschluß eines Oberverwaltungsgerichtes hervorgehoben, „daß, wenn Tausende von Personen an einer sportlichen Veranstaltung teilnehmen und sich sogar der Tücke des Wetters aussetzen, dies nicht aus bloßer Schaulust geschehen sein kann, sondern daß ernstes Interesse am Spiel selbst, an der Leibesübung als solcher sie angelockt hat, aus der sie Anregung und Belehrung für die eigene Körperpflege suchen und finden wollen“. Die sportliche Vergnügungssteuer ist und wird immer eine Mißgeburt der Steuergesetzgebung sein. Fort mit ihr, sogleich und allerorts! Walther F. Kleffel