In Ostberlin finden zur Zeit Verhandlungen über zusätzliche Lebensmittellieferungen aus der Bundesrepublik in die Sowjetzone statt. Als in Bonn bekannt wurde, daß bestimmten Bevölkerungskreisen der Sowjetzone die Lebensmittelkarten entzogen wurden, beschloß das Bundeskabinett, dem davon betroffenen Bevölkerungsteil durch hochwertige Lebensmittelsendungen, über die mit der Sowjetzone verhandelt werden sollte, zu helfen. Inzwischen wurde der Kartenentzug wieder rückgängig gemacht. Die Ernährungslage in der Sowjetzone bleibt aber weiterhin ernst. Die Fettration beträgt dort 900 Gramm im Monat, im Westen werden schätzungsweise 2070 Gramm Fett je Person verbraucht. Bei Fleisch ist die Relation 1350 Gramm zu schätzungsweise 3260 Gramm, bei Zucker 1240 Gramm gegenüber 2260 Gramm. Wegen der großen Kursdifferenz zwischen der Ostmark und der D-Mark geht man bei der Festsetzung der gegenseitigen Lieferungen nicht vom Kurswert, sondern vom Warenwert aus, der in Verrechnungseinheiten ausgedrückt wird. Die Bundesrepublik ist bereit, für 10 Mill. Verrechnungseinheiten Fische an die Sowjetzone zu liefern. Weiter verhandelt man über die zusätzliche Lieferung von etwa 3000 t Schmalz und ungefähr ebensoviel Butter.