Uns Handwerkern geht es ähnlich wie den Einzelhändlern und Bauern: alle übrigen Wirtschaftszweige und auch der Staat brauchen uns. Aber der Entschluß, etwas Durchgreifendes zu tun, um unsere Stellung innerhalb der Marktwirtschaft zu verbessern, fällt weit schwerer als die Bereitschaft, uns immer wieder der Hilfe zu versichern, die man uns angedeihen lassen will. Als Beispiel kann ich nur die neue Handwerksordnung anführen, die nach langem Hin und Her von den Parlament tarischen Körperschaften verabschiedet wurde. Kaum waren wir in der Lage, uns ob dieses Ereignisses zu freuen, als auch schon bekannt wurde, in Bonn hege man große Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des neuen Gesetzes. Auch die Amerikaner sollen mitgeteilt haben, sie seien mit der beschränkten Gewerbefreiheit nicht einverstanden. So laut man vorher erklärt hatte, man würde unter Umständen eine Verfassungsänderung durchsetzen, so kleinlaut ist man inzwischen geworden. Und dabei sehen wir Handwerker ja die Handwerksordnung als einen wesentlichen Bestandteil der Marktwirtschaft an!

Im übrigen kann sich die Marktwirtschaft kaum einen besseren Bejaher wünschen als uns Handwerker. Alles das, was die Marktwirtschaft infolge ihrer Wettbewerbsorientierung im Dienste der Verbraucher von allen Wirtschaftenden verlangt, z. B. rationelle Fertigung, sorgfältige und strenge Kalkulation, schnelle und elastische Anpassung der Betriebsführung an neue Situationen – alles das bietet das Handwerk auf Grund seiner traditionellen Solidität in einem Umfange, der eine echte staatliche Handwerksförderung mehr als erforderlich machen würde.

Wir Handwerker müssen uns auf den gewiß scharfen Wettbewerb vielleicht mehr und intensiver einstellen als jeder andere Zweig der Volkswirtschaft, weil bei uns die Wettbewerbsverhältnisse besonders fühlbar wirksam werden. Ich darf nur daran erinnern, daß nicht nur die handwerkliche Produktion alten Stils mehr und mehr eine Domäne der Industrie geworden ist, sondern daß auch inzwischen große Teile des bislang noch nicht davon berührten Reparaturhandwerks mehr und mehr in die Konkurrenz der ungleich kapitalintensiveren Industrie hineingezogen werden. Aus diesem Zusammenhang kann man leicht erkennen, wie sehr unsere Preisgestaltung der scharfen Kontrolle des Verbrauchers unterworfen ist. Aber wir brauchen auskömmliche Preise, um unsere Existenz zu sichern. In Zusammenhang damit steht unsere Forderung, daß auch die kleineren und mittleren Handwerksbetriebe an den erheblichen Aufträgen der öffentlichen Hand stärker als bisher beteiligt werden müssen.

Von unseren Kreditsorgen zu sprechen, ist angesichts der dringenden Not auf diesem Gebiet fast überflüssig. Wir Handwerker wollen und können es kaum verstehen, daß man uns so große Schwierigkeiten hinsichtlich der Personalkredite macht, mit denen wir doch jahrzehntelang gut gefahren sind. – Hier sei auch an die Steuergesetzgebung erinnert, von der wir noch viel Hilfe bekommen könnten, wenn sie mehr Rücksicht auf die Belange der kleineren und mittleren Betriebe nehmen würde. Ich halte auch die Einrichtung von Bürgschaftsgemeinschaften als ein überzeugendes Zeichen unseres Willens, nicht mehr vom Staat zu verlangen als er in der Lage ist, dem Handwerk zu geben.