Die Deutsche Mark ist für uns Kaufleute noch, ein ungezogenes Kind: man ist bei ihr vor Überraschungen eben nicht sicher. Im Grunde sind wir mit ihr einverstanden. Manchmal – besonders wenn wir sie mit den Währungen der anderen Völker vergleichen – sind wir sogar recht stolz auf sie, weil sie sich in den fünf Jahren ihres Bestehens gut ausgewachsen hat. Daß aber die deutsche Währungspolitik sooft ihre eigenen Wege geht und auf uns Kaufleute sowenig hört, das will uns manches Mal nicht so recht gefallen.

Es mag in den ausgeglichenen ruhigen Zeiten, wie sie im Augenblick herrschen, noch angehen – aber wie war es denn, als wir das Geld notwendig hatten, weil der Absatz im Laden stockte, da die Preise nach unten tendierten? In diesen Tagen verschloß sich die Notenbank der Wirtschaft vollkommen, obwohl damals eine Kreditspritze uns leichter über die Schwierigkeiten des Tages hinweggeholfen hätte. Manches etwas wackelig gewordene Unternehmen hätte damals wieder Standfestigkeit erhalten. Aber davon wollte man seinerzeit in der Taunusanlage nichts hören, weil man dort in höheren Regionen schwebt und sich in die Lage des Kaufmanns nicht versetzen kann. Es ist sicherlich gut, wenn eine Unabhängigkeit der Notenbank besteht und wenn sie sich gegenüber dem Vater Staat und seinen Finanzwünschen zugeknöpft zeigt. Man sollte aber nicht vergessen, daß die Notenbank ja schließlich auch nur eine Bank ist, und daß sie ein wenig mehr nach den Belangen der Wirtschaft schauen muß. Auf alle Fälle dürfte es nicht angehen, daß, wenn in der großen Währungspolitik etwas schiefgegangen ist, wie dies etwa im Falle Brasilien vorkam, die Verluste auch noch mit größter Selbstverständlichkeit der Wirtschaft aufgebürdet werden.

Wir Kaufleute denken manchmal, die BdL sollte etwas wirtschaftsnäher werden, und sie sollte auf die Wirtschaft ein wenig mehr hören. Es ist ja nicht notwendig, daß der Zentralbankrat zu einem Wirtschaftsparlament umgestaltet wird – denn es ist ja wichtig, daß die Währungspolitik von einem kleinen Gremium von Sachverständigen und neutraler, Persönlichkeiten gesteuert wird. Nun aber sehen die verschiedenen Entwürfe eines Bundesbankgesetzes die Schaffung eines Beirates (für das Direktorium) vor, der mit Wirtschaftssachverständigen besetzt werden soll, damit in einer solchen Versammlung die Wirtschaft ihre Stimme erheben kann und auch angehört werden muß. Aber soll man mit einer solch guten Einrichtung warten, bis der Gesetzgeber sie beschlossen hat? Mit einem bißchen guten Willen müßte es möglich sein, schon jetzt eine solche Einrichtung zu schaffen...