DIE ZEIT

Middelhauve sträubt sich

Es ist knappe zehn Tage her, da hat der Bundesvorstand der FDP in Godesberg den Antrag, Achenbach aus der Partei auszuschließen, bestätigt.

Pankow erregt die Welt

Am Tage nach Stalins Tod wurde in einem Kreise von Politikern dieses weltbewegende Ereignis heftig diskutiert. Plötzlich stand die Hausfrau ärgerlich auf und sagte: "Ich versteh’ euch nicht.

Spannung im Kreml

Auf dem Photo, das in der Sowjetpresse von der Trauerkundgebung für Stalin verbreitet wurde, steht ganz rechts auf der Tribüne des Mausoleums Leonid Georgijewitsch Meljnikow, der starke Mann der Ukraine, ein typischer Apparatmensch der mittleren Generation.

Das A und O

Gewiß, es ist gut zu wissen, daß einige Gefängnisse in der Ostzone sich öffnen, daß ein paar Bauern, die schon Abschied genommen hatten und nur noch auf eine Gelegenheit warteten, um sich heimlich wie Diebe vom eigenen Hof zu stehlen, nun doch zu Haus bleiben und wieder ruhiger schlafen können.

Als die Demarkationslinie fiel

Zweimal seit Kriegsende gab es in Österreich spontane Freudenkundgebungen: Das erstemal, als die in Oberösterreich gegossene Riesenglocke für den Dom von St.

Waffenstillstand und was dann?

Der Führer der Republikaner im Kongreß, Senator Taft, hat seine Auffassung über den Abschluß eines Waffenstillstandes in Korea in dem Satz zusammengefaßt: „Ein festgefahrener Frieden ist besser als ein festgefahrener Krieg.

Odd Nansen war der Sprecher der Freundschaft

Wer es noch nicht gewußt haben sollte, konnte es in diesen Tagen in Hamburg von Thomas Mann erfahren: In Lübeck war man immer mehr skandinavisch orientiert und in Hamburg mehr englisch.

Tagebuch der Zeit: Souveränitätswünsche in Asien

Die Schwierigkeiten in den drei der Französischen Union angehörenden indochinesischen Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha sind dadurch, daß sich der König von Kambodscha, Narodom Sihanuk, völlig überraschend freiwillig in das Exil nach der thailändischen Hauptstadt Bangkok begeben hat, erheblich größer geworden.

Pieck ohne zwei

Von Wilhelm Pieck hat man lange nichts gehört. Er ist krank oder in Ungnade gefallen, heißt es. Um so mehr machen seine Mitarbeiter von sich reden.

ZEITSPIEGEL

Nach Berichten aus London bereiten die Sowjets die Wiederaufnahme des Reiseverkehrs aus Westeuropa vor. Das sowjetische Reisebüro „Intourist“ so heißt es, habe bereits Fühlung mit mehreren seiner Agenten aus der Vorkriegszeit, besonders in Dänemark und England, aufgenommen.

Brüder, hört die Signale!

Grotewohl, der Opportunist in der SED-Führungsgarde, ist jetzt derjenige, der vorgeschickt wird, um die Kursschwenkung zu erläutern.

Die bitteren Komödien

Der Beifall schwoll noch einmal an, als nach der Aufführung von Max Frischs „Don-Juan“-Komödie die Darsteller neben dem Autor und dem Regisseur einen hageren Mann mit einem langen, ernsthaften Gesicht aus den Kulissen zogen, der sich bescheiden verneigte.

Der verkannte Fragebogen

Zu den bestgehaßten Einrichtungen der Nachkriegszeit gehört zweifellos der Fragebogen. Er hat sich im deutschen Bewußtsein einen Platz erobert, der ihn in die Nähe der apokalyptischen Reiter rückt.

Das tückische Wahlgesetz

In allen Ländern der Welt können Wahlen Überraschungen bringen, dann nämlich, wenn die Wähler sich der Wichtigkeit der freien Abstimmung bewußt werden.

Versteckte Propaganda

Ende 1952 sind unter dem Absender: Fritz Mengers, Rittmarshausen, Kreis Göttingen, Hauptstraße 21, politische Broschüren mit regierungsfreundlichem Inhalt in Umlauf gesetzt worden.

Fett und Fische

In Ostberlin finden zur Zeit Verhandlungen über zusätzliche Lebensmittellieferungen aus der Bundesrepublik in die Sowjetzone statt.

Keine Furcht vor Kleist

Als der Kurfürst das Zeichen zum Ausrücken ins Feld gegeben und, die Kurfürstin am Arm, den Prinzen von Homburg und Natalie hinter sich, im Kerzenschein den Zug der brandenburgischen Generale über die Schräge hinauf in die alles verhüllende Nacht des Hintergrundes geführt hatte, da blieb der vollbesetzte Zuschauerraum des Deutschen Schauspielhauses so dunkel wie die Bühne auch.

Um die Reinheit der Kunst

Aus vier Komponenten formte sich das geistige Profil von Emil Preetorius, der die Öffentlichkeit durch die Mitteilung überrascht, daß er ein Siebziger sei.

Synchronoptischer Nachtrag

Der Aufführung einer tragischen Trilogie im klassischen Athen pflegte ein Satyrspiel zu folgen, als Abschluß. Säckingen, die Trompeterstadt, ist nicht Athen (obwohl auch sie eine Freilichtbühne hat).

Sie sah es ganz anders

Also, wenn Sie jetzt weg sind, kann ich’s dann endlich dem Mann von der Zeitung erzählen?“, fragte das Mädchen. Ihre Stimme, die immer etwas gepreßt, nach zu wenigLuft, aber nicht kühl klang, schlug vor Erregung ins Schrille um: „Es ist wichtig, daß ich es ihm erzähle.

Florentiner Novitäten

Der Maggio Musicale Florentino zählt es als repräsentativstes italienisches Musikfest zu seinen Aufgaben, nicht nur in der Gegenwartsmusik, sondern auch im Sette- und Ottocento Entdeckungen zu machen.

Das Ende der Trapper

Die kanadische Regierung mußte in den Nachkriegsjahren drastische Maßnahmen ergreifen, um den zusammengeschrumpften Wildbestand vor der völligen Austilgung zu bewahren.

Strandkorb-Lektüre – aber gut

Im Strandkorb kann man dösen, oder den Blick in Meeres- und Dauerwellen versenken, oder lesen. – Daheim am Schreibtisch liest man vielleicht die „Brüder Karamasoff“ oder den „Mann ohne Eigenschaften“.

Thomas Manns Besuch

Es gibt Worte, die durch das tausendjährige Reich so in Mißkredit gebracht worden sind, daß man sie am besten heute nicht mehr gebraucht.

Wissenschaft im Taschenbuch

Die Pocketbook-Reihen der ro-ro-ro, der Fischer-Bücherei, der List-Bücher und des Bürger-Verlages haben Entscheidendes für die Wiederbegegnung von Buch und Leser getan.

Viele Wege münden in einen Pfad

In der Meinung und Schätzung der deutschen Literaturfreunde gibt es zwei Dichter des Namens Christian Morgenstern; Der eine ist der Verfasser der „Galgenlieder“, des „Palmström“, der „Palma Kunkel“ und des „Gingganz“, – der andere ist der Autor vieler stimmungsvoller und gedankenschwerer Gedichte, vor allem der Sammlung „Wir fanden einen Pfad“, und der „Stufen“.

Ein neuer deutscher Lyriker

Mohn und Gedächtnis heißen die Gedichte eines noch wenig bekannten Autors: Paul Celan. Die Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, hat sie herausgegeben.

Rationalisieren

Die Fragen der Normung und Typenbeschränkung beginnen in der westdeutschen Industrie eine immer größere Bedeutung einzunehmen.

Aus dem Tilgungstopf...

Den „Schönheitsfehler der Währungsreform“, die Ausgleichsforderungen, allmählich zu beseitigen, ist der Bundestagsausschuß für Geld und Kredit bemüht.

Recht auf Auskunft

Daß es mit der Publizität mancher Gesellschaften nicht gerade vorbildlich bestellt ist, wird jeder bestätigen können, der in den letzten Jahren regelmäßig Hauptversammlungen besucht hat.

Kinderbeihilfen-Gesetz noch nicht „beschlußreif“

Die Kinder von heute sind die Schaffenden von morgen. Ihre Arbeitsleistung wird einmal entscheidend dafür sein, ob die heute im Berufsleben stehende Generation später über ein auskömmliches Altenteil zu verfügen hat, oder nicht.

Schuß auf Seebohms Luftpolitik

Die deutsche Luftfahrtindustrie mit den führenden Werken von Junkers, Dornier, Heinkel, Messerschmitt und u. a. Siebel, Focke-Wulf wurde nach 1945 völlig demontiert.

Revier und Wasserkante

Hafentage haben stets eine zweifache Bedeutung: einmal gilt es, die binnenländischen Gäste mit den Hafen- und Umschlagsanlagen vertraut zu machen, und zum anderen, um den Dank des Hafens und seiner Stellen bei dieser Gelegenheit auszusprechen.

Kostendruck im Braugewerbe

Auf seiner Jahreshauptversammlung in Überlingen konnte der Deutsche Brauer-Bund, als Spitzenverband der deutschen Brauindustrie, die Feststellung treffen, daß die 2260 westdeutschen und Westberliner Brauereien mit über 45 000 Beschäftigten infolge der Ausstoßsteigerung auch ihre Umsätze erhöhen konnten.

Weniger Dollars für Südamerika

Der europäische Industrielle, der sich bemüht, nordamerikanisches Privatkapital zu interessieren, begegnet dem Mißtrauen in die politische Sicherheit Europas.

Gegen den Strom...

Fünfzig Jahre Ford-Geschichte enthalten wohl nicht die Geschichte des Automobils, sie sind aber wie ein Hohlspiegel, der die wesentlichen Ablaufe verdichtend wiedergibt.

Automarkt ungesättigt

Die deutsche Automobilindustrie hat auf den Automarkt der Schweiz noch immer groß Chancen. Schon im Januar und Februar wurde: mehr Wagen eingeführt als jemals in den gleiche Monaten der Vorjahre.

Syrischer Bahnbau

Syrische Stellen befassen sich z. Z. mit einem Eisenbahnprojekt, das den syrischen Hafen Lattakia mit den nordöstlichen syrischen Getreide- und Baumwollproduktionsgebieten verbinden soll.

Belebung an den Börsen

Seit langer Zeit sah man in den Börsensälen wieder einmal zufriedene Gesichter, in denen sich die Umsatzbelebung, aber auch die ansehnlichen Kurssteigerungen auf dem Aktienmarkt spiegelten.

Zurückgeblendet

In verdunkelten Omnibussen der US-Army waren die deutschen Sachverständigen, die unter dem Vorsitz eines damals noch ziemlich unbekannten Professors Ludwig Erhard in Bad Homburg getagt hatten, in das „Konklave von Witzenhausen“ entführt worden.

Unzufriedenheit und Mißbehagen

Was hat denn nun eigentlich, nach dem Start der D-Mark, so unendlich viel Verbitterung geschaffen, daß darüber das zunächst allgemein verbreitete spontane Empfinden einer ehrlichen, dankbaren Freude über das „richtige Geld“ und über das jetzt allenthalben wieder spürbare wirtschaftliche Leistungsstreben zeitweilig fast ins Gegenteil verkehrt wurde? – Drei Punkte sind da aufzuzählen.

Start und Weg der Deutschen Mark

Am frühen Vormittag des 21. Juni 1948 fuhren aus den Toren vieler Fabriken hochbeladene Fahrzeuge zu den leerstehenden Läden des Einzelhandels.

Korrekturen an der Währungsreform

Die drei Gesetze, die uns vor fünf Jahren die neue Währung brachten, sind – obwohl deutsche Sachverständige zur Ausarbeitung hinzugezogen wurden – Maßnahmen der Besatzungsmächte.

Wieder auf eigenen Beinen im Außenhandel

Wie sah es damals eigentlich aus, als fürReichsmark nichts mehr – es sei denn „auf Karten“ – zu haben war, und der Kaufmann nicht anders als in „Ware“ denken konnte? „Export“ war damals ein Wort, das aus dem allgemeinen Sprachgebrauch entschwunden zu sein schien.

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