Auf seiner Jahreshauptversammlung in Überlingen konnte der Deutsche Brauer-Bund, als Spitzenverband der deutschen Brauindustrie, die Feststellung treffen, daß die 2260 westdeutschen und Westberliner Brauereien mit über 45 000 Beschäftigten infolge der Ausstoßsteigerung auch ihre Umsätze erhöhen konnten. Der Bierausstoß stieg in 1952/53 um 12 v. H. auf 26,2 Mill. hl, das bedeutet, daß jeder Westdeutsche in diesem Rechnungsjahr 53 1 Bier getrunken hat. Damit ist aber noch immer nicht der Vorkriegsstand erreicht: 1938 waren es immerhin 69 1.

Im klassischen Bierland Bayern, wo der Bierausstoß des Braugewerbes etwa 40 v. H. der gesamten Biererzeugung der Bundesrepublik (vor Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von etwa 25 v. H.) ausmacht, stieg in den Rechnungsjahren 1951/52 und 1952/53 (1. 4.–31. 3.) der Bierabsatz von 7,5 Mill. hl nur um 32 v. H. auf 9,9 Mill., während die Brauereien im übrigen Bundesgebiet in der gleichen Zeit ihren Absatz um fast 45 v. H. verbessern konnten. Damit hat das bayerische Braugewerbe in 1952/53 erst rd. 78 v. H. des durchschnittlichen Ausstoßes der letzten drei Vorkriegsjahre erreicht und seine Kapazität von etwa 16 Mill. hl kaum zu 60 v. H. ausgenutzt. Dementsprechend ist auch das Aufkommen an Biersteuer, die mit 20,4 v. H. an dem der Verbrauchssteuern des Landes beteiligt ist, 1952/53 mit 1,4 Mill. gegenüber dem Voranschlag zurückgeblieben und beträgt nur 118,6 Mill. DM. Die Ursache für diese langsamere Entwicklung wird in dem vom Bayerischen Brauerbund herausgegebenen Geschäftsbericht vor allem darin gesehen, daß Bayern – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein – von allen Bundesländern die ungünstigste soziale Struktur der Bevölkerung aufzuweisen habe. In maßgeblichen Kreisen des Gewerbes ist man daher der Auffassung, daß man selbst bei Eintritt eines sehr warmen Sommers vom Höhepunkt der Absatzsteigerung des Bieres in Bayern nicht mehr sehr weit entfernt ist –

Zahlreiche Brauereien, die sich seit je mit Export ihrer Biere befaßt haben, sehen daher in der Steigerung der Ausfuhr einen wichtigen Kompensationsfaktor für die zu beobachtende Stagnation im Inlandabsatz. Der Bierexport aus Bayern hat sich daher auch in den beiden Berichtsjahren von 58 748 hl um 30,8 v. H. auf 76 813 hl erhöht; das sind zwar noch nicht 1 v. H. des gesamten bayerischen Bierausstoßes, aber 20 v. H. der Bierausfuhr des Bundesgebietes, die 1951/52 rd. 379 000 hl betrug, Einen erheblichen Umfang machen auch die Bierlieferungen an die Besatzung (teilweise gegen Devisen) aus. Sie stiegen in 1952/53 um 4,9 v. H. auf 104 782 hl.

Die Ertragslage im bayerischen Braugewerbe wird sowohl im Hinblick auf die zurückgebliebene Kapazitätsausnutzung und die noch nicht zur Ruhe gekommene Erhöhung der Produktionsaufwendungen einschl. der steuerlichen Belastungen wie auch infolge der Auswirkungen der teilweise sehr unerquicklichen Wettbewerbsverhältnisse und ihrer Auswüchse als noch recht unbefriedigend angesehen. Das ist eine Tatsache, die sich auch in den ausfallenden oder geringeren Dividenden-Ausschüttungen der Aktiengesellschaften des Gewerbes spiegelt. Den unveränderten Kostendruck bestätigt der Bayerische Brauerbund mit der Feststellung, daß die Konsolidierung der Brauwirtschaft leider nicht in gleichem Rhythmus erfolgt ist wie in den meisten übrigen Wirtschaftszweigen. Die Preissteigerungen auf dem Hopfenmarkt wurden in der Bierpreisanpassung zum Sommeranfang 1952 nicht entsprechend berücksichtigt, und trotz der augenblicklich entspannten Lage für Gerste und Malz, deren Inlandpreise noch ständig über Weltmarktniveau liegen, haben sich die Gestehungskosten gegenüber dem Vorjahr, insgesamt betrachtet, weiter erhöht, da außer den Verteuerungen im Hopfeneinkauf noch u. a. Preiserhöhungen für Energie- und Hilfsstoffe hingenommen werden mußten.

Trotz der vielfach infolge der Revierferne Bayerns bedingten Erschwernisse, die die Bemühungen der bayerischen Exportbrauereien in München, Nürnberg-Fürth, Kulmbach und Würzburg vorbelasten, gehen bayerische Spezialbiere heute bereits wieder in 82 Länder der Welt. An der Spitze dieses weitgestreuten Absatzfeldes stehen die USA, deren Import an deutschem Bier zu 90 v. H. aus Bayern gedeckt wird. Ungünstig sind nach wie vor die früher recht bedeutenden Ausfuhrmöglichkeiten in die Länder des Sterlingblocks. Man erhofft sich von einer konstruktiven Weiterentwicklung unserer Handelsvertragspolitik durch die Bundesregierung die Schaffung besserer Voraussetzungen für eine Exportausweitung, da bisher in den Handelsverträgen zu zahlreichen Ländern noch große Lücken bestehen und das deutsche Exportbier eine ungenügende Berücksichtigung gefunden habe. Alfred Vossius