Wer die Lebenshaltung der Bevölkerung an Hand von Preis- und Lohnindexzahlen zu beurteilen versucht, wird oft ein recht abstraktes „papierenes“ Bild erhalten. Wer sich dagegen auf die Aussagen seiner Umwelt verläßt, wird leicht von den Stimmen der Unzufriedenen getäuscht, die sich stets lauter und häufiger zu melden pflegen, als die Zufriedenen. Einen Weg zur Objektivierung der subjektiven Aussagen und zugleich zur Ergänzung der objektiven Statistik mit der Komponente der subjektiven Stimmungsfaktoren haben erst die Methoden der repräsentativen Meinungsforschung erschlossen. Wenn hier versucht wird, die Entwicklung der Lebenshaltung des Arbeites an Hand von Erhebungen der Meinungsforschung zu skizzieren, so ist zu beachten, daß es sich dabei nicht um eine Aussage „über“ den Arbeiter handelt, sondern daß er hier selber zu Wort kommt.

In ihrem Verbraucher-Stimmungstest, der sich auf monatlich wiederkehrende Repräsentativ-Befragungen von jeweils 2000 bis 3000 Einwohnern des Bundesgebiets stützt, stellt die EMNID, das Bielefelder Institut für Meinungsforschung, die Frage:

„Wie kamen Sie in Ihrem Haushalt im letzten Monat aus?“

Die befragten Arbeiter (Lohnempfänger, ausgenommen Landwirtschaft) entschieden sich in Beantwortung dieser Frage zu folgenden Anteilen für gewisse Antwortmöglichkeiten (in Klammern daneben zum Vergleich die Durchschnittszahlen für die Gesamtbevölkerung des Bundesgebietes):

Wie aus den Aufstellungen ersichtlich, ist die Haushaltsbilanz des Arbeiters etwas ungünstiger als beim Durchschnitt der gesamten Bevölkerung des Bundesgebietes. Die Gründe hierfür können bereits einerseits in den Einkommensverhältnissen gegeben sein, andererseits bei den Stimmungsfaktoren oder auch in weniger sparsamer Haushaltsführung liegen. Einen Hinweis auf den letztgenannten Faktor scheinen beispielsweise die Januar-Zahlen zu geben, die ja angesichts der rückblickend gestellten Frage den Weihnachtsmonat ausweisen und die eine besonders starke Abweichung der Haushaltsbilanz des Arbeiters von der der Gesamtbevölkerung erkennen lassen.

Eine weitere Klärung dieses Komplexes wird durch die Fragen herbeigeführt, durch die die EMNID direkt die Einstellung der Bevölkerung zu ihrer Lebenshaltung untersuchte. Und zwar fragte die EMNID im Februar 1950 und im September 1952:

„Wie steht es mit Ihrer Lebenshaltung heute im Vergleich zu der Zeit vor dem Krieg?“