Von Wilhelm Pieck hat man lange nichts gehört. Er ist krank oder in Ungnade gefallen, heißt es. Um so mehr machen seine Mitarbeiter von sich reden. Erst flüchtete Dr. Leo Zuckermann, der frühere Chef der Pankower Präsidialkanzlei und nachmalige Direktor des Instituts, für „Rechtswissenschaft“ in Potsdam, und nun ist ihm der persönliche Referent Piecks, Walter Bartel, nach dem goldenen Westen gefolgt. Pieck ist sowohl als Präsident der Sowjetzone wie auch als Vorsitzender der SED von seinen Getreuesten im Stich gelassen worden. Und ohne zwei sticht Pieck nicht mehr im Sowjetzonen-Skatspiel.

Die beiden Buben, die Pieck-As jetzt fehlen, sind nicht irgendwelche. Zuckermann war an der Ausarbeitung staatsrechtlicher Erklärungen beteiligt, die die Sowjetzonenregierung von sich gab. Seine jüdische Abstammung und seine angeblichen Beziehungen zu Paul Merker, der schon 1950 verhaftet wurde, führten zu seiner zeitweiligen Kaltstellung. Aber auch den Verkauf eines Ballens Altpapier, in dem sich westliche Zeitungen befanden, legte ihm das SED-Zentralsekretariat als mangelnde Wachsamkeit aus. Walter Bartel, seit je ein überzeugter Kommunist, war in Buchenwald Vorsitzender des internationalen Lagerkomitees, später schaltete er die Berliner Volkshochschulen gleich. Das kleine bewegliche Männchen war immer streng linientreu, und wenn er sogar den Weg durchs Brandenburger Tor nach dem Westen fand, so braucht man wohl nur noch auf die Ulbrichts oder Zaissers zu warten. Sch.