Die Fragen der Normung und Typenbeschränkung beginnen in der westdeutschen Industrie eine immer größere Bedeutung einzunehmen. Das Rationalisierungs-Kuratorium der deutschen Wirtschaft gibt sich alle Mühe, die daraus entstehenden Vorteile allen Fertigungszweigen der Wirtschaft nahezubringen; leider steht nicht immer der erreichte Erfolg in einem gesunden Verhältnis zu der aufgewandten Mühe.

In einer jüngst veröffentlichten Broschüre, sie trägt den attraktiven Titel: „Vorteil für alle“, wird erneut um ein besseres Verständnis für Normung und Typenbeschränkung geworben. Es heißt darin u.a.: „Vom Bundespräsidenten abwärts benutzen alle den gleichen Telefonapparat in seiner schlichten, modernen Form – typisiert und aus genormten Einzelteilen zusammengebaut.“ Die negative Seite sieht aber dann so aus, daß z. B. in der Kofferherstellung Westdeutschlands die Abstufungen von zwei zu zwei Zentimeter nach Lange, Höhe und Breite zu einer Auswahl von 57 000 (!) verschiedenen Koffergrößen geführt hat. Als weiteres Gegenbeispiel werden Bohnerwachs- und Schuhkremdosen angeführt, wo eine Normung die jährliche Ersparnis von 1700 t Feinblech (rund 1,53 Mill. DM) ergeben würde. Diesen Feststellung gen sei hinzugefügt, daß in der Bundesrepublik von 25 Firmen gegenwärtig rd. 120 verschiedene Schlepper produziert werden. Das ist ohne Zweifel unrationell, zumal für die Reparaturbetriebe in Klein- und Mittelstädten infolge der Fülle der Typen die Zwangslage besteht, jeweils allein Ersatzteile für 80 000 DM am Lager zu haben. –zke.