Die Schwierigkeiten in den drei der Französischen Union angehörenden indochinesischen Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha sind dadurch, daß sich der König von Kambodscha, Narodom Sihanuk, völlig überraschend freiwillig in das Exil nach der thailändischen Hauptstadt Bangkok begeben hat, erheblich größer geworden. Nach seinem Eintreffen ließ er durch die Gesandtschaft Kambodschas mitteilen, daß er sein Land verlassen habe, um die Welt auf die Zustände in seinem Land aufmerksam zu machen und die Verweigerung der Unabhängigkeit durch Frankreich vor die Vereinten Nationen zu bringen. In einer Botschaft an die französische Regierung sagte er, er habe sich zum Exil entschließen müssen, um einen Krieg gegen Frankreich, auf den ein großer Teil seiner Untertanen dränge, zu vermeiden,

Ministerpräsident Pen Nut, dem der König alle Regierungsvollmachten übertragen hat, erklärte in der Landeshauptstadt Pnompenh, die französische Regierung habe Versprechungen nicht gehalten, Zusagen rückgängig gemacht und früher erreichte Zugeständnisse in ihr Gegenteil verkehrt. Auf diese schweren Anschuldigungen wußte das französische „Ministerium für die assoziierten Staaten“ nur zu entgegnen, daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Kambodscha zu befriedigenden Ergebnissen geführt hatten, wobei alle Wünsche des Königs nach Möglichkeit berücksichtigt worden seien. Zu den unberücksichtigten Wünschen des Königs gehört aber in erster Linie die Forderung auf Gewährung einer staatlichen Unabhängigkeit Kambodschas im Rahmen der Französischen Union, wie sie Indien und Pakistan innerhalb des britischen Commonwealth besitzen.

Die gleiche Forderung hatte vor kurzem der Ministerpräsident von Vietnam, Nguyen Van Tam, in einer Rundfunkansprache erhoben. Zu dieser Forderung bekannte sich auch der von Frankreich eingesetzte Staatschef Vietnams, Bao Dai, in einer Rede, die er an dem Tage hielt, an dem sich der König von Kambodscha in das Exil begab. Die indische Regierung hat ihre Gesandtschaft in Lissabon geschlossen, nachdem sie auf eine Note an die portugisische Regierung, in der sie Verhandlungen über die Abtretung der an der Westküste Indiens gelegenen drei kleinen portugisischen Niederlassungen Diu, Damao und Goa forderte, eine ablehnende Antwort erhalten hatte. Politische Beobachter in Neu-Delhi sind der Ansicht, daß die Schließung der Gesandtschaft erst der Beginn einer verstärkten Aktion ist, durch die Portugal Und Frankreich veranlaßt werden sollen, ihre Niederlassungen an den Küsten Indiens aufzugeben. Im Gegensatz zu Portugal hat Frankreich stets seine Bereitschaft zu Verhandlungen erklärt und auch in die Abtretung seiner Niederlassung Chandernagore eingewilligt, während es über Pondichery, Mahé, Karikal und Janam noch zu keiner Einigung gekommen ist.

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Durch das vor wenigen Tagen unterzeichnete iranisch-sowjetische Handelsabkommen, das einen Austausch im Wert von mehr als einhundert Millionen Dollar für 1954 vorsieht, wird die Sowjetunion zum Hauptabnehmer Irans. Nach Meldungen aus Teheran hat der aus Moskau zurückgekehrte russische Botschafter Sadtschikow neue Direktiven mitgebracht, die einen Wechsel in der sowjetischen Politik gegenüber Iran und eine vertragliche Neuregelung der iranisch-sowjetischen Beziehungen erwarten lassen. Der russische Botschafter hatte unmittelbar nach seiner Rückkehr, eine mehrstündige Unterredung mit Ministerpräsident Mossadegh, der politische Kreise Teherans große Bedeutung beimessen. Die Tatsache, daß der amerikanische Außenminister John Foster Dulles bei seinem Besuch des Mittleren Ostens Iran ostentativ überging und daß der amerikanische Botschafter Henderson einen mehrmonatigen Urlaub angetreten hat, wird in Teheraner Regierungskreisen als ein Beweis dafür angesehen, daß die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, die ölgespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Eine russisch-iranische Annäherung sei daher die natürliche Folge. E. K.