Der Aufführung einer tragischen Trilogie im klassischen Athen pflegte ein Satyrspiel zu folgen, als Abschluß. Säckingen, die Trompeterstadt, ist nicht Athen (obwohl auch sie eine Freilichtbühne hat). Dort folgte dem Satyrspiel, das den Titel Synchronoptische Weltgeschichte“ führte und von dem dort wohnhaften Ehepaar Peters erfunden wurde (wir erzählten davon in unserem Beitrag „Gestopfte Trompeten aus Säckingen“, „Die Zeit“ Nr. 18) jetzt ein ernsteres Nachspiel.

Dessen Hauptperson ist der Münchener Professor Graf Stauffenberg, der – unsere Leser werden sich entsinnen – durch eine Pro-Peters-Schrift „Die synchronoptische Frage“ die Blamage von fünf Kultusministerien und über siebzig Gutachtern in dieser Affäre an den Tag gebracht hat, dabei allerdings auch selbst durch seine Doppelrolle als „Kurator“ des Petersschen Verlages und Historiker von Fach in ein etwas undeutliches Licht geriet. Seit ein paar Tagen ist nun Gelegenheit, dieses Licht etwas deutlicher zu machen. Es erschien nämlich (in Krögers Verlagsanstalt, Hamburg-Blankenese) eine „Zweite Dokumentation zur synchronoptischen Frage“, die den Haupttitel „Streit um ein deutsches Geschichtsbuch“ trägt und von dem Hamburger Historiker Dr. Heinrich Heffter herausgegeben ist. Dr. Heffter war, wie wir damals erzählten, von der Hamburger Schulbehörde um ein Gutachten über das fertige Peterssche Werk gebeten worden, und aus diesem erfuhren die Ministerien, daß sie ein Buch mit vielen sowjetfreundlichen Werturteilen bestellt, und die vorschnellen Gutachter, daß sie dieses Buch leichtfertig gepriesen hatten. Da die „Neue Zeitung“ mit einem Artikel ihres Chefredakteurs Hans Wallenberg die erste Pressestimme gewesen war, die vor dem „knallroten Faden“ warnte, war es verführerisch, Heffter und Wallenberg einer gemeinsamen Intrige zu beschuldigen. Das Hefftersche Gutachten wurde am 3. November 1952 abgeschlossen, Hans Wellenbergs Artikel „Der knallrote Faden“ erschien am 4. November – folglich, so behauptete Stauffenberg in seiner Schrift, sei Wallenberg durch das Hefftersche Gutachten zu seinem Artikel angeregt worden. Da wir annahmen, daß ein ordentlicher Professor für Alte Geschichte Tatsachen nur behauptet, wenn er sie beweisen kann, sind wir in Nr. 18 der „Zeit“ seiner Darstellung gefolgt – irrtümlicherweise, wie sich nun zeigt. Denn aus Heffters neuer Schrift geht hervor, daß das Gutachten erst nach dem Erscheinen von Wallenbergs Artikel und ohne jeden Zusammenhang mit diesem abgesandt wurde.

Warum konnten wir uns in diesem Punkte irren? Weil Stauffenberg es in der Pro-Peters-Schrift „Die Synchronoptische Frage“ nicht genau nimmt. Aber viel schwerer noch als die Behauptung von einem Komplott Heffter-Wallenberg wiegt die Weglassung des entscheidenden Briefes aus der Dokumentation: Es ist ein Brief, den Geheimrat Professor Walter Goetz am 1. Dezember aus Gräfelfing an den Hamburger Schulsenator Landahl gerichtet hat, in dem es heißt, der Schlußteil des Petersschen Werkes von 1900 an mit seinen „starken Unrichtigkeiten“ müsse unbedingt geändert werden, wenn die „Synchronoptische Weltgeschichte“ für Schulen tragbar sein solle. Professor Goetz fährt dann fort: „Ohne diese Veränderung scheint es mir und den Herren Gerhard Ritter, Graf Stauffenberg, A. Vierkandt und F. Hartung unmöglich, das-Werk zu stützen. Die genannten Herren stellen sich grundsätzlich hinter mein Gutachten, und wir planen eine gemeinsame Erklärung in diesem Sinne.“

Professor Graf Stauffenberg hat nun nicht nur seinen Lesern diesen wichtigen Brief nicht mitgeteilt, er hat auch im Text völlig die Tatsache verschwiegen, daß er die Umarbeitung des Schlußteils noch am 1. Dezember für die conditio sine qua non der Empfehlung an Lehrer und Schüler hielt...