Der Führer der Republikaner im Kongreß, Senator Taft, hat seine Auffassung über den Abschluß eines Waffenstillstandes in Korea in dem Satz zusammengefaßt: „Ein festgefahrener Frieden ist besser als ein festgefahrener Krieg.“ Er bringt damit die von vielen Amerikanern geteilte Ansicht zum Ausdruck, daß der Waffenstillstand nur ein Ausweg aus einer schlechten Lage ist. Der „festgefahrene“ dreijährige Koreakrieg hat das amerikanische Volk nicht nur 25 000 Tote und mehr als 110 000 Verwundete und Gefangene, sondern auch viele Milliarden Dollar gekostet. Aber über der Tatsache, daß dem Blutvergießen ein Ende bereitet wird, vergessen die Amerikaner nicht die Nachteile des Waffenstillstandes.

Diese Nachteile bestehen auf militärischem Gebiet vor allem darin, daß die Luft- und Seeherrschaft der Alliierten in Korea praktisch bedeutungslos wird. Kein Flugzeug der Alliierten darf in Zukunft Nordkorea überfliegen. Kriegsschiffe der Alliierten dürfen sich den nordkoreanischen Küsten nur auf drei Seemeilen nähern. Die Marine muß alle Inseln nördlich der Demarkationslinie räumen. Die von den Amerikanern besetzten, im Rücken der feindlichen Front gelegenen nordkoreanischen Inseln Cho-do und Sokto waren besonders wichtig, weil die auf ihnen errichteten Radarstationen eine Kontrolle der Bewegungen feindlicher Flugzeuge kurz nach ihrem Start von den mandschurischen Stützpunkten ermöglichte. Während die alliierte Seite diese Sicherungsmöglichkeit verliert, ist den Nordkoreanern die Wiederinstandsetzung aller Transportwege und aller Flugplätze gestattet, so daß ein intaktes Verkehrsnetz für den Nachschub wiederhergestellt wird. Dieser Nachschub ist zwar in der Weise begrenzt worden, daß beide kriegführenden Parteien ihre Streitkräfte nicht über den bei Unterzeichnung des Waffenstillstandes vorhandenen Bestand vergrößern und monatlich nur je 35 000 Mann ersetzen dürfen. Da aber Nordkoreaner und Chinesen zahlenmäßig den Alliierten weit überlegen waren, bedeutet der Waffenstillstand eine Garantie dieser Überlegenheit.

Zu den offensichtlichen militärischen Nachteilen für die Alliierten kommen aber auch die zur Zeit noch unübersehbaren Folgen des Waffenstillstandes auf politischem Gebiet. Der Artikel 60 des Waffenstillstandsabkommens empfiehlt, daß spätestens drei Monate nach der Unterzeichnung des Abkommens eine „politische Konferenz“ zusammentritt, auf der das Problem „Korea etc.“ behandelt werden soll. Peking versteht unter diesem mysteriösen „etc.“ selbstverständlich auch die Frage der Zulassung seiner Vertreter in der UNO sowie die Zukunft Formosas. Die Vereinigten Staaten sind gegen eine Behandlung beider Fragen durch die politische Konferenz. Die UNO steht vor der schwierigen Aufgabe, sich für eine der beiden Auffassungen zu entscheiden, wobei der Ausgang einer Abstimmung in der Generalversammlung völlig ungewiß ist. Viel wird von dem Ergebnis der Bermuda-Konferenz abhängen, denn wenn die Großen Drei sich für eine Viererkonferenz entschließen, dann könnte in der UNO leichter eine Mehrheit dafür gewonnen werden, daß beide Fragen nicht auf die Tagesordnung der politischen Konferenz kommen, weil sie ohnein auf der Viererkonferenz behandelt werden. – Der Waffenstillstand in Korea wird auf der Berluda-Konferenz auch insofern eine wichtige Rolle fielen, als er die englische und die französische Regierung in ihrem Wunsch nach einer Viereresprechung bestärkt. Ob und wieweit Präsident besprechung diesem gemeinsamen Druck seiner beiden Verhandlungspartner nachgeben wird, hängt wiederum von der Stärke des Gegendruckes ab, den er amerikanische Kongreß auf den Präsidenten usüben wird. Die Hoffnung Eisenhowers, daß er diesem Gegendruck durch die von ihm vorgeschlagene baldige Vertagung des Kongresses bis zum Januar nächsten Jahres entgehen könnte, hat sich nicht erfüllt, da der Senat die Verlängerung seiner Sitzungsperiode bis zum 31. Juli beschlossen hat.

Auf wirtschaftspolitischem Gebiet werden sich die Folgen des Waffenstillstandes am stärksten in Japan bemerkbar machen. Japan war dasjenige Land, das am meisten von dem Koreakrieg probtierte. Japanische Wirtschaftskreise denken mit Jorge an das Nachlassen amerikanischer Kriegsnaterialaufträge, die im letzten Jahre 800 Mill. Dollar erreicht haben. Sie sehen einen möglichen Ausgleich in erster Linie in der Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit China, auf die aber die japanische Regierung in einem Abkommen mit den Vereinigten Staaten verzichten mußte. Der Druck dieser Wirtschaftskreise hat bereits dazu geführt, daß die Regierung Yoshida Verhandlungen mit Washington eingeleitet hat, um das Handelsembargo aufzuheben. Der Hunger nach dem Chinahandel ist auch bei anderen Ländern so stark, daß nicht nur die Zahl der Handelsabkommen mit China ständig wächst, sondern auch die Frage, was unter den Begriff „strategische Güter“ fällt, von den einzelnen Ländern immer großzügiger behandelt wird. Ernst Krüger