Die Flaute auf den Rohstoff-und Lebensmittelmäxkten während der letzten Mai-Hälfte hat sich in den ersten beiden Juni-Wochen noch verstärkt. Beigetragen haben dazu die guten Ernteaussichten in den großen Getreideausfuhrländern und den wichtigsten Produktionsgebieten für Ölsaaten und anderen landwirtschaftlichen Rohstoffen einerseits und die aussichtsreicher gewordenen Korea-Verhandlungen sowie der Kurswechsel der Sowjetpolitik in Österreich und in der Sowjetzone Deutschlands andererseits. Von den kommenden guten Ernten erwartet man weitere Preisrückgänge für die landwirtschaftlichen Artikel, von einem Waffenstillstandsabkommen einen Verzicht der Regierungen auf neue Vorratskäufe in den empfindlichen strategischen Rohstoffen und damit niedrigere Preise. Wie gefährlich größere Käufe bei den heute so labilen Märkten werden können, zeigt der Rohjutemarkt, dessen plötzliche Hochkonjunktur bereits wieder im Abklingen ist. Wer in den vorhergehenden Wochen nicht gekauft hat, kann heute schon zu 20 Rupien Je Ballen (nahezu 12 v. H.) billiger kaufen.

Auf den Getreidemärkten sind wieder einmal beträchtliche Preis abschwächungen zu verzeichnen. Weizen wurde in Chikago zeitweise bereits mit nahezu 4 cts unter dem Maximalpreise des neuen Internationalen Weizenabkommens von 205 cts je bushel gehandelt, hat sich danach aber auf Grund von Deckungskäufen des Handels und der Mühlen leicht erholt und steht heute auf 203 1/4 cts je bu gegen 208 3/4 cts Ende Mai und 203 1/4 cts Anfang Januar. Der neuerliche Rückgang ist auf die Ankündigung eines Rekordertrages in Sommerweizen in USA von 363 Mill. bu gegen 238 Mill. im vorigen Jahre und einer weiteren Besserung des Winterweizenertrages zurückzuführen. Auch aus Argentinien und Australien liegen wesentlich günstigere Ernteschätzungen vor als zur gleichen Zeit 1952. Ebenso rechnet Kanada mit einer sehr guten, wenn auch nicht Rekordernte. Die USA-Regierung hat, deshalb, um die Absatz- und Einlagerungsschwierigkeiten in den folgenden Jahren nicht noch weiter zu vergrößern, einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Weizenanbaufläche für 1944 auf 62 Mill. acres beschränkt, was einer Verminderung gegenüber der diesjährigen Anbaufläche um 16 Mill. acres (über 20 v. H.) entspricht.

Von den Genußmitteln ging Kaffee während der Berichtsperiode zunächst leicht zurück, erholte sich dann aber und steht heute in New York auf 56,75 cts je lb (für Santos Nr. 2). Der ÜSA-Kaffee-Einfuhrhandel hat seine Einkäufe in den Erzeugungsländern in den letzten Wochen stark eingeschränkt und von seinen Beständen gelebt, die nunmehr aber derartig zurückgegangen sind, daß eine baldige Auffüllung erforderlich wird. Das Geschäft auf den hanseatischen Kaffeemärkten verlief sehr ruhig. Der Kaffeehandel will zunächst das Ergebnis der Verhandlungen im Ausschuß für Finanz- und Steuerfragen des Bundestages über die Senkung der Kaffeesteuer abwarten, ehe er sich zu neuen Engagements entschließt. Die Tendenz des Marktes ist stetig bis fest; von den ausländischen Abladern werden im Gegensatz zu den vorhergehenden Monaten gegenwärtig keine Untergebote mehr akzeptiert. – Die Preise auf dem Weltkakaomarkt haben seit Anfang Juni weiter angezogen. Von den Kakaohandelsämtern der Goldküste und Nigerias wurde mitgeteilt, daß die dortigen Haupternten ausverkauft seien. Die Gesamtverkäufe werden auf rund 340 000 lgt veranschlagt, entsprechen also ungefähr dem Vorkriegsdurchschnitt. In London wurden in den letzten Wochen nur kleine Mengen Accra good fermented angeboten, für die von Hamburger Seite bis zu 280 s bezahlt wurden. Die Haupternten der französischen Elfenbeinküste und der Mandatsgebiete Togo und Kamerun sollen gleichfalls ausverkauft sein.

Die Südfruchtsaison 1952 / 53 ist Anfang dieses Monats mit einer letzten großen Auktion spanischer Apfelsinen in Hamburg zu Ende gegangen. Vom 1. September 1952 bis 30. April 1953 (die Maizahlen fehlen noch) sind nicht weniger als 5,345 Mill. Kisten Apfelsinen über den Hamburger Hafen eingeführt worden gegen 2,92 Mill. Kisten in der gesamten Saison 1951/52.

Von dem Preisverfall auf dem Markt der Öleund Fette wurden jetzt auch die tierischen Fette, die bisher meist eine stetige bis feste Haltung hatten, in Mitleidenschaft gezogen. Leichte Schweine und Schmalz gingen in den USA stärker zurück, stehen aber auch danach noch beträchtlich höher im Preise als Anfang des Jahres (Schweine 24 cts gegen 18,50 cts und Schmalz 10,80 gegen 9,05 cts je lb). Talg dagegen hat seinen Preisstand von Ende Mai zwar noch halten können, bleibt aber mit 3,87 cts je lb um 1,38 cts hinter dem Preise von Anfang des Jahres zurück. Von den vegetabilen Ölen und Ölsaaten haben nur Baumwollsaat- und Sojabohnenöl einen kleinen Teil ihres vorherigen Verlustes wieder ausgleichen können. Alle übrigen aber sind weiter zurückgegangen. o 1