Seit einiger Zeit wird unter Bankleuten über die D-Mark kaum noch diskutiert: sie ist anerkannt, man „glaubt“ an sie. Sie ist eine feste Rechengröße. Die Männer, die den „Wert“ der D-Mark verwalten, genießen Autorität. Man weiß nunmehr, daß weder Inflation, noch Deflation unabänderliches Schicksal sind. Fünf Jahre sinnvolle Währungspolitik haben gezeigt, daß das „Problem Geld“ gemeistert werden kann.

Dies sei vorausgeschickt, ehe hier nun – stichwortartig – über die Sorgen der Bankfachleute berichtet werden soll. Denn diese Tagessorgen sind eben „richtig“ nur im Hinblick auf den Hintergrund der festen D-Mark zu sehen. Was steht an Themen an?

Da sind zuerst die Mindestreserven. Daß sie in der Hand eines weisen Zentralbankrats ein Instrument zur Mengenregulierung unseres Geldes darstellen, sei nur unterstrichen. In Zeiten flüssiger Geldmärkte ist dieses Thema eigentlich nicht aktuell. Nur können die Zeiten sich ändern: Die Verpflichtung der Banken zum Halten von Mindestreserven beim Zentralbanksystem in einem armen Land nach dem Muster der kapitalgesättigten USA stellt eine Belastung dar, deren praktischen Sinn man bisher bei aller theoretischen Anerkennung noch nicht ergründen konnte.

In den gleichen Rahmen fällt das zweite Problem: Der tote Block der Ausgleichsforderungen. Hier befiehlt der Schuldner Staat, daß er geringere Zinsen zu zahlen hat, als der Markt es erfordert.

Weiter: Gutes Geld erlaubt, daß man sich aus der Armut zum Wohlstand wieder hocharbeiten kann, wenn nicht gleichzeitig die als „öffentliche Hand“ bezeichnete Institution sich des Erarbeiteten bemächtigt. Sie verlangt u. a. hohe Steuern deshalb, um zu investieren. Der Staat sieht dabei offenbar nicht, daß bei dem Rentabilitätsdenken, das sich mit zunehmender Festigung der D-Mark durchgesetzt hat, die Privatwirtschaft dann Kapital bilden würde, wenn die Steuern nicht konfiskatorisch wären, und daß sie mit diesem Kapital die notwendigen Investitionen (so im Wohnungsbau) finanzieren könnte. – Durch die überhöhten Steuern wird zudem ein Steuer politisches Denken genährt, das nicht immer den gesunden Grundsätzen einer nach Rentabilitätsgesichtspunkten orientierten Unternehmensführung entspricht. Konnte man – es war eine harte Cäsur! – das Geld in Ordnung bringen, warum sollte man nicht auch das Kapital pflegen? Voraussetzung ist nur, daß man will...

Der politische Wille und nicht die Notenbankleitung entscheidet auch über das nächste Problem: Wie soll ein Bundesnotenbankgesetz aussehen? Der Bankmann stellt hier eine praktische Überlegung an: solange die Geschäftsbanken nicht in der Lage sind, zentral (also über das gesamte Bundesgebiet) zu disponieren, solange die Einteilung in drei Geschäftsbereiche, die nicht überschritten werden dürfen, besteht, die früheren Großbanken also nichts weiter sind als große Regionalbanken, solange suchen sie den Rückhalt bei den für ihren Bereich zuständigen Landeszentralbankpräsidenten. Eine Zentralbank harmoniert mit Zentralgeschäftsbanken, ein Zentralbanksystem harmoniert mit großen Regionalinstituten.

Die D-Mark ist eine feste Binnenwährung. Im Ausland ist sie, da die Devisenzwangswirtschaft, die den Kapitalverkehr zentralisiert, eine Festigkeit „aus dem System heraus“ verhindert, noch nicht gleich begehrt. Diese Devisenbewirtschaftung zwingt die Banken zu behördlich anmutender Verwaltungsarbeit, die wenig einbringt, den Banken Beweglichkeit nimmt und viel kostet. Warum kann man die innerdeutsche Kontrolle nicht reduzieren? Ist die Gefahr der Kapitalflucht in Zeiten, da kaum ein Unternehmen ausreichende Betriebsmittel besitzt, denn so groß?