Die Pocketbook-Reihen der ro-ro-ro, der Fischer-Bücherei, der List-Bücher und des Bürger-Verlages haben Entscheidendes für die Wiederbegegnung von Buch und Leser getan. Aber sie alle dienen der Nachfrage nach Belletristik. Die Wissenschaft ging bisher leer aus. Wohl gibt es die interne Buchgemeinschaft für Studenten. Aber die Akademiker in freien Berufen, die wissenschaftlich interessierten und die Gebildeten überhaupt mußten bisher auch Angehörige der höheren Einkommensstufen sein, wenn sie ihre Bibliothek nach dieser Richtung hin ergänzen wollten. Die verminderte Kaufkraft laut nur kleine Auflagen zu, kleine Auflagen bedingen höhere Ladenpreise, und so geht die Schraube ohne Ende. Nun ist auch hier an einer Stelle der Einbruch in den bösen Zirkel gelungen: Der W. Kohlhammer-Verlag in Stuttgart hat die ersten drei Urban-Bücher herausgebracht und wird noch in diesem Sommer drei weitere folgen lassen. Damit ist der gordische Knoten gelöst. Die Urban-Bücher sind Taschenbücher der Wissenschaft, Nachfolger etwa der einstmals sehr verbreiteten Teubnerschen Reihe „Aus Natur und Geisteswelt“. Über 200 Seiten Text in sorgfältigem, sehr gut lesbarem Druck auf hochwertigem Papier in solidem farbigem Pocketbook-Umschlag für 3,60 DM (bei den bebilderten Bänden: 4,80 DM mit 32 Kunstdrucktafeln) – das sieht fast nach Zauberei aus, ist aber nur das Ergebnis guter und scharfer Kalkulation.

Die ersten drei Bände lassen den Kurs deutlich erkennen: weder Spezialistentum noch Populärwissenschaft, sondern gründliche Umblicke über wichtige Gebiete, zunächst der Geisteswissenschaften, in klarer, eleganter und auch schriftstellerisch reizvoller Darstellungsweise. Ein Schema wird nicht angestrebt. Der Band „Die Kunst der Renaissance in Italien“ von dem Heidelberger Kunsthistoriker Walter Paatz etwa hat mehr den Charakter der umfassenden, alles Material neu aufarbeitenden Hauptvorlesung, der Band „Weltgeschichte und Heilsgeschehen“ von dem Heidelberger Philosophen Karl Löwith mehr den des großen Essays. Beim einen gibt es zu lernen, beim anderen gibt es zu denken. Beide Seiten, die informative und die philosophisch durchdringende, vereinigt der dritte Band, der den römischen Orientalisten Sabatino Moscati Verfasser hat: „Geschichte und Kultur der semitischen Völker.“ Hier ist vielleicht die Aufgabe der Einführung in ein dem Leser noch wenig vertrautes Gebiet am glücklichsten gelöst. Und welche Perspektiven tun sich unter dieser kundigen Führung auf – Babylon, Kanaan, Juda, Syrien, Arabien, Äthiopien, eine differenzierte Kultureinheitl C. E. L.