H. v. V., Kairo, im Juni

Die deutsch-ägyptische Handelskammer in Kairo, hervorgegangen aus der „Vereinigung der am deutsch-ägyptischen Handel interessierten Firmen“ konnte im Dezember V. J. auf ein einjähriges Beistehen zurückblicken. Sie legte in diesen Tagen ihrer Generalversammlung einen Bericht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres vor. Zunächst hatte die Kammer viele Schwierigkeiten beim Anlauf ihrer Arbeit zu überwinden, zumal sie damals das einzige Verbindungsglied zwischen Westdeutschland und Ägypten darstellte. Aber heute kann sie mit Recht für sich- in Anspruch nehmen, einen wichtigen Platz im Wirtschaftsleben der beiden Länder innezuhaben. Ihr gehören 190 Mitglieder mit Sitz in Ägypten und 145 mit Sitz in Deutschland an. Durch ihren Generalsekretär Dr. Degener trug sie in wirkungsvoller Weise zum Abschluß des deutschägyptischen Handelsabkommens bei und war entscheidend an der Herstellung der radio-telephonischen Verbindung zwischen Ägypten und Westdeutschland beteiligt. Die erfolgreichen Vorarbeiten für die in Kairo geplant gewesene deutsche Industrieausstellung mußten leider unterbrochen werden, da die durch das deutsch-israelische Wiedergutmachungsabkommen in den arabischen Ländern entstandene Spannung es ratsam erscheinen ließ, die Ausstellung auf einen späteren Zeitpunkt in verlegen.

In der Zeit der politischen Beunruhigung hat die Kammer, getreu ihrer Aufgabe, deutschen und ägyptischen Interessen zu dienen, eine schwere Bewährungsprobe durchgemacht und bestanden. Sie unterrichtete in sachlicher Form den Deutschen Industrie- und Handelstag sowie den Bundesverband der Deutschen Industrie über den Ernst der Lage, was sicher nicht ohne Einfluß auf das größere Bonner Verständnis für die arabischen Fragen geblieben ist. Auf der andern Seite trug die Kammer durch den Ausdruck eines temperierten Optimismus, den die spätere Entwicklung der Dinge berechtigte, sehr zur Beruhigung der Gemüter, besonders in den interessierten Handelskreisen in Kairo, bei. So konnten ernste Störungen oder Unterbrechungen der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern vermieden werden. In Ermangelung eines staatlichen deutschen Reisebüros hat die Kammer viel zum Besuch Deutschlands und seiner bedeutenden Messen und Ausstellungen durch Ägypter beigetragen und unterstützt den Austausch von Technikern sowie die Entsendung von ägyptischen Studenten auf deutsche Universitäten und Technische Hochschulen.

Bei der Anwesenheit deutscher Delegationen – wie der unter Staatssekretär Westrick oder bedeutender Persönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens, wie Dr. Albert Bühler von der Bank deutscher Länder oder Dr. Haberland von den Bayer-Werken Leverkusen – wurden von der Kammer Empfänge veranstaltet, die mit den beiden Präsidenten van Meeteren und Mohamed Taher Gelegenheit zu wertvollem Gedankenaustausch und Fühlungnahme mit führenden Vertretern der Politik und der Wirtschaft Ägyptens boten. Zweigstellen der Handelskammer bestehen in den beiden Mittelmeerhäfen Port Said und Alexandrien.