Apis sagt in ihm, er habe den Rade Malobabitsch engagiert zur Organisierung, des Nachrichtennetzes in Österreich-Ungarn. Das Engagement habe er im Einverständnis mit dem russischen Militärattache in Belgrad, Artamanow, vorgenommen, der in Anwesenheit von Apis auch selbst mit Malobabitsch verhandelt habe ... "Nachdem Rade mit der Durchführung seiner Aufgabe begonnen hatte", fährt Apis fort, "habe ich in der Meinung, daß Österreich einen Krieg gegen uns vorbereitet, dafür gehalten, daß mit der Beseitigung Franz Ferdinands die Kriegspartei ..., an deren Spitze er stand, ihre Kraft verlieren werde und daß so die Kriegsgefahr für Serbien abgewendet oder wenigstens aufgeschoben werden könnte; deshalb habe ich auch den Malobabitsch beauftragt, das Attentat in Sarajewo zu organisieren. Definitiv habe ich mich dazu erst entschlossen, als mir Artamanow die Überzeugung vermittelt hatte, daß Rußland uns im Falle eines österreichischen Angriffs nicht ohne Hilfe lassen werde. Ich habe aber Artämonow von meinen Attentatsplänen keine Mitteilung gemacht ... Malobabitsch hat meinen Auftrag ausgeführt, er hat das Attentat organisiert und durchgeführt." Im Saloniki-Prozeß sagte Apis aber darüber nichts aus. Es heißt, daß er während der Untersuchungshaft sein Ehrenwort gegeben hatte, er werde in dieser schwierigen Lage die serbische Regierung und sein Vaterland nicht durch Aufhellung der Hintergründe des Attentats von Sarajewo belasten. So starben Malobabitsch als "österreichischer Spion" und Apis mit dem Major Wulowitsch als "Hochverräter und Urheber eines Attentats auf den Prinzregenten" am 26. Juni 1917 wenige Kilometer hinter der wankenden Salonikifront der Alliierten.

Jahrzehnte beunruhigte dieser Tote wie ein Gespenst die Urheber seiner Hinrichtung. Jetzt sind die meisten tot, ein paar Überlebende in alle Winde zerstreut. Es ist schon möglich, daß Tito einen gewissen propagandistischen Erfolg mit der Rehabilitierung des Apis erzielen wird. Auch mag der Verschwörer Apis dem Verschwörer Tito verständlich und im Innersten sympathisch sein. In der Auseinandersetzung mit der großen antikommunistischen Mehrheit der Bevölkerung und mit der kleinen aber gefährlichen kominformistischen Minderheit im Parteiapparat war Tito in den letzten Jahren ohnedies immer mehr genötigt, den Nationalismus auf seine Fahnen zu schreiben.

W. Fredericia