Jeder Bauer müsse daran interessiert sein, daß der Export von Industrieerzeugnissen als eine eminente Lebensfrage des deutschen Volkes auf der bisherigen Höhe bleibe. Die Bundesrepublik sei eine Werkstatt, die von der Ausfuhr ihrer Industriegüter lebe. – Wer solche beherzigenswerte Worte sprach, war nicht etwa Prof. Erhard oder einer der Verantwortlichen aus den Spitzenorganisationen der Industrie und des Handels, nein, weit gefehlt: es war Dr. Sonnemann, der Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, der damit, wie die erste Schwalbe (zwar noch nicht den vollen Sommer, aber immerhin doch) einen neuen Ton ins Konzert der Frühlingsstimmen brachte. So sind diese Worte doppelt bemerkenswert. Denn sie deuten das an, was, seit Jahren bekannt, von der Landwirtschaft aber bisher erbittert bestritten wurde: die Erkenntnis nämlich, daß die Bundesrepublik nur durch eine ständige gewaltige Exportanstrengung lebensfähig ist, daß sie nur durch einen auf Hochtouren laufenden Export die volle Beschäftigung in der Industrie und damit die „Kaufkraft“ von der ja die Landwirtschaft lebt, halten und vermehren kann. Und schließlich: daß nur durch eine nachhaltige industrielle Leistung die zur Bezahlung unserer Schulden erforderlichen Devisen und die für die sozialpolitischen Aufgaben notwendigen Mittel zu beschaffen sind.

Es wäre zu wünschen, daß über diese Notwendigkeit auch innerhalb der landwirtschaftlichen Führung – gerade jetzt, da zwischen dem Bundeskanzler und dem Bauernverband neue agrarpolitische Gespräche geführt werden – volle Klarheit besteht. Der Bauernverband könnte sich große Verdienste erwerben, wenn er die Exportbemühungen der deutschen Wirtschaft nicht mehr (wie es manchmal den Anschein hat) „um jeden Preis“ bekämpft, sondern sich mehr der Aufgabe zuwendet, die Landwirtschaft zu modernisieren und sie im Wettbewerb zu festigen. Etwas weniger Traditionsgeist und etwas mehr kaufmännische Wirtschaftlichkeit könnten überraschende Erfolge zeitigen. Wenn die Landwirtschaft heute klagt, man bringe ihr nicht das notwendige Verständnis entgegen, so sollte diese isolierte Situation doch in erster Linie die landwirtschaftliche Führung nachdenklich stimmen. Es ist ja wirklich nicht so, daß Industrie, Handel und Verbraucher gerechtfertigte landwirtschaftliche Belange leicht abtun. Nur sollte eben der andere Gesprächspartner etwas aufgeschlossener sein, gg