Von Ranja Shanani

Ich sollte einen Roman schreiben. Also packte ich ein paar Sachen zusammen und reiste zum Fuß des Himalaja. Auf einem Hügel mit herrlichem Blick über die ewigen Schneefelder mietete ich eine Hütte, fern jeder menschlichen Behausung.

Am nächsten Morgen setzte ich mich an den Tisch, ein oder zwei Kapitel zu schreiben. Vor mir lag das Tal, weich und wogend und glitzernd im goldenen Sonnenglanze. Ein Vogel trillerte drei, vier klare Noten in das Schweigen. Ein Sänger nach dem anderen fiel ein. Dann plötzliche Stille, als ob die Natur eine Atempause einlegte; dann ein zartes Murmeln, wie ein Vibrieren des Lichtes nur, und die Luft erbebte unter dem lieblichen Zirpen der Zikaden. Ich war wie verzaubert.

Kaum aber hatte ich die Feder zur Hand genommen, als ein hohes, schrilles Wimmern an mein Ohr drang. Jemand spielte Flöte, spielte abscheulich. Voller Zorn erhob ich mich.

Da saß, genau vor meinem Fenster, ein fetter, grobschlächtiger Kuhhirte und marterte sein Instrument.

„Geh weg!“ rief ich.

Er hörte mich nicht, oder tat zumindest so. Schließlich sah er auf. „Warum sollte ich weggehen? – fragte er. „Dieser Ort gehört nicht dir. Jedermann ist hier willkommen.“