Als neueste Segnung aus USA haben wir den Variety-Club (sprich: Weraiiti) erhalten. Eine von dem Filmproduzenten F. A. Mainz gegründete Vereinigung deutscher Film-, Bühnen- und Variete-Kräfte wurde als „tent (Zelt) Nr. 42“ in dem 1927 in Amerika entstandenen internationalen Klub aufgenommen. Er hat drüben klangvolle Namen in seinen Reihen und verbindet auf unnachahmliche Weise hübsch das Angenehme mit dem Nützlichen: Man gibt große Wohltätigkeitsveranstaltungen, man tut Gutes und macht ein bißchen für den eigenen Ruhm Reklame. Der Klub begann mit einer Kindesadoption und hat seitdem viele lobenswerte Taten getan: Kinderheime, Lehrlingswerkstätten und Schulen gestiftet unter dem selbstgestellten Motto „Rettet das Kind“.

Auch die erste Hamburger Wohltätigkeitsveranstaltung in dem übervollen großen Kinosaal der „Barke“ ermöglichte eine erste gute Tat: Für die beiden Kinder des im Sowjetsektor in Berlin standrechtlich erschossenen Westberliners Willi Göttling wurde die Patenschaft übernommen, sie sollen in einem Hamburger Kinderheim untergebracht werden.

Es war nicht der prunkvolle Glanz in der Hamburger „Barke“ zu finden, der über den ausländischen Wohltätigkeitsfesten der Variety-Clubs zu liegen pflegt. Es gehört dazu eine intakte Gesellschaftsstruktur und ein unangetastetes Selbstvertrauen, um das Wohltun mit eigenem Vergnügen zu verbinden und darin kein Almosen, sondern eine Tugend zu sehen. Und es gehören dazu heute als Attraktionen die Prominenten des Films, die internationale Namen haben.

In Hamburg war es bei fünf D-Mark Eintritt ein volkstümliches Fest mit der Aufführung eines thematisch gut gewählten, mittelmäßigen Films mit dem ergreifend rührseligen Titel „Hab’ Sonne im Herzen“ und einer mittleren Starparade mit mittelmäßigem Unterhaltungsprogramm; Jedoch, auch ausländische Stars, wie Marlene Dietrich, Maurice Chevalier, Bing Crosby, haben sich schon bereit erklärt, in weiteren deutschen Veranstaltungen für die gute Sache aufzutreten. Das wird auch andere deutsche Künstler nicht ruhen lassen, sich freiwillig und ohne Gage zur Verfügung zu stellen. Und sind wir auch nicht selbst auf die Idee gekommen, so mag doch dieser offensichtlich im zugkräftigen Stil unserer Zeit organisierte laute Appell zur guten Tat die persönliche Verantwortung des einzelnen wecken und durch große Spenden reiche Hilfe für notleidende Kinder hervorlocken. Daß die Wohltäter ihren schnellen Lohn in leichter Unterhaltung finden, nun – der Mensch ist eben so, daß er leichter gibt, wenn er auch etwas bekommt. EM