Wer geglaubt hat, daß die Nachfolgegesellschaften der IG Farben AG aus der Entflechtung gewappnet wie Pallas Athene aus dem Haupte des Zeus entspringen werden, ist inzwischen eines anderen belehrt worden. Die Chemie hat es schwerer als die Großbanken, die eine rechtlich und kaufmännisch einwandfreie Ausgliederung vornehmen durften. Sie konnten vor allem eine ordnungsmäßige Eröffnungsbilanz aufstellen. Die Nachfolgegesellschaften der IG-Farben, so auch die Farbwerke Hoechst, von denen allein weiterhin die Rede ist, vermochten jedoch, nur eine Vermögensaufstellung zu bringen, in der die Werte mit den gleichen Ansätzen aufgenommen sind, wie sie von der IG-Farben i. L. auf die Nachfolgegesellschaften übertragen wurden. Das aber stellt noch längst nicht das Spiegelbild eines lebenden Unternehmers dar. Die erste echte Bilanz wird erst die Jahresbilanz 1952 sein. Sie ist aber noch nicht aufgestellt, da über eine Reihe von Positionen noch keine Klarheit besteht. Es ist daher auch noch nicht möglich, etwas über die Dividendenaussichten zu sagen. Das ist natürlich ein Mangel, den die Verwaltung des Unternehmens selber am deutlichsten spürt. Sie hat deshalb einen Bericht der Öffentlichkeit und vor allem ihren Aktionären vorgelegt, der insofern mehr als die bisherigen Veröffentlichungen bringt, als auch die Vermögensaufstellungen für den 1. Januar 1952 der drei durch einen Organvertrag mit Hoechst besonders engverbundenen Töchter Knapsack-Griesheim AG, Bobingen AG für Textilfaser und Behringwerke AG, sowie der selbständigen Tochtergesellschaft Kalle & Co AG aufgenommen sind. Das so geschaffene Bild wird noch durch eine Konzernbilanz abgerundet, die insofern bemerkenswert ist, als hier nicht mehr die Beteiligungen mit ihrem Nennwert, sondern die Bilanzseiten der vier Töchter verzeichnet sind. Dadurch ergibt sich eine Bilanz, die praktisch keine inneren Reserven mehr besitzt, sondem die auf der Aktiva-Seite eine Addierung der Werte bringt, wie sie von der IG-Farben AG i. L. insgesamt auf Hoechst übertragen wurden. Daraus ergibt sich ein recht stattliches Netto-Vermögen, das das AK von 285 Mill. um 22? Mill. – die als Rücklage ausgewiesen sind – übersteigt. Das täuscht allerdings auch einen Reichtum vor, der möglicherweise gar nicht besteht. Die erste aktienrechtlichen Bestimmungen entsprechende Bilanz wird daher voraussichtlich größere Abschreibungen von den Aktiva bringen – so bedarf der Posten Patente mit 7,6 Mill. und der für Forderungen an die IG-Farben AG i. L. in Höhe von 22,4 Mill. DM zweifellos einer vorsichtigeren Bewertung – bei entsprechend gekürzten Rücklagen. Es bereitet offensichtlich dem Vorstand einige Sorgen, daß er in diesem entscheidenden Jahr des Aufbaues nicht die lebendige Fühlung mit den Aktionären hat, die an sich notwendig ist. Bei, 160 000 Aktionären, die im Durchschnitt jeder nur einen Aktienbesitz von 2000 DM haben, ist es naturgemäß überhaupt nicht ganz leicht, in einem innigen Konnex mit den Aktionären zu bleiben und ihnen ein Bild von der Gestaltung ihres Eigentums zu vermitteln. Um hier doch zum Ziele zu gelangen, will Hoechst dankenswerterweise eine größere Publizität betreiben. R g b.