Der oHV derMannesmann AG‚ Düsseldorf, am 26. Juni wird ein inhaltlich wie in der Aufmachung wohl einmalig großzügiger und aufgeschlossener Bilanzbericht für 1951/52 (30. 9.) vorgelegt. In 35 000 Exemplaren wurde er gedruckt und an die 28 553 im Zuge der Umtauschaktion festgestellten Aktionäre geschickt. Die Verwaltung, deren AR-Vorsitzer der bekannte Gewerkschaftler Dr. Erich Potthoff-Köln und dessen Vorstands-Vorsitzer Wilhelm Zangen aus der alten Mannesmann-Garde ist, haben mit ihrer Jahrespublikation die vor allem auch in der Schwerindustrie nicht so sehr häufig anzutreffende „Politik der gläsernen Taschen“ verfolgt.

Besonders aufschlußreich für die Lage des Gesamtunternehmens ist die konsolidierte Bilanz zum 30. September 1952, in der die Zahlen der sieben großen Unternehmen einschließlich der Holding enthalten sind, nämlich die der Mannesmann AG, der Bergwerke AG, der Kokerei AG, der Rohstoffwerke GmbH, der Hüttenwerke AG, der Röhren-Werke AG und der Kronprinz AG. Zugleich gibt das Unternehmen seinen Gesamtumsatz mit ‚ 135 Mrd. DM in der Produktion und den Gesamtumsatz der Handelsunternehmen mit weiteren 500 Mill. DM an. Der Exportumsatz erreichte 230 Mill. DM, also reichlich 20 v. H. der Produktion.

Wenn der Aktionär auf dieser Umsatzgröße das Zahlenbild der konsolidierten Bilanz betrachtet, so wird er den Eindruck gewinnen, daß die an den Börsen gehandelten Mannesmann-Aktien mit rund 75 v. H. recht niedrig bewertet sind. Die Konzernbilanz von Mannesmann zeigt bei einem Grundkapital von 240 Mill. Rücklagen von 217 Mill., mithin ein Eigenvermögen von 457 Mill. DM. Zuzüglich eines Ausgleichpostens von 26 Mill. DM überdecken die Eigenmittel das gesamte Anlagevermögen. Dieses erscheint nach 77,3 Mill. DM Zugängen, 56,2 Mill. DM Abschreibungen und bei 37,7 Mill. DM in Bau befindliche Anlagen einschließlich 6 Mill. DM Beteiligungen mit 471,8 Mill. DM.

Neben den hier ausgewiesenen Abschreibungen von 56 Mill. DM konnte das Unternehmen weitere 27 Mill. DM Sonderabschreibungen (in der Bilanz unter besonderen Rücklagen (47,1) verbucht) erwirtschaften und sogar über 10 Mill. DM normale Wohnungsbaugelder hinaus weitere 35 Mill. DM unter Ausnutzung der Möglichkeiten des § 7 des ESTG investieren.

Demgegenüber beträgt der Reingewinn von 10,5 Mill. DM mit einer 4prozentigen Dividende nur 1 v. H. des Produktionsumsatzes und, wenn man den Handelsumsatz hinzurimmt, nur 0,6 v. H. des Konzernumsatzes überhaupt. In diesem Zusammenhang kündigte Wilhelm Zangen in einer Pressekonferenz an, daß die Verwaltung Pläne zur Aufnahmeeiner Obligationsanleihe erörtere, zumal der Obligationszins als Kostenfaktor viel billiger sei als die übersteuerte Dividende. An Steuern werden in der konsolidierten Ertragsrechnung 56,2 Mill. DM (mithin mehr als die regulären Abschreibungen von 56,1 Mill.) ausgewiesen. Löhne und Gehälter erforderten bei einem Rohüberschuß von 338,4 Mill. für rund 31 000 Arbeiter und Angestellte 131,92, Sozialaufwendungen 35,2 Mill. DM.

Die Investitionspläne für die Zukunft sollten sich überhaupt hüten, ihre Kapazitäten allzu weit auszubauen. „Die Entflochtenen möchten gern alles wieder allein machen“, meinte Wilhelm Zangen zur Investitionspolitik der Stahlindustrie allgemein. Es herrscht die Tendenz: Jeder sein eigener „Stahlverein“. Mannesmann selbst sei durch langfristige Verträge für ein Menschenalter mit Kokskohle gesichert. Auf der Röhrenseite würden noch gewisse Spezialentwicklungen zu Investitionen führen, auf der Blechseite würde eine Modernis erung bei der Kaltwalzung dem Unternehmen noch einige 30 Mill. DM kosten. Im Stahlwerk Huckingen wäre ein Martinswerk und eine Blockstraße im Neubau, worauf sich 38 Mill. DM Anzahlungen in der Bilanz beziehen.

Wir möchten noch erwähnen, daß Mannesmann im Aufsichtsrat der Holding das Mitbestimmungsgesetz berücksichtigt, obwohl der Gesetzestext diesen Schritt nicht vorgeschrieben hat. Die Verwaltung rechnet aber mit einer baldigen Ergänzung des Mitbestimmungsgesetzes durch den Bundestag, wodurch die Mitbestimmung auch auf die Holding-Unternehmen der Montanwirtschaft ausgedehnt werden würde. Rlt.