Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten stehen am 30. Juni und 1. Juli in Wiesbaden aktuelle wirtschaftspolitische Fragen der Maschinenindstrie. Nachstehender Beitrag skizziert die jüngsten Erfolge dieses wichtigen Industriezweiges und berichtet zugleich über die vielfachen Sorgen und Nöte, denen der deutsche Maschinenbau vor allem unter der Preis-Kosten-Schere ausgesetzt ist.

Ohne Zweifel hat Westdeutschlands Maschinenbau im vergangenen Jahr noch recht gut abgeschnitten. Dies beweisen nicht nur die kräftigen Steigerungen der Produktionswerte und -gewichte, die gegenüber 1951 um rund 30 v. H. und 20 v. H. auf 9,66 Mrd. DM und 2,16 Mill. t gewachsen sind; das läßt sich aber meist auch mehr oder weniger deutlich aus den bisher veröffentlichter, Bilanzen dieser Branche entnehmen, und zwar durchaus nicht allein daraus, daß einige Gesellschaften ihre Dividenden erhöht haben. Dennoch sieht man der künftigen Entwicklung vielfach mit einiger Besorgnis entgegen. Letztere bezieht sich allerdings nicht mehr auf die Materialbeschaffungsfrage, die noch bis in den Spätsommer 1952 hinein so viele Kopfschmerzen bereitet hatte, sondern auf die Absatzlage im allgemeinen, die Exportsituation im besonderen, die immer noch gegenläufige Tendenz von Kosten und Preisen sowie schließlich auf Finanzierungs- und Steuerfragen.

Normalerweise pflegt die Absatzentwicklung in der Maschinenindustrie – abgesehen von jahreszeitlichen Einflüssen (Landmaschinen, Ackerschlepper, Baumaschinen) – mit einer gewissen Phasenverschiebung dem allgemeinen Konjunkturverlauf zu folgen, und zwar in den einzelnen Sparten desto schneller, je näher die Abnehmer dem Konsumgütergebiet stehen. Infolgedessen hatten etwa die Hersteller von Textilmaschinen auf Grund der bereits im Frühjahr 1951 beginnenden Textilflaute relativ früh unter Absatzschrumpfungen und Produktionsrückgängen zu leiden; sie konnten aber auch schon bald nach der Wiederbelebung des Textilabschnittes eine Besserung verzeichnen. Und in den bisher erfaßten vier ersten Monaten dieses Jahres überstieg ihr Auftragseingang ständig den jeweiligen Umsatz. Dagegen war der Rückgang der Bestellungen bei den – ausgesprochen konsumfernen – Werkzeugmaschinen, die 1952 mit einem Produktionswert von 1,02 Mrd. DM wiederum an der Spitze sämtlicher Fachzweige des Maschinenbaues standen, erst verhältnismäßig spät (und leider recht kräftig) zu spüren. Hier hat sich vor allem die ungefähr im August 1952 einsetzende und noch anhaltende starke Stockung des Auftrageingangs aus dem Ausland bemerkbar gemacht, was um so schwerwiegender ist, als beispielsweise im vorigen Jahr noch fast 58 v. H. des Gesamtumsatzes dieser besonders exportintensiven Maschinenbausparte auf die Ausfuhr entfielen. Selbstverständlich gibt es bei einer in ihrer Erzeugung so vielseitigen und differenzierten Industrie, wie sie gerade der Maschinenbau ist, im einzelnen erhebliche Unterschiede. Im Durchschnitt aller seiner Fachzweige lag jedoch der Auftragseingang aus dem In- und Ausland in den ersten vier Monaten 1953 noch zwischen 2 v. H. und 6 v. H. unter den Ausstoßergebnissen. Inwieweit sich die Messe in Hannover befruchtend auf den Auftragseingang ausgewirkt hat, wird sich erst nach einiger Zeit feststellen lassen. Jedenfalls sind die Lieferfristen erheblich kürzer geworden, und von einem Verkäufermarkt ist schon seit längerer Zeit nirgends mehr die Rede...

Wenn auch die Schrumpfung der Auslandsaufträge sicherlich in Zusammenhang mit dem auf den Koreaboom folgenden allgemeinen Konjunkturrückgang steht, so ist doch das Auslandsinteresse an den qualitativ hochwertigen deutschen Maschinen an sich nach wie vor recht groß. Nicht umsonst hat die Bundesrepublik (einschl. Westberlin) im letzten Jahr ihren Maschinenexport gegenüber 1951 um 43 v. H. auf 3,59 Mrd. DM steigern und ihren Anteil an der Weltmaschinenausfuhr von 13,4 v. H. auf 16 v. H. erhöhen können, und nicht ohne Grund bildeten die Maschinenexporte mit einem Anteil von 21,2 v. H. weitaus den stärksten Posten der westdeutschen Gesamtwarenausfuhr. Aber es gibt mancherlei zusätzliche Schwierigkeiten, deren der Maschinenbau allein nicht ohne weiteres Herr werden kann und die seine Ausfuhrmöglichkeiten erheblich beeinträchtigen. So etwa die von verschiedenen Ländern erlassenen absatzhemmenden Einfuhrrestriktionen, ferner die hohen Inlandseisenpreise, die die Konkurrenzfähigkeit insbesondere gegenüber der britischen Maschinenindustrie verschlechtert haben, und schließlich die Tatsache, daß Westdeutschlands Maschinenexporteure den ständig zunehmenden Kreditwünschen der Auslandskundschaft nicht mit der gleichen Großzügigkeit entsprechen können wie ihre bedeutendsten Wettbewerber. Insbesondere dieser letztere Umstand hat sich bei der Vergabe von ausländischen Großaufträgen für uns sehr ungünstig ausgewirkt.

Daß die Maschinenbauer diese Hemnisse beseitigen möchten, ist nur zu verständlich. So ist u. a. kürzlich geäußert worden: ebenso wie es möglich gewesen sei, für den Wohnungs- und Schiffsbau durch geeignete Maßnahmen billiges Geld zu beschaffen, so dürfe es auch nicht länger unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten, Wege zur Ansammlung der für die langfristige Exportfinanzierung notwendigen Kapitalien zu angemessenen Zinssätzen zu finden. – Solange in Deutschland ausreichende anderweitige Finanzierungsmöglichkeiten für den Kapitalgüterexport noch fehlen, wäre diese Anregung immerhin der Überlegung wert.

Im übrigen hat sich die Ertragslage im Durchschnitt der westdeutschen Maschinenindustrie seit etwa einem dreiviertel Jahr durch den an den Exportmärkten – und bis zu einem gewissen Grade auch im Inlandgeschäft – herrschenden Preisdruck merkbar verschlechtert. Die deutschen Eisenpreise sind zu hoch, und auch die Lohnerhöhungswellen sind immer noch nicht ganz ausgelaufen, Unter dieser Preis-Kosten-Schere leiden die kleineren Fabriken naturgemäß in der Regel stärker als die kapitalkräftigeren Großunternehmen. Die Absatzlage im Inland und damit die Ertragskraft des Maschinenbaues würde sich sicherlich nicht unwesentlich bessern, wenn die derzeitigen Beschränkungen der Eigenfinanzierung der Investitionen gelockert und so der westdeutschen Industrie Gelegenheiten gegeben würden, über erhöhte Abschreibungen ihre maschinelle Ausrüstung dem Stand des Auslandes anzupassen.

Trotz allem dürfte der westdeutsche Maschinenbau den letztjährigen Produktionsstand im laufenden Jahr im großen und ganzen wohl noch ungefähr halten können, zumal angesichts der derzeitigen allgemeinen Konjunkturlage anzunehmen ist, daß sich in einiger Zeit Produktion und Auftragseingang etwa wieder die Waage halten werden. Heinrich Hiller