Wenn man jene von Zeit zu Zeit gern unternommenen Analysen über den Neonazismus in Deutschland betrachtet, dann könnte man meinen, jede zweite Partei sei eine Nazi-Partei und die Mehrzahl der Bürger hingen ausgerechnet ihnen an. Daß dies eine optische Täuschung ist, – weil, wie auf einer Drehbühne, immer die gleichen Figuren im Vordergrund erscheinen – bald in dieser, bald in jener Partei, das wird deutlich am Lebenslauf früher in Südamerika für Dr. Otto Strasser tätigen Bruno Fricke. Vor etwas über einem Jahr wanderte er illegal in die Bundesrepublik ein, gründete zunächst in Niedersachsen eine sogenannte Otto-Strasser-Bewegung, überwarf sich jedoch bald mit den hiesigen Strasser-Leuten und trat in die Deutsche Soziale Partei des früheren Ministers Günther Gerecke ein. Bei der letzten niedersächsischen Landtagswahl fiel er als Kandidat der DSP durch. Genau so erging es ihm bei der Kommunalwahl als BHE-Kandidat. Inzwischen hatte er als ehemaliger SA-Standartenführer auch bei der SRP sein Glück versucht. Als er dann dorr zum Austritt gezwungen wurde, versuchte er bei der DRP, Deutsche Reichspartei, Karriere zu machen. Hier nannte er sich „Landesgeschäftsstellenleiter“ ohne dazu berechtigt zu sein und mußte daher auch dort ausscheiden.

Fricke gab nun seine alt- und neofaschistischen Tendenzen vorübergehend auf und schloß sich der „nationalbolschewistischen“ NDP (Nationaldemokratische Partei) in Darmstadt an, die sich seiner bald entledigte. Nach diesem sechsten politischen Schiffbruch gelang es Bruno Fricke, in die „Frei-Soziale Union“ (FSU) einzutreten und dort in den Kreisvorstand gewählt zu werden. Wegen seiner ständigen Intrigen forderten mehrere Mitglieder den Ausschluß Frickes aus der FSU. Fricke hat bereits angekündigt, daß er zur Gesamtdeutschen Volkspartei“ von Heinemann und Helene Wessel übertreten will. Sollte die Gesamtdeutsche Volkspartei bereits in dem Ruf stehen, die geeignete Endstation für die auf der Wanderschaft befindlichen ewig Unzufriedenen zu sein? Dff.