Das Stück des irischen Dichters hat gewiß zum Teil Schuld daran. Es ist 1928 geschrieben, und man erfährt, daß Bernard Shaw es damals gegen den Widerstand vieler Bühnenleiter durchgesetzt habe. O’Casey, bei seinen Landsleuten ebenso unbeliebt wie G. B. S., ist heute 73 Jahre alt. Er wünschte dem Schiller-Theater Glück zu dieser deutschen Premiere, unterließ es aber, darauf hinzuweisen, daß sein zwiespältiges Werk den ersten Weltkrieg zum Hintergrunde hat.

Der Schock, den das Publikum empfand, kam vor allem von dem Kontrast des Banal-Realistischen zum Symbolisch-Psalmodierenden, der wohl auch dem Stück eigen ist, von Kortner aber als Einladung zu einem oft beklemmenden und hinreißenden, bisweilen jedoch die Grenzen des Geschmacks weit hinter sich lassenden Hexensabbath aufgefaßt wurde. Der Dichter wollte ein gewiß nicht neues Thema gestalten: Das Schicksal eines umjubelten Fußballstars, der im Kriege durch Rückenmarkschuß seine Kraft verliert. Aber das Stück zerfällt selbst in mehrere Stücke, die keine Einheit des Gedankens und des Mitempfindens gestatten: ein Stück mit kräftig satter Folklore und ein Stück der boshaft-milden Meditation. Keines verdrängte Kortner um des anderen willen, sondern die lauten drallen orgastischen Szenen baute der farbenfreudige Regisseur zu einem Pandämonium der Sinne aus, und aus den melodramatischen Teilen machte er ein pantomimisches Oratorium. Im letzten Akt schließlich ließ er sogar der Freude am Varieté alle breiten und läppischen Möglichkeiten. Hier entzündete sich der schon lange kaum unterdrückte Protest des Premierenpublikums zu offener Rebellion. Der Zwischenrufer, der da meinte: "Die Sache, die hier verhandelt wird, ist viel zu ernst, als daß man randalieren sollte, aber die Inszenierung ist ein Skandal...", traf mit dieser teils lebhaft beklatschten, teils niedergepfiffenen Bemerkung nur eine Seite des Eindrucks: denn das Ärgernis war, daß sich der Protest gegen einen großen Regisseur richten mußte, weil er zu Vieles und zu Deutliches in ein Stück voller Überholtheiten und Schiefheiten hineingebaut hatte. Am Schluß wurde Kortner von den Schauspielern, die er geführt, und von einem großen Teile des Publikums demonstrativ beklatscht.