Neuordnung des Bergbaubesitzes des Stahlvereins. Einen großen Schritt vorwärts in der Neuordnung des westdeutschen Steinkohlenbergbaues bedeutet die in Essen vollzogene Ausgründung des Bergbaubesitzes der Vereinigte Stahlwerke A.G. i.L., der bisher in der Gelsenkirchener Bergwerks A.G. (GBAG) zusammengefaßt war. Aus dem Bestand der GBAG scheiden damit die Betriebe in Hamborn aus. Der Aufbau der Nachfolgegesellschaften zeigt folgendes Bild: Unter der Holding der Gelsenkirchener Bergwerks A.G. werden die drei Bergbautöchter Dortmunder Bergbau A.G., Bochumer Bergbau A.G. und Rheinelbe Bergbau A.G. sowie die Gelsenberg-Benzin A.G. und die Raab-Karcher G.m.b.H. als 100prozentige Tochtergesellschaften geführt werden. Außer diesen Beteiligungen liegen noch eine Reihe weiterer Beteiligungen im Eigentum der Holding. Es sind insbesondere Anteile u. a. an der Westdeutsche Wohnhäuser A.G., der Rheinisch-Westfälische Wohnstätten A.G., der Westfälische Wohnstätten A.G. und der Vereinigte Hofgesellschaften m.b.H. An drei Gesellschaften, nämlich an der Hansa-Bergbau A.G., der Carolinenglück Bergbau A.G. und der Graf Moltke Bergbau A.G. sind die l00prozentigen Töchter mit je 50 v. H. beteiligt, während die andere Hälfte dem örtlich verbundenen Hüttenwerk, d. h. der Dortmund-Hörder-Hüttenunion und dem Bochumer-Verein, gehört. Im Hamborner Raum wird als Obergesellschaft die Hamborner Bergbau A.G., Hamborn, mit den Anlagen Lohberg und Beeckerwerth gebildet, die ihrerseits 50 v. H. der Anteile der Tochtergesellschaft besitzt. Die andere Hälfte des AK liegt bei der Hüttenwerke Phoenix A.G. Aus dem Verband der Gelsenkirchener Bergwerks A.G. scheidet die Kokerei Fr. Thyssen 3/7 aus. Sie geht in das Eigentum der August Thyssenhütte A.G. über. Da das Schicksal der Zeche Erin noch nicht entschieden ist, verbleibt sie vorläufig in der Altgesellschaft, die den Namen „Alte Gelsenkirchener Bergwerks A.G.“ annimmt. Dir. Dr. Springorum, der den Vorsitz im Vorstand der neuen Gelsenkirdiener Bergwerks A.G. übernimmt, und Dr. Funcke, ebenfalls vom Vorstand der Gesellschaft, teilten gelegentlich der Ausgründungsversammlung in Essen mit, daß die GBAG seit der Währungsreform bis Ende 1952 rd. 327 Mill. DM für Betriebsanlagen und rd. 100 Mill. DM für den Bau von Bergarbeiterwohnungen einschließlich 7c-Gelder investiert hat. Die Mittel hierfür seien überwiegend aus normalen und aus Sonderabschreibungen bestritten worden; aus Fremdmitteln seien rund 152 Mill. DM hinzugenommen worden. Die Produktionszahlen der GBAG hätten 1952 einen Stand erreicht, der nur noch wenig unter den besten Vorkriegsjahren liege. Die Anlagen hätten fast ohne Ausnahme wieder einen hervorragenden technischen Zuschnitt; die Kriegszerstörungen seien nahezu restlos beseitigt. Der Ausbau der Kokereien, und der Kraftwerke sei zum großen Teil beendet oder würde in diesem Jahre abgeschlossen. Die große neue Schachtanlage „Germania“ werde 1954/55 fertiggestellt sein; sie werde eine Kapazität von rd. 8000 Tagestonnen haben. Die Steinkohlenförderung der GBAG (einschl. sämtlicher Tochtergesellschaften) belief sich im Jahre 1952 auf 22,21 Mill. t, die Kokserzeugung auf 7,59 Mill. t und die Gaserzeugung auf 3402 Mill. cbm.

Opel-Gesamtsollproduktion 1953: 144 000 Wagen. Die Adam Opel AG, Rüsselsheim, weist für 1952 (31. 12.) einen Gewinn in Höhe von 22,2 Mill. DM aus, aus dem laut HV-Beschluß eine Dividende von 8 (I. V. 6) v. H. auf das unverändert 80 Mill. DM betragende AK ausgeschüttet wird. Einschließlich des Gewinnvortrages aus 1951 (71,2 Mill. DM) enthält die Bilanz unter Außerachtlassung der jetzt beschlossenen Dividendenausschüttung einen das AK um 13,4 Mill. DM überschreitenden Gesamtgewinn (93,4 Mill. DM) an Stelle einer Übernahme in die Offene Reserve, was letzten Endes einer Erhöhung des Eigenkapitals gleichkommt. Hinsichtlich der Automobilproduktion für das laufende Jahr wurde auf der Bilanzbesprechung eine geplante Kapazität von etwa 70 000 Olympia-Rekord-Wagen bei einer Gesamtsollproduktion von 144 000 Wagen gegenüber 87 934 Personen- und Lastkraftwagen im vergangenen Jahr (darunter fast 44 000 Olympia-Wagen) angegeben. Die Produktionskapazität des Werkes erhöht sich laufend entsprechend der Lieferung der in Auftrag gegebenen Maschinen. Die Werkleitung hofft, bis Ende des Jahres die Stundenproduktion von 30 Wagen (Olympia-Rekord), d. h. je Tag bei Doppelschicht 480 Wagen, zu erreichen. Die Ausweitung der Produktionskapazität ist in erster Linie auf das neue Preßwerk zurückzuführen, das nahezu vollständig eingerichtet ist. Der auf der 36. Internationalen Automobil-Ausstellung gezeigte Prototyp des Opel Caravan wird nach den Betriebsferien am 1. August in Produktion gehen. Wie in diesem Zusammenhang mitgeteilt wurde, gehen die Produktionspläne für den bei der gleichen Gelegenheit präsentierten Olympia-Rekord bis 1949 zurück. Die Nachfrage sei weiterhin sehr günstig und steigend. Gegenüber einem Exportanteil von 47,2 v. H. an der Gesamtwagenproduktion 1952 beläuft sich derzeit der Exportanteil auf 50 v. H. und könnte theoretisch auf 75 v. H. erhöht werden. Die Schweiz, Belgien, Schweden, Dänemark und Südafrika wurden als die Hauptabnehmerländer von Opel-Wagen bezeichnet; insbesondere hat der neue Olympia-Rekord eine sehr flotte Abnahme im In- und Ausland gefunden. Weitere Preisreduktionen seien im übrigen in der Automobilindustrie nicht zu erwarten, solange nicht, so wurde von der Opel-Geschäftsleitung betont, in den Materialpreisen eine Senkung eintrete. Das Verhältnis der Beschaffungskosten für Material in Deutschland im Vergleich zu der Situation in anderen europäischen Ländern wurde als eines der ernsthaftesten Probleme der Automobilindustrie bezeichnet; während z. B. vor dem Kriege die deutschen Stahlpreise (für Rohmaterial und Halbfabrikate insgesamt genommen) 10 v. H. niedriger lagen als in England, lägen sie zur Zeit um 30 v. H. höher, wodurch die Konkurrenzlage auf den Exportmärkten stärkstens beeinflußt würde. Grundsätzlich wird in dem Geschäftsbericht ausgeführt, daß die weitere Entwicklung der Kraftfahrzeugindustrie in der Bundesrepublik zu einem großen Teil abhängig ist von der Durchführung einer Gesetzgebung, die weit größeren Bevölkerungsschichten den Besitz und Betrieb eines Kraftfahrzeuges erlauben wird, als dies bei den derzeitigen Steuersätzen und dem gegenwärtigen Besteuerungssystem möglich ist.

Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer In zügigem Aufbau. Die Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer AG in Frankfurt/M., die im Kriege schwere Verluste erlitten hat, aber fast noch schwerer durch die 1949 auf Anordnung der Militärregierung erfolgte Ablieferung der beschlagnahmten 1136 Werkzeugmaschinen und der Einrichtungen der Automobilfabrik als Reparationsleistungen getroffen wurde, befindet sich seitdem’ in ununterbrochenem zähem und zügigem Wiederaufbau. Auf der HV der Gesellschaft wies Generaldir. Ernst Hagemeier auf die Schwere dieser Verluste hin: entfielen doch vor dem Kriege rd. 90 v. H. vom Umsatz der Adlerwerke auf Kraftfahrzeuge und Ersatzteile. Die Adlerwerke haben sich entschlossen, zunächst aus dem früheren Arbeitsprogramm wieder die Erzeugung von Büromaschinen und von Motorrädern aufzunehmen, darüber hinaus aber noch ein vollständig neues, Arbeitsgebiet, nämlich den Werkzeugmaschinenbau. Zu diesem Zwecke wurde mit einem Grundkapital von 5 Mill. DM die Vereinigte Werkzeugmaschinenfabriken AG (VWF) in Frankfurt/M. gegründet, die mit den Adlerwerken durch Organschaftsvertrag verbunden ist. Von der Währungsumstellung bis zum 30. April 1953 sind für die Erstellung von Anlagen, für die Durchführung neuer Arbeitsprogramme der Adlerwerke selbst, und des Tochterunternehmens VWF rd. 55 Mill. DM aufgewendet worden, davon aus eigenen Mitteln rd. 40 Mill. DM. Der Umsatz konnte entsprechend dem Fortschreiten des Wiederaufbaues und der Einführung neuer Arbeitsprogramme (das Motorrad-Typen-Programm wurde, vervielfacht) von Jahr zu Jahr ausgeweitet werden. Zur Zeit sind in beiden Werken zusammen 5400 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Der der HV vorgelegte Abschluß für das Geschäftsjahr 1951 brachte nach vorgelegte ausreichender Abschreibungen einen Betriebsgewinn, der jedoch durch die Übernahme der Anlaufkosten der VWF aufgezehrt wird. Wie Generaldir. Hagemeier sagte, sind die Aussichten auf eine Dividendenzahlung für 1953 nach dem bisher vorliegenden Geschäftsergebnis günstiger zu beurteilen, während 1952 nochmals infolge weiterer Anlaufkosten für VWF ertraglos bleiben wird.

Wieder 5 V. H. Dividende bei Westboden. Die Verwaltung der Westdeutschen Bodenkreditanstalt, Köln, schlägt der zum 22. Juli einberufenen HV. für 1952 die Verteilung von wieder 5 v. H. Dividende auf 2,1 Mill. DM Grundkapital (10 : 3,5 umgestellt) vor. Das inzwischen auf 4 Mill. DM erhöhte AK. ist für die neuen Aktien erst ab 1. Januar 1953 dividendenberechtigt. Die ges. Rücklage wurde auf 1,5 Mill. DM erhöht. Die Bilanzsumme des Institutes stieg auf 97,8 Mill. DM; das ist mehr als das Dreifache gegenüber der DM.-EB. Hypotheken, die überwiegend für den sozialen Wohnungsbau gegeben wurden, sind mit 62,3 Mill. DM ausgewiesen, Schuldverschreibungen und aufgenommene langfristige Darlehen belaufen sich auf 82,5 Mill. DM. In dem Bericht wird die Vorrangstellung der öffentlichen Hand am Kapitalmarkt kritisiert; seine Funktionsfähigkeit könne nur durch vollständige Wiederherstellung des Spieles der freien Marktwirtschaft gewonnen werden.

Von den Bremer Borgward-Werken wurden auf der Internationalen Rennbahn von Monthlery bei Paris die bisher von den Amerikanern Eyston und Denly gehaltenen internationalen Diesel-Klassen-Rekorde über 5000 km sowie über 48 Stunden gebrochen. Der erste Rekord wurde von den Borgward-Werken auf 38 Stunden, 15 Minuten, 6 Sekunden mit einem Stundendurchschnitt von 130,72 km verbessert (bisher 112,69). Der zweite Rekord (48 Stunden Fahrleistung) brachte eine Gesamtstrecke von 5 929,351 km bei einem Stundendurchschnitt von 123,53 (bisher 112,76). Beide Rekorde wurden mit dem serienmäßigen Dieselmotor des „Hansa 1800 gefahren, dessen Leistung 42 PS beträgt.

Daimler-Benz-Vorstand erweitert. Der AR der Daimler-Benz AG. hat Dipl.-Ing. Wilhelm Künkele, Betriebsdir. des Werkes Untertürkheim, zum stellvertr. Vorstandsmitglied bestellt. Damit besteht der Vorstand der Gesellschaft heute aus folgenden Mitgliedern: Dr. Fritz Könecke, Vors.; Dr.-Ing. Otto Hoppe; Otto Jacob; Karl C. Müller; Dr.-Ing. e. h. Fritz Nallingen stellv.: Wilhelm Langheck; Fritz Schmidt; Rolf P. G. Staelin; Arnold Wychodil; Wilhelm Künkele.

Die HV der Demag AG (Deutsche Maschinenbau-Unternehmungen AG) beschloß antragsgemäß die Verteilung einer Dividende von 7 v. H. für 1952 auf das 42,4 Mill. DM betragende Grundkapital. Die Gesellschaft weist für das Rechnungsjahr 1952 einen Reingewinn von 3,13 Mill. DM aus, der sich um den Gewinnvortrag aus dem Vorjahr auf 3,18 Mill. DM erhöht. Der nach Zahlung der Dividende verbleibende Restbetrag in Höhe von 86 958 DM wird auf neue Rechnung vorgetragen. Gemäß den Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes beschloß die HV ferner, die Zahl der AR-Sitze auf 9 zusammenzulegen. Nach Neuwahl setzt sich der AR der Demag AG wie folgt zukamen: Dr. Robert Pferdmenges, Köln (Vors). Wilhelm Zangen, Düsseldorf (stv. Vors.), Dr. Otto Springorum, Essen; Dr. Walter Lippert, Stuttgart; Dr. Otto Petersen, Düsseldorf; Dr. Clemens Plaßmann. Düsseldorf, und drei Vertreter der Arbeitnehmer.