Termini – so lautet der Name des großen modernen Bahnhofes in Rom. Er ist nicht nur Anfang und Ende eines Schienenweges in einer Weltstadt; sondern auch ein strahlendes Bauwerk unserer Zeit Beinahe ein Traumschloß aus Steinguß, Stahl, Glas geschliffenen Kalkplatten und funkelndem Nickel Sein Name bedeutet nach dem lateinischen Wort Terminus: Grenze, Markstein, Ziel – denn an Ende aller Wege liegt Rom.

Trifft man mit dem Zug hier ein, erregt außer dem Glanz der schwarzen Marmorpfeiler auf der Bahnsteigen nichts unsere Aufmerksamkeit. Bald jedoch nimmt den Ankömmling eine hoch überdachte Straße auf: sie durchschneidet den Bahnhof im rechten Winkel zur Richtung der Züge. Sie gleicht fast einer Straße Venedigs. Hier erklingen gedämpfte Worte und Schritte der bewegten Menschenschar. Der Reisende, der diese von oben erleuchtete Wandelhalle betritt, wird sich im selben Augenblick bewußt, daß nicht mehr die Lokomotiven und Eisenbahnwagen das wichtigste sind, sondern die Menschen. An dieser Straße liegen Schankstätten, Speise- und Kaffeehäuser, aber auch Geschäftsläden mit Kleidungsstücken, Spielsachen, Blumen, Süßigkeiten, so daß man eine morgenländische Kaufhalle zu durchschreiten wähnt. Nicht nur Reisende – auch viele Bewohner der Stadt pflegen hier vor den Kaffeeschänken im Getriebe der Menschen zu sitzen; sie betrachten das unablässige Treiben auf dieser künstlichen Straße, während die Reisenden auf die Abfahrt eines Zuges warten. In Muße warten –: das ist es, was dem Betrachter bei ihrem Anblick auffällt. Vergessen wir nicht, daß ein Wartesaal der Ort des Abschieds und Wiederfindens ist! Hier wird uns Glück zuteil und Schmerz.