Bei einem Höflichkeitsbesuch in Hongkong wurde der Chef der VII. amerikanischen Flotte, Vizeadmiral Clark, dem der Schutz der Insel Formosa gegen Angriffe vom chinesischen Festland anvertraut ist, gefragt, ob die VII. Flotte den nationalchinesischen „Marine-Guerillas“ bei der Verteidigung der von ihnen besetzten kleinen Inseln vor der chinesischen Festlandsküste helfen werde. Seine kurze Antwort lautete: „No comment“. Gerade auf diese Frage hatte man aber in Hongkong eine klare Antwort erwartet. Dort ist man beunruhigt, daß die von den „Marine-Guerillas“ besetzten Inseln zu See-Stützpunkten ausgebaut werden, von denen aus die nationalchinesische Regierung die von ihr verfügte Schließung der dreizehn wichtigsten chinesischen Häfen für ausländische Schiffe durchzuführen versucht. Sie läßt ausländische Schiffe – auch auf hoher See – durch Fahrzeuge der nationalchinesischen Marine anhalten und aufbringen, also Handlungen, die nur bei einer Blockade ergriffen werden dürfen. In der Zeit vom 26. Juli bis 24. August sind zehn Dämpfer angegriffen worden, von denen fünf aufgebracht und nach Häfen auf Formosa eskortiert wurden, und zwar die englischen Dampfer „Admiral Hardy“ und „Inchula“, der italienische Dampfer „Marilu“, der dänische Dampfer „Heinrich Jessen“ und der unter der Flagge Panamas fahrende Dampfer „El Brenon“. Den britischen Dampfern „Incharron“ und „Lantao“, die von nationalchinesischen Kriegsschiffen auf der Höhe von Futschau gejagt wurden, gelang es, zu entkommen. Dagegen konnte der britische Dampfer „Inchkilda“ nur durch das Eingreifen des englischen Flugzeugträgers „Unicorn“ vor dem Aufbringen bewahrt werden. Der britische Dampfer „Nigclock“ wurde sogar zweimal durch das Dazwischentreten englischer Kriegsschiffe gerettet. Am 16. August befand sich der Dampfer, eskortiert von einem nationalchinesischen Kanonenboot, das ihn in der Formosastraße aufgebracht hatte, auf der Fahrt zu der Inselgruppe der Pescadores, als die britische Fregatte „Saint Brides Bay“ in Sicht kam. Das Kanonenboot ergriff sofort die Flucht, so daß die „Nigelock“ ungehindert die Fahrt nach ihrem Bestimmungshafen fortsetzen konnte. Acht Tage später wurde der gleiche Dampfer auf der Fahrt von Schanghai nach Amoy von einem nationalchinesischen Kanonenboot verfolgt. Auf eine entsprechende Funkmeldung der ‚,Nigelock“ lief der britische Zerstörer „Cockade“ mit höchster Fahrt dem verfolgten Dampfer zu Hilfe. Kurz vor dem Eintreffen der „Cockade“ hatte das Kanonenboot das Feuer auf die „Nigelock“ eröffnet, Über die weiteren Vorgänge berichtete der Zerstörerkommandant: „Ein Warnungsschuß vor den Bug des Kanonenbootes genügte, um es zu veranlassen, die Verfolgung aufzugeben. Nach einer angemessenen Zurechtweisung des chinesischen Kommandanten und einer Verwarnung, keine weiteren Piratenakte zu begehen, setzte HMS ‚Cockade’ die planmäßige Durchführung ihres Auftrages fort.“ Ob diese Verwarnung Erfolg haben wird, ist eine weitere Frage. E. Krüger