Rlt. Düsseldorf, Mitte September

Frisch, gesund und tatendurstig erschien Gustaf Gründgens nach längerer Erholungszeit jetzt wieder vor seinen Freunden aus der Zeitungswelt und plauderte über das Programm der neuen Spielsaison 1953/54. Ganz nebenbei erwähnte er zunächst, daß schon wenige Tage nach der Eröffnung der Abonnementskasse das Stoppschild aufgestellt werden mußte, weil mehr. als 50 Prozent aller Plätze bereits verkauft wurden, er aber "für den Abendverkauf an der Kasse ja auch noch Plätze zur Verfügung halten müßte." Damit sind die Solleinnahmen des Düsseldorfer Schauspielhauses, bei dem Gustaf Gründgens nicht nur als Generalintendant und Schauspieler, sondern auch als Hauptgeschäftsführer wirkt, voll gedeckt. Außerdem wurde der Vertrag mit der Stadt um weitere drei Jahre verlängen.

Auf dieser gesunden Basis arbeitet die Bühne nun weiter, und Gründgens experimentiert aufs neue in einer interessanten Richtung. Auf seinem Spielplan steht das Schauspiel des bekannten amerikanischen Epikers Thomas Wolfe, "Herrenhaus", das bisher noch nirgendwo, weder in Englisch noch in einer anderen Sprache, weder in den USA noch anderswo, aufgeführt wurde. Diese verwunderliche Tatsache findet ihren Grund in einer Fülle von Regieanweisungen und akustischer Umrahmung, die dem ganzen Stück einen besonderen Charakter verleihen, aber von einem Theater allein einfach nicht bewältigt werden könnten, vor allem aus finanziellen Gründen.

Gründgens hat lange darüber nachgedacht, wie er die bisher von keiner Bühne angefaßte Regieanweisung des Autors verwirklichen könnte. Er kam dabei auf die Idee, darüber mit dem Rundfunk ein Gespräch zu führen. Dieses Gespräch sei außerordentlich günstig vom Kölner Intendanten Hartmann aufgenommen worden. So wird nun erstmalig auf einer deutschen Bühne Schauspielkunst und das technisch-akustische Repertoire eines Rundfunkstudios zusammenarbeiten, um dem Spiel auf der Bühne die notwendige Geräuschkulisse zu verschaffen. Diese Geräuschkulisse schwankt zwischen dem Flügelschlag des Todes bis zum vollen Einsatz eines sechzigköpfigen Orchesters. Hier liefert der Rundfunk aus seinem Besitz, und Erfahrungsschatz alle akustischen Hilfsmittel, die Gründgens in den Bann seiner Regie und seines Spieles stellen wird. Uraufführung im November.

Aus dem Spielplan des Düsseldorfer Schauspielhauses für die Saison 1953/54 seien erwähnt außer "Wallensteins Tod" mit Gründgens, Flickenschildt, Sybille Binder, Antje Weisgerber und Peter Esser: Zuckmayers "Katharina Knie", Hugo v. Hofmannsthals "Der Unbestechliche", sodann Uraufführung "Der Gattenmord" von Hans Rehberg (ebenfalls mit Gründgens und Flickenschildt), Pirandellos "Sechs Personen suchen einen Autor". Es folgen von T. S. Eliot "The Confidential Clerk", sodann die Komödie von Friedrich Dürrenmatt "Ein Engel kommt nach Babylon", ferner "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow und andere mehr. Gründgens teilte noch mit, daß er mindestens die nächsten vier Jahre bei seinem Schauspielhaus in Düsseldorf bleiben werde und daß er auf dieser langfristigen Basis noch besondere langgehegte Pläne hoffe verwirklichen zu können.