DIE ZEIT

Morgenthau-Geld

Weil McCarthy nicht locker ließ, ist jetzt vor seinem Ausschuß untersucht worden, was damals vor sich ging, als – es war 1944 – die Alliierten sich daran machten, „Besatzungs-Mark-Scheine“ zu drucken.

Kein Kulturkampf!

Im Wandelgang des Bundeshauses begrüßte kürzlich ein Abgeordneter seinen neuen Kollegen, den Fürsten Otto von Bismarck, mit den Worten: „Sie hier im schwarzen Bonn der Katholiken? Und dafür hat Ihr Herr Großvater den Kulturkampf geführt!“ Es gibt also in Bonn Abgeordnete, die an die politische Vormacht der Katholiken glauben.

Vulkan im Erlöschen

Größter sowjetischer Spionagering der Nachkriegszeit zerschlagen“ – so lauteten die Schlagzeilen der Zeitungen, als die Bundesregierung vor einem halben Jahr auf einer besonderen Pressekonferenz, die vom Bundesverfassungsschutzamt in Köln einberufen worden war, die „Aktion Vulkan“ bekanntgab.

Ehard über die Saar

Der bayerische Ministerpräsident Ehard hat jetzt endlich zu der skandalösen Saar-Sendung des Bayerischen Rundfunks, derentwegen er in der „Zeit“ zweimal angegriffen wurde, Stellung genommen.

Tito in der Hand des Kominform

Wer in Triest Politik machen will, der muß sich darüber klar sein, daß es seit Jahrzehnten und länger einen Adria-Konflikt gibt.

Im Netz der Verträge

Junfähiger die Menschen werden, ihre Beziehunen untereinander vernünftig zu gestalten, desto ßer scheint die Neigung der Politiker, die mangelnde Ordnung durch vertragliche Vereinbarungen zu ersetzen.

Es sind noch 95 Professoren

Die Auseinandersetzungen, die vor über einem Jahr zwischen dem Tübinger Verband der nicktamtierenden (amtsverdrängten) Hochschullehrer einerseits und der Westdeutschen Rektorenkonferenz andererseits ausbrachen, scheinen einer friedlichen Lösung näherzukommen.

ZEITSPIEGEL

Die Zurücknahme der anglo-amerikanischen Truppen hinter den Rhein, die der sowjetischen bis an die Grenze der Sowjetunion, die Besetzung des Gebietes zwischen Rhein und Elbe durch Streitkräfte der Europa-Armee und eine zu dem wiedervereinigten Deutschland gehörende entmilitarisierte Zone zwischen Elbe und Oder hat der niederländische Außenminister van Zeeland dem Präsidenten Eisenhower zur Lösung des Problems Deutschland vorgeschlagen.

Der Vater der Türken

Vor dreißig Jahren, am 28. Oktober 1923, saß Mustafa Kemal mit einigen Freunden beim Abendessen in Tschankaja. Plötzlich sagte er: „Morgen werden wir die Republik ausrufen.

Frankreich ohne Jugend

Wer je im Café Flore einen Apéritif nahm, kennt das Mädchen Poucette: eine Mappe mit Flugschriften und schlechten Zeichnungen unter dem Arm, predigt sie dort jedem, der es hören möchte, den Aufstand der Jugend.

Tagebuch der Zeit: Wien – Saigon – Teheran

Der österreichische Bundeskanzler Raab hat in einer Rede in der Wiener Universität erklärt, seine Regierung versuche die Besatzungsmächte davon zu überzeugen, daß es nicht mehr notwendig sei, starke Besatzungstruppen in Österreich zu unterhalten.

Ostpreußen im Sowjet-Lehrbuch

In einem neuen sowjetischen Lehrbuch, das die „Wirtschaftsgeographie der UdSSR“ behandelt, findet sich auch ein Absatz über Ostpreußen.

Rache für den 17. Juni

Ende August wurden 47 politische Gefangene aus Sachsen vom SSD zur Auslieferung bereitgestellt. Man schaffte sie in ein provisorisches Lager bei Briesen an der Bahnstrecke Fürstenwalde –Frankfurt/Oder.

Palästina-Krieg in Permanenz

Wer in den dreißiger Jahren in Palästina war, wußte schon damals, daß die jüdisch-arabische Frage nur noch einer gewaltsamen Lösung anheim fallen konnte.

Eine neue Jeanne d’Arc

Im Théâtre Montparnasse gab es eine Anouilh-Premiere: L’Alouette („Die Lerche“). Es geht um Jeanne, Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, Anführerin und Besiegte des französischen Heeres, ein Dorn im Auge Englands, aber keine von Gott zu politischen Zwecken gesandte Nationalheldin, keine bronzeglitzernde, fahnenumrauschte Geschichtsbuchfigur, sondern nur das naive, rührende, tapfere, fromme Kind „aus dem Volke“.

Am Rande der Theaterlandschaft

Das Westfälische Landestheater spielt in einem Kino. An den Wänden hängen die Reklamebilder der Ausstattungsfilme, die „demnächst in diesem Theater“ zu sehen sein werden.

Bergs erste deutsche „Lulu“

In Hamburg starb nach zweijährigem schwerem Leiden Carla Spletter, die vielseitig begabte Opernsängerin, die mit ihrer großartigen Interpretation der „Lulu“ Alban Bergs letztes Bühnenwerk bei der deutschen Erstaufführung in Essen und auf einer Gastreise des Essener Ensembles in Holland zu triumphalen Erfolgen führte.

Feuilleton: Bestialitäten

Ich hatte’schon immer eine Vorliebe für Löwen gehabt. Als ich klein war, ging ich die letzten Schritte vor unserem Haus rascher und warf das Tor schnell hinter mir zu, daß es krachte.

Neues vom Tage

Wenn einer moderne Musik hören will – was tut er darin? In Hamburg kann er ins „Neue Werk“ gehen. Er sitzt auf. einem Platz der in steilen Stufen aufsteigenden Reihen im größten Studiosaal des NWDR, und seine Bekannten sind auch alle da: Schriftsteller und Maler, viele Studierende der Musikhochschule und der Landeskunstschule, außerdem natürlich Menschen, die anderen Tages ihre Gespräche mit den Worten beginnen: „Waren Sie gestern im ,Neuen Werk‘? Also, ich sage Ihnen.

Die unmodernen Aktivisten

Am Ende des zweiten Weltkrieges hat es in Deutschland etwas nicht mehr gegeben: den fanatischen Aufruf, eine neue Weltordnung zu gründen, das Vergangene zu stürzen und wieder mit dem Jahre I zu beginnen.

Der Panamakanal

Jahrtausendealt ist der Kampf um den schmalen Streifen Land dort bei Panama, diesen dünnen Nervenstrang, der Nordamerika mit Südamerika zusammennietet.

Er war einfach himmlisch

Sie hatten sie auf das schmale Feldbett gelegt und fest in eine Wolldecke gewickelt, nachdem sie ihr die nassen Kleider abgestreift hatten.

Der schlesische Schwan

Friederike Kempner – so hieß die Meisterin der unfreiwilligen Komik; aber den „schlesischen Schwan“ nannte man das Edelfräulein auch, das als Tochter des Rittergutsbesitzers Joachim Kempner und seiner Frau, einer geb.

Hört auf zu resignieren!

Hier begibt sich etwas Seltsames: es ist, als wenn ein Arzt ungemein scharfsinnig nicht allein die Symptome, sondern auch die Ursachen einer Krankheit analysierte und dann das Heilmittel beschriebe, das einzig und allein aus dieser Krankheit retten kann.

Germaine war überflüssig

Mit Spannung und Faszination beginnt der Roman Werner Helwigs „Reise ohne Heimkehr“ (Claassen Verlag, Hamburg), und durch 400 Seiten hält der Ich-Erzähler beides durch: Er, ein Deutscher, trifft seinen Freund Clemens, einen Österreicher, der seit Jahrzehnten in der griechischen Inselwelt lebt und sich als Fischer mehr schlecht als recht sein Brot verdient; miteinander segeln sie monatelang in jenen Gewässern, mit nichts andrem befaßt als mit den tausend kleinen Nöten des kärglichen Fischerdaseins.

Gretchenfragen in Paris

Als im März dieses Jahres der Ministerrat der OEEC zu seiner letzten Sitzung zusammentrat, ging es um die Existenz der EZU und mehr oder minder auch der OEEC.

Transit-Hemmungen

Die unerwartete Verzögerung der Bekanntgabe des neuen Transithandels-Runderlasses hat in westdeutschen Außenhandelskreisen sehr viel Verärgerung geschaffen.

Der Sparer arbeitet sich nach vorn

Es ist wieder eine erstaunliche Bilant, die die deutschen Sparkassen aus Anlaß des Weltspartages am 30. Oktober in diesen Tagen dir Öffentlichkeit vorlegen.

„Moselfahrt aus Liebeskummer“

Nach der in der vergangenen Woche van dem französischen Konsortium für die Kanalisierung der Mosel durchgeführten Moselstudienfahrt von Koblenz nach Metz, an der rund 350 Regierungsvertreter, Industrielle und Journalisten, aus neun europäischen Ländern teilnahmen, ist das umstrittene Problem der Moselkanalisierung erneut zum Gesprächsstoff geworden.

Klöekner zeigt einen Weg

Eine gesetzliche Regelung der Mitbestimung in den Holding-Unternehmen der Montanindustrie ist bisher nicht erfolgt. Es ergaben sich daher in den letzten Jahren unterschiedliche Auffassungen, die z.

Das dumme Gerede von der Flaute

Im Zusammenhang mit der Baisse an den amerikanischen Aktienmärkten, die – mit Unterbrechungen durch Wiederholungspausen – nun schon seit Januar dieses Jahres anhält, verstärkt und verbreitert sich neuerdings mehr und mehr in allen westlichen Ländern die Diskussion über die Möglichkeit eines Konjunkturrückschlages, der, von Amerika ausgehend, die ganze westliche Welt in Mitleidenschaft ziehen müßte.

Start mit Hindernissen

In den Besprechungen über eine Anleihe der Weltbank im Betrag von 30 Mill. die an einige exportintensive Betriebe und (hilfsweise für den Ankauf von Teilen der Breitbandwalzstraße) an die August-Thyssen-Hütte gehen soll, haben sich Differenzen über die Anleihebedingungen ergeben.

Braunkohle baut kräftig aus

Die rheinische Braunkohlengruppe hat bereits acht Monate nach Bekanntgabe ihrer DMEB und der Abschlüsse bis 1950 ihren oHVs die Bilanzen für 1951 und 1952 vorlegen können.

Auslandsinteresse für deutsche Aktien

Als zu erkennen war, daß die Regierungserklärung präzise Angaben über die „Große Steuerreform“ und die Neuordnung des Kapitalmarktes nicht enthalten würde und in dieser Hinsicht keine Überraschungen zu erwarten waren, versuchte der Berufshandel Gewinne mitzunehmen.

Der Holzmarkt vor neuen Aspekten

In diesen Wochen beginnen im Bundesgebiet die ersten Rundholzverkäufe aus neuem Einschlag. Auf welchem Niveau werden sich die Preise einspielen, wenn in den Monaten Januar bis März 1954 die Hauptmengen dieser Saison placiert werden? Wird sich die Tendenz des Vorjahres fortsetzen und nochmals ein Absinken um 40 bis 50 v.

Mexiko-Interesse

Bisher haben sich 450 Firmen aus vielen Zweigen der deutschen Industrie, darunter auch der Schwerindustrie, verbindlich als Aussteller für die deutsche Industrie-Ausstellung in Mexiko City im Frühjahr 1954 gemeldet.

Zusammenarbeit

Der Deutschlandbesuch des Wirtschafts- und Finanzministers von Saudi-Arabien, Scheich Abdullah Soleiman El Hamdan – von Bundespräsident Prof.

Neue Produktion

„Terylene“ für Deutschland. Die Farbwerke Hoechst AG. und die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG., die auf dem Gebiet der Forschung und Erzeugung vollsynthetischer Fasern verschiedener Art erfolgreich tätig gewesen sind, haben von der Imperial Chemical Industries Ltd.

Deutsche Wagen in London

London, im Oktober Die Internationale Motor Show in London, die 38. Automobilausstellung Großbritanniens, bringt dem englischen Publikum den bisher billigsten Wagen des Landes.

Seebohms Wiederkehr

Die Kabinettsbildung hat zum Schluß doch noch eine Überraschung gebracht: der Bundesminister für Verkehr, Dr. Seebohm, wird sein altes Ressort wieder übernehmen, obwohl man unter dem Eindruck seiner Ressortbilanz schon lange mit seinem Ausscheiden gerechnet hatte.

„Befreites“ Schmalz

Wenn alles klappt, wird die staatliche Bevormundung demnächst auf einem weiteren Ernährungsgebiet, dem Schmalzmarkt, beendet sein.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Als zusammenfassende Darstellung des Börsenrechts stellte Oberregierungsrat Dr. Harald Sieg, der Staatskommissar bei der Hamburger Börse, eine Textsammlung von Gesetzen, Verordnungen, Geschäftsordnungen, Geschäftsbedingungen, Satzungen, Richtlinien und Gebührenordnungen mit kommentierenden Anmerkungen zusammen, die in allen Bank-, Sparkassen-, Versicherungs- und Industriekreisen seit langem vermißt wurde.

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