Von H. Berlin

In einsamer Höhe kreisen die Adler des Reiches.“ Dieser Satz findet sich in der „Deutschen National-Zeitung“, die in Tausenden von Exemplaren kostenlos aus München an ehemalige Soldaten verschickt wird. Mit solchen Mitteln soll eine Fronde gegen die westlichen Alliierten in der Bundesrepublik geschaffen werden.

Deutlich sichtbar wurde diese Tendenz im Juni vorigen Jahres auf dem Leipziger Parteitag der National-Demokratischen Partei (NDPD), die in der Ostzone 1948 gegründet wurde, um ehemalige Soldaten und Nationalsozialisten im sowjetischen Sinne zu politisieren.

Schon 1950 versuchte die NDPD, die von der sowjeteigenen Garantie- und Kreditbank monatlich 700 000 Ostmark erhält, Einfluß auf die westdeutschen Soldatenbünde zu gewinnen. Mai spekulierte dabei auf das Mißvergnügen der ehemaligen Soldaten an der militärfeindlichen Einstellung von Parteien und Regierungsstellen und an der Brüskierung ihrer Versorgungsansprüche, auf die Reichswehrtradition der Ära Seekt und den Tauroggen-Mythos. Zu den roten Missionaren gehörten damals der Oberst a. D. Lehweß-Litzmann und der ehemalige SS-Obersturmbannführer Franke-Gricksch, der als Stabschef Strassers in Prag dessen Mitarbeiter 1938 an Himmler verriet und der nach dem Kriege eine entscheidende Rolle in der „Bruderschaft“ spielte.

Von den bewährten KPD-Funktionären Willy Mohn und Richard Scheringer vorbereitet, wurde am 3. Juni 1951 auf einem Soldatentreffen in Ülzen der „Führungsring“ ehemaliger Soldaten gegründet.

Im Dezember 1951 distanzierte sich der Geschäftsführer Hein unter sensationellen Enthüllungen von den „Machenschaften im Schlepptau des Ostens“. Danach, Mitte 1952, mußte der „Führungsring“ durch die „Internationale Militärkorrespondenz“ des falschen Generalstäblers Steidl gestützt werden. Seit Oktober 1952 wird die Korrespondenz unter dem Namen „Militärpolitisches Forum“ genau so wie die „Deutsche Nationalzeitung“ zahlreichen ehemaligen Soldaten unbestellt zugesandt. Das gründliche Studium einiger in die Reihe militärisch-fachlicher Artikel eingestreuter politischer Artikel offenbarte bald den wahren Charakter dieser Publikation. „Ist Adenauers Erfolg ein Erfolg auch für Deutschland?“ „Daher erlebten wir auch jüngst wieder die gewundene Ablehnung der sowjetischen Vorschläge.“ „Diese im Rausche des Sieges Herrn Adenauers entschlüpfte Äußerung ist ein Bekenntnis zur Politik der Gewalt ...“ „Darüber hinaus haben die an der Macht befindlichen Parteien durch die Fünf-Prozent-Klausel, durch willkürliche Verbote und Terror, die Versuche, oppositionelle Kräfte in den Bundestag zu bringen, fast aussichtslos gemacht.“ Das alles stand in dem Leitartikel „Wir stellen fest“ der Nr. 9 des „Militärpolitischen Forums“ vom September 1953. Dennoch galt dieses Blatt bei den militärischen Führungsstäben einiger westeuropäischer Staaten monatelang als „deutsche Militärzeitschrift von Rang“.

Im Herbst 1952 lenkte der Agent Steidl auch den Herausgeber des „Militärpolitischen Forums“, Reichenau, den Bruder des während des Krieges gestorbenen Feldmarschalls, bei seinen „Dienstreisen“ in der Bundesrepublik. Reichenau hatte den Auftrag, ein gesamtdeutsches Offizierstreffen zu organisieren. Er holte sich zwar bei den Admiralen. in Norddeutschland eine Abfuhr, brachte aber das Soldatentreffen in Stuttgart zustande. Dazu hatte man den Teilnehmern teilweise sogar die Kosten der Flugreise erstattet. Es sprachen jedoch nicht nur Reichenau und Oberst Rudel, sondern auch einige Diskussionsredner, die der Unterhaltung eine offenbar recht unerwünschte Wendung gaben, indem sie sich als Freunde der Demokratie und als Feinde des Bolschewismus bekannten. Das ganze Geld war umsonst ausgegeben worden. Bald tauchten auch Zweifel an der Herkunft des Geldes auf. Man beschäftigte sich näher mit Reichenaus Person. Und da kam heraus, daß er noch nie eine Kugel hatte pfeifen hören, daß ihn seine Familie seit Jahrzehnten nicht mehr kennen wollte, daß er in China als Agent für mehrere Seiten tätig war, und daß er dort nach Kriegsende im Zusammenhang mit dem berüchtigten Schanghai – Prozeß Dutzende seiner Landsleute mit fragwürdigen Methoden vernommen und an eine ebenfalls fragwürdige Justiz ausgeliefert hatte. Reichenau und der „Führungsring“ verschwanden spurlos von der Bildfläche.