Man verzeiht einem glücklichen Jubilar so einiges, aber seine verständliche Frede ist nun doch nicht ein Freifahrtschein für literarische und theatralische Unzulänglichkeiten. So geschehen in Oldenburg, wo das Staatstheater zu seinem 120jährigen Bestehen Jean Cocteaus 1937 entstandenes Spiel "Die Ritter von der Tafelrunde erstaufführte.

Cocteau, dieser Allerweltskerl und Equilibrist der verschiedensten Kunstgattungen, hat hier ein abstruses Gemisch aus Artus-, Merlin- undKlingsor-Sage zusammengebraut, ein verwirrendes Durcheinander von Farce, kolportierter Mythologie, Persiflage existentialistischen Anklängen und routinierten Taschenspielertricks (wie in "La Belle et la Bête") und das alles nach dem provozierenden Rezept: Ob sie (die Zuschauer) wohl merken, daß ich sie zum besten halte? Merlin-Cocteau verzaubert alles: Artus, die ehebrechende Gattin, den gesamten Hofstaat, ja, schlechthin alles, was nicht niet- und nagelfest ist – nur nicht das Publikum. Das ist der Mangel dieses schwachen Stückes, aus dem allenfalls noch ein Meister der Regie (vielleicht Stroux) einen Theaterzaub’er gemacht hätte. In Oldenburg lag die Regie in den Händen Friedrich Kremers. So stand es jedenfalls im Programmheft. Er hatte anscheinend aus Angst vor der eigenen Courage kapituliert, denn man sah nur ein zur freiwilligen Parodie geratenes Lohengria-Pendant mit spiritistischen Mätzchen, dazu mit Darstellern, die Cocteau mit Wildenbruch verwechselt hatten. Der zaghafte Beifall am Schluß mußte sich schon kräftig bemühen, um die ob so viel Unzulänglichkeit prustenden Lacher zu übertönen, und war weniger eine Bekundung des Dankes als vielmehr eine obligatorische Reflexbewegung. h. h.