Lübeck, im Dezember

Immer, wenn eine neue Wintersaison beginnt, überraschen uns die munteren Diener der Göttin Terpsichore mit einem neuen Tanz. Jedesmal wird er wie auf silbernen Tabletts serviert als "Tänzchen der Saison". Und wie oft entschwindet er ungetanzt hinter den Horizont der Zeiten. Diesmal heißt die Sache: "der Schleicher". Man kann auch sagen: der Kriecher. Denn to creep heißt: schleichen und kriechen. Und creeper ist der Firmenname des neuen Tanzes, made in England. Aber in Travemünde konnte man schon Paare sehen, die ihn für Deutschland kreierten.

Das Rad dreht sich zurück. In einem exklusiven Modebericht von 1930 fand ich kürzlich die "engen" Hosen der Herren als Kennzeichen ewiger Gestrigkeit gebrandmarkt. Jahrzehntelang waren die Hosen weit. Jetzt sind sie nach dem Geheiß der Modegewaltigen wieder eng. Ja, und dann gab es vordem das, was auf Berlinisch "Backe-an-Backe-Tanzen" heißt. Im Zeitalter von Swing und Jitterbug, von Mambo und Samba erschien das als eine verwerfliche Abart des Apachentanzes. Jetzt ist auch diese Haltung wieder da. Denn der "Schleicher" wird in engster Tuchfühlung getanzt, wie die Experten demonstrierten. – Das Rad dreht sich zurück. Aber es ist bekanntlich nicht alles Gold, was alt ist. K. N. N.