Die Fischstände lagen in einer Verengung der Straße, wo sich das hohe Gebäude einer Eisfabrik erhob. Viel Fische gab es jetzt nicht mehr. Schollen fehlten, auch Rotbarsch. Aus der Tür der Eisfabrik kam ein hagerer Mann in einer Lederschürze. Er drückte einen steif gefrorenen Fisch vor die Brust, der fast so lang war wie er selber. Den warf er auf eine Bank und halbierte ihn erst einmal. "Der ist aber hart", sagte eine Frau. – "Zwei Minuten im Wasser, dann ist er weich", erwiderte er. – "Was kost’ der Butt?", fragte eine andere Frau. –

Aale gab es an verschiedenen Stellen des Marktes, nach Größen geordnet zu festen Preisen bis 3,50 DM, vom fingerdicken bis zum seildicken. Aber nicht jeder Aal hatte einen festen Preis. Es gab auch Verkäufer, die mit sich handeln ließen.

In der Nähe des Schuhstandes, dessen Inhaber gerade einem Polizisten eine treffende Beschreibung des Seemannes als eines "Täters" gab, stand ein kleiner Mann mit einer weißen Schürze, die er sich unter dem Gesäß zusammengebunden hatte. Vor ihm auf dem Tisch lag ein Berg Aale, unter denen er geradezu wühlte. "Hier hab’ ich nochmal was Schönes", sagte er. "Drei Mark... zwei Mark fünfzig ... na, zwei Mark. Hier!" – "Einsachtzig", sagte die Frau, der er den Aal vor Augen hielt. – "Zwei", wiederholte er. – "Einsachtzig", beharrte sie. – "Nein, hier! Bitte!" Er gab den Aal einem alten Herrn. Doch der wollte nur eine Mark bezahlen. Da resignierte der Verkäufer: "Ich habe heute gar nichts zu sagen. Heute bestimmen meine Kunden die Preise. Hoa, hoa, hoa. Na, und dieser? Ist der nichts? Aal ist keine Wurst, Aal ist eine Delikatesse. Wenn Sie diesen Aal sehen, dann muß Ihnen doch das Geld elektrisch aus der Tasche rollen, Zwei Mark, junge Frau?" – "Einsachtzig", sagte die Frau.

Aus einem nahen Drahtgestell krähte laut ein Hahn. Daneben war ein Schaf an einen langen Schuppen gebunden. Es mistete und fing an zu blöken. – Es waren hier zwei Reihen Stände. In der ersten Reihe gab es Gemüse, Salat – "drei Bund zehn Pfennige!" – Zwiebeln, Apfelsinen. Eine alte Frau verkaufte Schnittlauch, weiter nichts als bundweise Schnittlauch. Ein Junge bot eine kleine, schwarze Katze an, die sich an seine Brust geklammert hatte. Aber es gab hier auch Seife, Bürsten, Kämme. Vor einem Lastwagen, dessen hintere Klappe aufgeschlagen war, standen die Frauen Schlange. Sie kauften Kartoffeln bei Musik ein, denn aus der offenen Tür eines Lokals am schmalen Bürgersteig drangen die Klänge von zwei Akkordeons. Ab und zu zeigte sich einer der Spieler in weißer Jacke am Eingang, um noch mehr Gäste anzulocken, obwohl es in dem ganzen Lokal keinen freien Stuhl mehr gab. Übrigens war die zweite Reihe von Verkaufsständen für das lebende Viehzeug bestimmt. Ein Mann in graugrüner Joppe und Stiefeln kam vorbei. Er schleppte ein junges, schwarzgesprenkeltes Schwein, das er an einem Hinterbein festhielt. Als er in Höhe einer Würstchenbude war, aus der der Geruch und Dampf von Bratwürstchen quoll, fing das Schwein an durchdringend und hoch zu quieken, als ahne es seine zukünftige Bestimmung. Es zappelte heftig, und die Hand des Mannes wurde geschüttelt.

An der Würstchenbude stand der Dicke mit der Kupferhaarigen. Er sah ihr zu, wie sie Mostrich auf den Pappteller tat. Dann tupfte sie die Wurst in den Mostrich, und er tat es ebenfalls. Der Mann in der graugrünen Joppe hatte es nicht weit. Sein Wagen stand ganz in der Nähe. Er warf das Schwein über den Rand seines Wagens, wo schon zwei andere Schweinchen grunzten. Eine gesetzte Frau verhandelte mit einem Mann, der neben dem Schweinewagen in einem Korb zwei graue Kaninchen feilhielt. Zwei Jungen traten mit ihrer Mutter auf sie zu. – "Mutti, den kauf’!", sagte der eine bettelnd. Seine Augen konnten sich von dem Kaninchenbock nicht trennen. "Nee", sagte die Frau. "Das is’ zu teuer." – "Sechszehn Mark für beide", sagte der Händler. "Vierzehn", sagte die Frau. "Sechszehn", erwiderte ruhig der Händler. "Lassen Se man für vierzehn", bat die Frau. – "Nu kauf’ ihn doch!" sagte der Junge. Die beiden Kinder waren in ordentlichen, wenn auch groben Anzügen. "Das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk", sagte der erste Junge. Er beugte sich zu dem Kaninchen und strich ihm über die nach hinten gelegten Ohren.

Die Frau hielt ihr Portemonnaie in der Hand. "Jung", sagte sie, "ich hab’ nich’ so viel Jeld." Sie sprach noch den breiten ostpreußischen Dialekt, während den beiden flachsblonden Jungen, die kräftige Kerle zu werden versprachen, ihre Herkunft nicht mehr anzumerken war. Sie öffnete das abgegriffene Portemonnaie und zahlte.

Zwei Polizeibeamte patrouillierten vorbei. "Das war mir von vornherein klar", sagte einer zum anderen, "daß es der Seemann nicht war."