Derweil hatten der Dicke und die Kupferhaarige an der Bude die Würstchen verzehrt. Er hakte sie unter; trug sogar ihre Markttasche.

Die beiden Jungen hatten von dem Kaninchenhändler den Korb noch mitbekommen. Sie strahlten. "Aber jetzt is jenuch", sagte die Frau, als sie vor einem Käfig mit Tauben stehenblieben. Der Verkäufer holte gerade eine Taube hervor. Sie war grau, glatt, hatte rote Augen und einen kleinen Kopf. Als er den Deckel schloß, paßte er nicht genügend auf, sie flatterte heftig, kam frei und stieg in die Luft. Die Leute hoben die Köpfe zum schwachgrauen Morgenhimmel. "Die seh’n Se nich’ wieder", sagte ein Mann. – "Macht nichts", sagte der Händler. "Die fliegt nach Hause."

Der fröhliche Seemann steuerte schwankend und pfeiferauchend durch die Fischbänke, die jetzt schon abgebaut wurden. Vor einem Stand mit Gurken blieb er stehen: "Kost’?", fragte er und zeigte auf eine geöffnete Büchse, wo aus der Lake auf eine mit Kreide bemalte Tafel. Der Seemann nahm die Pfeife aus dem Mund. "Ich kann lesen", sagte er. "Du glaubst doch, daß ich lesen kann?" – "Ja", sagte die Frau beschwichtigend. "Ich glaub’s schon." Der Seemann wackelte mit der Pfeife. "In Hawoi, in Hawoi" sang er laut. Da gab es plötzlich einen Auflauf, eine Zusammenrottung von Menschen, aus der sich der Tschako eines Polizisten hob. Der Seemann riß sich zusammen. "Oh", sagte er freudig, "oh!", und strebte dem Haufen nach, der sich mit zum Polizeirevier wälzte: aus der Menge ragte der Dicke hervor, der Würstchenesser. Der Seemann hatte vergessen, daß er eine Gurke haben wollte. Aber als er die Menge erreicht hatte, war der Beamte mit der Kupferhaarigen und dem Dicken schon die Treppe zum Revier hochgestiegen und im Innern des Hauses verschwunden. "Weitergehen", sagte ein Polizeibeamter zu den Leuten. "Hier gibt’s nichts zu sehen." Die Zuschauer waren durchweg Frauen. Und so leicht ließen sie sich nicht vertreiben. Dies war ihr Markt. Sie konnten stehen, wo sie wollten. Die Polizei hatte ihnen gar nichts zu sagen. –

Auf den umliegenden Ständen fing man an, abzuräumen. Wer noch etwas kaufen wollte, ein Stück Kuchen, einen Blumenkohl oder ein Pfund Zwiebeln, tat es schnell. Denn jetzt, bei Marktschluß, war alles billiger, was verderben konnte. Und es gab genug, die zu guter Letzt noch einen Wunsch hatten. Die Polizeibeamten gingen nachsichtig, aber bestimmt von Stand zu Stand, um darauf zu achten, daß überall Schluß gemacht wurde. Ein Mädchen füllte eifrig eine Kiste mit Apfelsinen. Hinter dem Rücken des Beamten schüttete sie die Kiste wieder aus und sie begann von neuem zu füllen, als hätte sie sich eine freiwillige Sysiphusarbeit auferlegt. Inzwischen verkaufte sie weiter.

Die Menge vor dem Polizeirevier zerstreute sich allmählich. "Solche wie die müßte man prügeln", sagte eine Frau. "Aufgedonnert wie zum Ball und geht Schuhe klauen." – "Vielleicht hat sie alle Tage Ball", sagte eine andere. "Die war schön dumm", meinte eine Dritte. – "Dumm?", empörte sich die erste. "Raffiniert nenne ich das! Die armen Leute am Stand verdienen ihr Geld sauer genug!" – "Wenn sie raffiniert wäre", sagte die Dritte, "wäre sie doch nicht erwischt worden..."

An einem Würstchenstand erholte sich der Dicke, der inzwischen entlassen war, von dem Schreck und ließ sich ein Würstchen geben. "Und ich hab’ ihr noch die Tasche getragen!", sagte er zu einer Frau, die neben ihm stand. "Das hat man nun von seiner Anständigkeit! Gerät noch in falschen Verdacht!"

"Da haben Sie recht", erwiderte die Frau.